Bahnhofsviertel Situation am "Arbeiterstrich" bessert sich

Tagelöhner aus Bulgarien warten in der Landwehrstraße im Münchner Bahnhofsviertel bei Minustemperaturen auf Arbeitsangebote (Archivbild).

(Foto: SZ Photo)

Morgens warten an der Ecke Goethe- und Landwehrstraße maximal 25 Tagelöhner. Dass die Beschwerden zurückgehen, liegt auch an der Aufklärung der Anwohner: Herumstehen ist schließlich nicht verboten.

Von Thomas Anlauf

Sie stehen frühmorgens an der Kreuzung in der Hoffnung auf irgendeinen Job für den Tag. Wer zu spät kommt, geht meist leer aus. Seit 2008 ist der Standplatz an der Ecke Goethe- und Landwehrstraße etabliert; vor allem in den Anfangsjahren, als am sogenannten Arbeiterstrich im südlichen Bahnhofsviertel Männer vor allem aus Bulgarien standen, gab es im Umfeld der Kreuzung Beschwerden über die Arbeitssuchenden - von der Theatergemeinde, der Isbank, der Ziraatbank, des Hotels Mirabell sowie von Anwohnern.

Doch die Situation hat sich offenbar deutlich gebessert: "Die im Kreisverwaltungsreferat (KVR) eingehenden Beschwerden über die Situation vor Ort sind seit geraumer Zeit rückläufig", teilt das KVR mit. Dies bestätige auch das Polizeipräsidium, bei der für das Bahnhofsviertel zuständigen Inspektion gehen laut KVR jährlich nur noch etwa ein bis zwei Anzeigen ein.

Straftaten oder Verkehrsbehinderungen gibt es nicht

Als Grund für die mittlerweile geringe Zahl von Beschwerden nennen das KVR und das Polizeipräsidium die verstärkte Präsenz der Polizei an der Kreuzung, den regelmäßigen Kontakt mit den Gewerbetreibenden und die Aufklärung darüber, dass es nicht verboten werden kann, wenn sich die Menschen auf dem Gehweg aufhalten. Zumal da die Arbeitssuchenden an der Straßenecke Passanten Platz machen, wie das KVR mitteilt.

"Bislang kam es aus der Ansammlung heraus zu keinen Straftaten oder Verkehrsbehinderungen, die ein sicherheitsrechtliches Einschreiten erfordern würden", heißt es in einer Antwort des Referats auf eine Anfrage der Bayernpartei. Deren Stadtratsfraktion hatte in einer Anfrage gemutmaßt, Polizei und KVR würden die Situation an der Kreuzung "verharmlosen".

Doch Polizei und KVR beobachten die Lage dort sehr genau. Demnach halten sich maximal etwa 25 Arbeitssuchende an der Kreuzung auf, ab Mittag sinke die Zahl der herumstehenden Leute auf unter zehn. Bei einer stichprobenartigen Untersuchung im vergangenen November überzeugte sich die Referatsleitung davon, dass zwischen 7.30 und 9 Uhr "höchstens zehn Arbeitssuchende auf der Straßenseite vor der Isbank" gestanden hätten.

Dass dort mittlerweile weniger Arbeitssuchende zu sehen seien, führt das städtische Sozialreferat auch auf das Beratungscafé der Arbeiterwohlfahrt an der Sonnenstraße zurück, das im Oktober 2015 für die Arbeitssuchenden eröffnet wurde und mittlerweile von vielen Betroffenen genutzt werde. Die im Viertel arbeitenden Streetworker müssen deshalb nicht mehr so oft die Leute an der Kreuzung aufsuchen.

"Scheißegal, ich mache alles"

Arbeiterstrich - so heißt eine Straßenecke mitten in München, an der Billig-Tagelöhner aus Südosteuropa auf einen Job für ein paar Euro warten. Sie sind moderne Arbeitssklaven, frei verfügbar, zu riskanten Tätigkeiten bereit. Und werden oft um ihr Geld betrogen. Alexandra Reinsberg - ausgezeichnet mit dem jj-Reportagepreis mehr...