Bahnhofsviertel "Gentrifizierung mittelständischer Unternehmen"

Motel One plant gleich zwei neue Hotels in der Schillerstraße.

(Foto: Robert Haas)

Die CSU-Mittelstandsunion und weitere Interessensverbände beziehen Stellung gegen das neue große Hotelprojekt von Motel One an der Schillerstraße

Von Franz Kotteder

Die Stimmen für eine deutliche Begrenzung neuer Hotelbauten werden lauter. Nachdem bekannt wurde, dass Motel One an der Schillerstraße nicht nur ein, sondern gleich zwei neue Hotels mit zusammen 912 Betten errichten wird, fordert jetzt auch die Mittelstandsunion der CSU, "in ganz München die Bebauungspläne der einzelnen Viertel im Hinblick der möglichen Auswirkungen auf gewachsene Strukturen zu überprüfen und im Sinne einer mittelständischen Wirtschaft das Miteinander von Gewerbe und Wohnen zu fördern". Das neue Motel One gehe zulasten der mittelständischen Hotellerie an der Schillerstraße, so Claudius Wolfrum, der Vorsitzende der Münchner Mittelstandsunion. Gerade familiengeführte Hotels stünden stark unter Druck und könnten mit den großen Ketten kaum mithalten. Außerdem gehe jeder Hotelneubau "auf Kosten von möglichem Wohnraum", so Wolfrum weiter.

Auch Conrad Mayer, der Vorsitzende des Münchner Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga und bis vor Kurzem selbst noch Hotelier an der Schillerstraße, weist in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) auf die seiner Ansicht nach fatale Entwicklung des Bahnhofsviertels hin. Wenn die Stadt freiwillig auf Wohnungen verzichte, wie es Stadtbaurätin Elisabeth Merk in einem Schreiben an die SPD-Stadtratsfraktion mit Verweis auf den mehr als 20 Jahre alten Bebauungsplan ankündige, bedeute das erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Viertels. Dabei habe die Stadt selbst für das Südliche Bahnhofsviertel ein Konzept erstellt, das gerade hier mehr Wohnraum schaffen sollte. Die Angelegenheit müsse deshalb grundsätzlich im Stadtrat behandelt werden und könne nicht einfach durch einen Brief an einzelne Stadträte beendet werden.

Der Verein Südliches Bahnhofsviertel München sieht ebenfalls die Gefahr, dass "das Viertel durch derartige international finanzierte Großprojekte seine typische Vielfalt und auch sein Alleinstellungsmerkmal" verliere. Noch gebe es kleine, familienbetriebene Hotels und Wohnungen im Viertel, diese würden durch große Hotelketten aber verdrängt. Die Gefahr wachse, so der Vereinsvorsitzende Fritz Wickenhäuser, "dass die Entwicklung in der Hotelbranche in München ähnlich verläuft wie im Handel, bei dem in der Innenstadt bereits 98,7 Prozent der Betriebe Filialbetriebe großer Konzerne sind". Es finde bereits "eine Gentrifizierung mittelständischer Unternehmen" statt. Die Stadt müsse nun endlich handeln.