Bahn-Streik: Der Tag in MünchenDas lahmgelegte Netz

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Der Bahn-Streik hinterlässt nur vereinzelt Verstimmungen. Der Tag in München schwankte zwischen rätselhafter Ruhe und nervenzermürbendem Stau. Die Reisenden hatten sich offenbar gut vorbereitet.

Dominik Hutter und Christian Krügel

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S-Bahn? Besonders viel war am Freitag nicht mehr los auf Münchens Schienen. Den streikenden Lokführern gelang es, große Teile des 442-Kilometer-Netzes lahmzulegen. Viele Fahrgäste wichen auf U-Bahn, Bus, Tram oder das Auto aus. Zu dem befürchteten Chaos kam es jedoch nur teilweise.

Hauptbahnhof, 8 Uhr früh: In der großen Gleishalle herrscht eine entspannte Atmosphäre, der Andrang ist deutlich geringer als an normalen Bahn-Tagen. Einige Reisende holen sich kostenlosen Kaffee und Orangensaft am Beschwichtigungsstand der Bahn. Andere eilen zu ihren Fernzügen, die vom Streik nicht betroffen sind und deshalb pünktlich abfahren können.

Gestresste Gesichter sind rarer als Fernsehteams - was wohl in der Logik des Berufsverkehrs begründet ist: Denn wer zu Hause gar nicht erst losfahren kann, kommt natürlich auch nicht in München an. Nur hier und da spuckt ein Regionalzug Trauben von Fahrgästen aus. Etwa jeder zweite konnte nach Schätzungen der Bahn noch verkehren.

Die anderen blieben den ganzen Tag in ihren Abstellanlagen - wie auch die allermeisten der rot-silbernen S-Bahn-Züge, deren Lokführer besonders rege am ersten ganztägigen Streik der Gewerkschaft GDL teilnahmen. Erst gegen neun Uhr gelang es der Bahn, zumindest auf einigen Teilstrecken einen Notverkehr im Stundentakt zurechtzuzimmern.

Rätselhaftes Verschwinden Hunderttausender

Zuvor war über Stunden hinweg fast das gesamte Netz brachgelegen, lediglich die S8 verband Pasing mit Hauptbahnhof und Flughafen. An den Stationen in der Region ging es derweil recht übersichtlich zu. Die meisten Fahrgäste hatten sich wohl auf den Ausstand eingestellt und waren rechtzeitig auf andere Verkehrsmittel umgestiegen.

Wo allerdings die vielen hunderttausend Menschen abgeblieben sind, die sonst werktags die S-Bahn benutzen, bleibt das große Rätsel dieses Streiktages. In Bussen und Bahnen der MVG ging es zwar spürbar enger zu, und vereinzelt kamen Fahrgäste auch nicht mehr auf Anhieb mit. Im Großen und Ganzen aber, so Sprecher Christian Miehling, hielt sich der Andrang noch in erträglichen Grenzen.

Ähnliche Nachrichten kommen von den Autobahnen, die bekanntlich auch sonst nicht für Einsamkeit gerühmt werden. "Gut voll" war es rund um München, berichtete ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern. Deutlich voller als an normalen Tagen. Nervenaufreibende Megastaus blieben aber aus.

Dennoch gab es einige sehr zeitraubende Passagen im Berufsverkehr, insbesondere im Münchner Westen. Von Germering, Puchheim und Gröbenzell aus, alles klassische Pendler-Gemeinden, fuhr am Morgen kaum noch ein Zug. Alle Einfallstraßen aus diesen Gemeinden waren deshalb hoffnungslos überlastet.

In der Landsberger und Bodenseestraße etwa ging es lange Zeit nur im Schritttempo voran, selbst auf den Schleichwegen in Aubing und Pasing gab es kein Durchkommen mehr. Einige Pendler brauchten für zehn Kilometer fast eine Stunde. Und auch auf der Salzburger, Lindauer und Nürnberger Autobahn stockte es immer wieder.

Dass der Stau nicht noch größer wurde, liegt laut S-Bahn-Sprecher Horst Staimer an der Umsicht der Pendler. Offenbar hätten sich wohl doch viele Leute den Tag freigenommen.Eine Ausnahme im sonst eher ruhigen Streikgeschehen bildet die Taxizentrale, bei der es mehr als nur lebhaft zuging.

Notstand in der Taxizentrale

"Es war schlimm", stöhnt Hans Meissner von Taxi München und bittet die Fahrgäste ausdrücklich um Entschuldigung. Denn der Andrang auf Münchens gut 3.000 Taxen war so stark, dass Tausende Beförderungswünsche unerfüllt blieben. "Dabei war alles unterwegs, was Räder hat", versichert Meissner.

Die Verursacher dieses Geschehens, die streikenden Lokführer, standen über Stunden hinweg in einem transparentbewehrten Grüppchen am Nordausgang des Hauptbahnhofs. "Für die Fahrgäste ist der Ausstand natürlich eine Zumutung", gestand Streikleiter Eberhard Leisner. Nur: Wie sonst könnten die Lokführer einen wirkungsvollen Kampf für mehr Lohn führen? Schließlich seien in den vergangenen Jahren die ohnehin nicht fürstlichen Gehälter faktisch sogar noch gesunken.

Die Verantwortlichen der Bahn bastelten am Freitagnachmittag fieberhaft an Personal- und Zugplanung für Samstagfrüh. Dann sollen S-Bahnen wie auch Regionalzüge wieder uneingeschränkt nach Fahrplan rollen. Nach GDL-Angaben sind bis einschließlich Dienstag keine Streiks mehr zu erwarten.

© SZ vom 13.10.07 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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