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Bäckermeister Ludwig Neulinger:"Wir brauchen die Leute"

In seiner Bäckerstube und auch im Verkauf ist Ludwig Neulinger auf die Hilfe von Arbeitskräften mit Migrationshintergrund angewiesen.

(Foto: Catherina Hess)

Immer weniger deutsche Azubis wollen beim Bäcker arbeiten

"Ganz klar: Wir brauchen die Leute", sagt Bäckermeister Ludwig Neulinger über seine Mitarbeiter, die oft aus Krisengebieten nach Deutschland geflohen seien. "Hätte ich die nicht gehabt, wär's zappenduster gewesen." Sein Problem: Immer weniger deutsche Azubis wollen bei ihm arbeiten, egal ob im Verkauf oder in der Produktion. Von seinen rund 100 Mitarbeitern in fünf Filialen in München und der Backstube hätten etwa 20 Migrationshintergrund.

Die Logik, die hinter Arbeitsverboten für Geflüchtete stehe, die könne er zwar begreifen, aber in der Realität sei das doch "der Wahnsinn", sagt Neulinger. Sein Lehrling Festus aus Nigeria zum Beispiel: Der habe zwar anfangs für ihn arbeiten, aber kein Geld verdienen dürfen. "Mit viel Hängen und Würgen haben wir das jetzt hinbekommen." Festus mache nun eine dreijährige Lehre, werde dafür bezahlt und dürfe danach noch mindestens zwei Jahre in Deutschland bleiben. So sieht es die bayerische "3+2-Regelung" vor. Und danach? "Wenn Festus nach den fünf Jahren wieder gehen müsste, dann würde ich alles versuchen, dass er dableibt", verspricht Neulinger. Ein viel zu guter Mitarbeiter würde ihm sonst verloren gehen.

"Mein Eindruck ist, dass gerade die Lehrlinge mit Fluchthintergrund immer hoch motiviert sind", sagt Neulinger. Bei Deutschen sei das oft anders. Der Bäckermeister berichtet von einem Somalier, der bei ihm im Verkauf gearbeitet habe: "Immer wohlgelaunt, charmant, gewitzt." Oder eine türkische Kurdin: "Die war sehr beliebt bei Kunden und Mitarbeitern." Nur die Sprache sei anfangs manchmal ein kleines Hindernis, das aber meist schnell überwunden werde. Bei manchen Herkunftsländern hätten männliche Lehrlinge auch zu Beginn Schwierigkeiten gehabt, Anweisungen von weiblichen Vorgesetzten anzunehmen. "Wenn die Maria was zu dir sagt, dann machst du das", habe er dann gesagt - und der Fall sei erledigt gewesen.

Die Angstdebatte jedenfalls, die in rechten Kreisen geführt werde, die gehe komplett an der Realität vorbei, sagt der Bäcker aus eigener Erfahrung. Furcht, dass seine Mitarbeiter aufgrund ihrer Herkunft angefeindet werden könnten, habe er keine. Nur einmal sei die so beliebte Kurdin von einem Kunden rassistisch beschimpft worden. "Der ist dann rausgeflogen und hat Hausverbot bekommen. Da brauch' ich nicht lang nachdenken." Mit ihrer Anfrage hätten die Leute von Bellevue di Monaco bei ihm jedenfalls offene Türen eingerannt. Er hoffe auf leichtere Arbeitsbedingungen für Geflüchtete. "Am Ende backen die alle ordentliches bayerisches Brot."

© SZ vom 12.04.2019
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