Umweltschutz Eine Billion Bäume weltweit gegen den Klimawandel

Schüler pflanzen im Fürstenrieder Wald 20 Weißtannen-Setzlinge, mit dabei sind Kommunalreferentin Kristina Frank und Felix Finkbeiner.

(Foto: Catherina Hess)
  • Der Gründer der Umweltorganisation "Plant for the Planet" fordert von München, eine Milliarde Bäume in zehn Jahren zu pflanzen. Damit wäre München laut Felix Finkbeiner klimaneutral.
  • Die Stadt kauft immer wieder private Waldbestände auf und wandelt sie von Fichtenmonokulturen in stabile Wälder um. In den vergangenen zehn Jahren wurden etwa eine Million Bäume gepflanzt.
  • Weltweit will Finkbeiner, dass eine Billion Bäume gepflanzt werden.
Von Thomas Anlauf

Der Waldboden staubt, als Kristina Frank die Erde um das Bäumchen festklopft. "Eigentlich ist es für April nicht normal, dass wir hier in T-Shirts stehen können", sagt die Münchner Kommunalreferentin, die auch Chefin der städtischen Forstverwaltung ist. Sie steht mit dem Klimaschützer Felix Finkbeiner und Schülern aus München und Umgebung in einem Fichtenwald bei Großhadern und pflanzt anlässlich des internationalen Tag des Baumes 20 Weißtannen-Setzlinge. Mit der Aktion wollen Frank und Finkbeiner, der vor zwölf Jahren als Neunjähriger die Umweltbewegung "Plant for the Planet" ins Leben gerufen hat, auf die Klimakrise hinweisen. Die Stadt München habe in den vergangenen zehn Jahren in ihren Wäldern eine Million Bäume gepflanzt, sagt Frank. "Aber ich glaube, wir können noch viel mehr tun."

Die 20 Bäumchen, die am Mittwoch im Fürstenrieder Wald gepflanzt wurden, haben zwar lediglich Symbolcharakter. Dennoch lobt Finkbeiner, der im vergangenen Mai von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als bisher jüngster Mensch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, das Engagement der Stadt. "Es ist gut, dass München in den letzten zehn Jahren eine Million Bäume gepflanzt hat", sagt er. Dennoch fordert er die Stadt auf, in den kommenden Jahren weltweit eine Milliarde Bäume zu pflanzen. Damit wäre München laut Finkbeiner "klimaneutral und kann gleichzeitig an der Reduzierung seiner Emissionen arbeiten".

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Der gebürtige Münchner kämpft seit zwölf Jahren dafür, dass weltweit Bäume gepflanzt werden, um das klimaschädliche Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu filtern und somit die globale Erwärmung einzudämmen. Seine Vision: In den kommenden zehn Jahren müssten eine Billion Bäume gepflanzt werden, ein Drittel des derzeitigen Waldbestands auf der Welt. "Meine Freunde und ich kämpfen auch in Zukunft weiter an der Waldlösung und versuchen, die Mächtigen, die Unternehmen, dazu zu bewegen, die Aufforstung von eintausend Milliarden Bäumen zu finanzieren. Ich glaube fest daran, dass uns das gelingen wird."

Unterstützt wird der angehende Umweltwissenschaftler nicht nur von seinem Vater Frithjof Finkbeiner, der Mitglied im Club of Rome und mit seinem Sohn Vorstand der "Plant for the Planet"-Foundation ist, sondern mittlerweile auch von 75 000 Kindern und Jugendlichen aus 71 Ländern, darunter 350 aus München. Seit dem Beginn der Initiative im Januar 2007 wurden 13,6 Milliarden Bäume gepflanzt.

Die Forderung Finkbeiners, dass allein München eine Milliarde Bäume pflanzen soll, kann natürlich nicht in den städtischen Wäldern umgesetzt werden, sondern vor allem in Afrika und Lateinamerika. Dabei unternimmt die Münchner Forstverwaltung schon einiges, um ihre Wälder ökologisch umzubauen. Seit Jahren werden die 5000 Hektar Wald, die der Stadt gehören, mit den strengen Naturland-Richtlinien zertifiziert und entsprechen den deutschen FSC-Standards. FSC steht für "Forest Stewardship Council" - ein internationales Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft.

Der Wald wird sich verändern

Regelmäßig versucht das Kommunalreferat, private Waldbestände aufzukaufen und sie von Fichtenmonokulturen in ökologisch wertvolle stabile Wälder umzuwandeln. Etwa 90 Prozent der Neupflanzungen sind Laubbäume, nur zehn Prozent Nadelbäume. Flachwurzelnde und deshalb sturmgefährdete Fichten würden kaum noch nachgepflanzt, sagt Revierförster Wolfgang Metz. Angesichts des Klimawandels werde sich die Fichte "nicht mehr lange halten können", warnt Kommunalreferentin Frank. "In etwa 15 Jahren werden wir ein ganz anderes Bild in unseren Wäldern haben", prophezeit sie.

Tatsächlich untersuchen die Münchner Förster seit geraumer Zeit, welche Bäume der zunehmenden Trockenheit, Hitze und Stürmen am besten standhalten können. Dabei müssen die Experten auch die sehr unterschiedlichen Waldgebiete berücksichtigen, die sich nicht nur in und um München befinden, sondern auch in den Voralpen wie dem Mangfalltal und dem Taubenberg, im Leitzachtal und rund um das Münchner Schullandheim Schwarzenbergalm im Mangfallgebirge. Möglicherweise, so Metz, müssten bald auch nichtheimische Bäume in den Münchner Wäldern gepflanzt werden. Allein am Taubenberg sei derzeit jede fünfte heimische Esche vom Eschensterben betroffen.

Im Fürstenrieder Wald nahe dem Biergarten Waldheim wachsen nun 20 Weißtannen unter hohen Fichten. Es ist jedoch ein langwieriger Prozess, bis ein Wald wie der 40 Hektar große Forst zwischen Großhadern und Fürstenried sein Gesicht verändert hat, auch wenn allein hier in den vergangenen zehn Jahren knapp 9000 Bäume gepflanzt worden sind - vor allem im Rahmen von Schulpflanzungen mit Kindern. Wenn die Setzlinge Wurzeln schlagen, dauert es viele Jahrzehnte, bis sie ausgewachsen sind und mehrere Tonnen Kohlendioxid jährlich aus der Luft filtern. "Wir hoffen jetzt auf schlechtes Wetter", sagt Förster Metz. Sonst verdorren die Bäumchen schon in der Aprilhitze.

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