Berliner Resident-DJ im Bahnwärter ThielDie wundersame Karriere von Pauli Pocket

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Pauline Hübner lernt mit 13 elektronische Musik kennen, mit 14 legt sie zum ersten Mal auf. Seitdem nennt sie sich Pauli Pocket.
Pauline Hübner lernt mit 13 elektronische Musik kennen, mit 14 legt sie zum ersten Mal auf. Seitdem nennt sie sich Pauli Pocket. (Foto: Kristina Kast)

Vom Teenager an den Decks zur Ikone im Kater Blau: Wie Pauli Pocket Resident-DJ in Berlin wurde.

Von Sandra Langmann

Kinder der Neunzigerjahre erinnern sich genau daran, was sie in Freundschaftsbücher ihrer Schulkolleginnen in die Hobbyspalte für die Ewigkeit geschrieben haben: Freunde treffen, Musik hören, vielleicht noch so etwas wie CDs sammeln oder bei ICQ versacken. Bei Pauli Pocket kam schon 2008 als 14-Jährige das Auflegen dazu. Selbsterklärend, dass die DJ heute das Handwerk nicht nur mit sehr viel Gefühl beherrscht, sondern ganz genau weiß, was sie tut. Als Resident-DJ im Berliner Club Kater Blau gehört sie seit einem Jahrzehnt schon fast zum Inventar und hat weltweit mehr als 1000 Gigs gespielt. Am 24. Oktober bespielt sie bei „Freitag mit Pauli Pocket“ den Bahnwärter Thiel.

Egal, ob nun 2008 oder 2025: So junge Frauen am DJ-Pult gibt es kaum, in der Szene tut sich trotzdem etwas. „Es spielt weniger eine Rolle, wer DJ ist. Es ist selbstverständlicher geworden.“ Es gibt mehr Frauen, dafür weniger sexistische Sprüche und Machogehabe. „Mit Corona hat sich einiges geändert. Es gab einen Generationenwechsel“, sagt sie. Einige wenige DJs, die den Ton angaben und anderen den Einstieg erschwerten, wichen der neuen Generation, die offen und gleichberechtigt ist. „Die Konkurrenz ist dann größer, aber es gibt auch mehr Vielfalt.“

Wer vom Auflegen leben kann, wer als Resident-DJ den Club füllt, wer international angesagte Festivals bespielt, der – oder besser die – hat es geschafft. Daher kann sich Pauline Hübner, bekannt als Pauli Pocket, selbstbewusst ans Pult stellen. Jeder Flow, jeder Beat, jeder Handgriff sitzt. Denn die 32-Jährige ist nicht erst jetzt auf den Trend aufgesprungen, um sich in Berlin mal am Mischpult zu probieren – um dieses Klischee an der Stelle mitzunehmen. Pauli gehört seit 18 Jahren zur Szene.

Als sie die elektronische Musik für sich entdeckt, ist sie 13. In einem Club in Rostock, ihrer Geburtsstadt, merkt Pauline Hübner, wie sie bei Drum ’n’ Bass den Kopf so richtig ausschalten kann. Bei einem Abi-Ball legen zwei Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe auf, deren Workshops sie dann besucht. Pauline Hübner nennt sich Pauli Pocket und ist von 2008 als Duo mit ihrer früheren besten Freundin Gloria Fock unterwegs. „Rückblickend ist es schon irgendwie komisch“, sagt sie. Aber: „Ich würde es noch mal ganz genau so machen.“

Eine 14-Jährige, nachts als DJ unterwegs – nicht gerade ungefährlich. „Ich hatte das große Glück, dass einige Leute, hauptsächlich ältere Freunde und meine Eltern, auf mich ‚aufgepasst‘ haben.“ Die Musik steht für sie immer im Vordergrund. In der Techno-Szene, die damals „nerdiger“ war, fühlte sie sich verstanden. Denn als Jugendliche ist Pauli Pocket sehr in sich gekehrt, macht sich über vieles viele Gedanken, ist rebellisch. Heute weiß sie, dass sie ADHS hat und vieles rückblickend gesehen Sinn ergibt. Sie bricht die Schule ab, zieht mit 17 nach Berlin, macht dort ihr Abi und jobbt mal im Club, mal im Fondue-Restaurant.

Zum ersten Mal legt Pauli Pocket 2008 auf, bei einer Abi-Party in einem Club in Rostock. Ohne eigene Platten, geliehen von einer Freundin, legt sie Minimal Techno auf. Das Freundinnen-Duo entwickelt sich weiter, bekommt Routine, bis die Vorstellungen auseinandergehen und 2014 zur Trennung führen. „Ich hatte noch nie allein aufgelegt. Eigentlich wollte ich aufhören.“

Pauli Pocket findet ihren Stil, geradlinig, aber doch verspielt, fühlt den Flow, bis sie im Kater Blau jobbt, auflegt und 2015 zur Resident-DJ wird. Seitdem kann sie von der Musik leben. Dort kreiert sie ihren Mix aus Indie Dance, Tech-House und Techno und schafft sich einen kollektiven Raum, in den sie sich fallen lassen kann. „Es muss im Brust-Bauch-Bereich kribbeln und darf auch ruhig mal hin und wieder kitschig sein.“ Dann ist es richtig.

Einen kleinen großen Traum gibt es dann noch: vielleicht mal einen kleinen Club am Meer eröffnen. Erst mal geht’s noch nach Australien, Südafrika, und in den Bahnwärter nach München.

Pauli Pocket, Bahnwärter Thiel, Freitagabend mit Pauli Pocket, Freitag, 24. Oktober

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