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Neuhausen:Backstage sagt Konzert mit angeblich rechtsradikalen Bands ab

Backstage in München, 2010

Das Backstage im Jahr 2010

(Foto: Robert Haas)
  • Das Konzert zweier Bands im Backstage, die im Verdacht stehen, rechtsradikal zu sein, wurde abgesagt.
  • Linke Aktivisten hatten gefordert, den Auftritt der Gruppen MGLA und Deus Mortem am 1. Mai nicht stattfinden zu lassen.
  • Stattdessen ist nun ein Benefizkonzert gegen Antisemitismus geplant.

Das Backstage in Neuhausen hat ein für den 1. Mai geplantes Konzert mit den Bands MGLA und Deus Mortem abgesagt. Das teilte Hans-Georg Stocker, Geschäftsführer des Kulturzentrums, in einer Pressemitteilung mit. Stocker reagierte damit auf einen Brief, den das "Linke Bündnis gegen Antisemitismus München" verbreitet hatte. Darin hatten die Aktivisten den beiden Bands Antisemitismus und Rassismus vorgeworfen und gefordert, das Konzert abzusagen.

Das Backstage habe erst kurzfristig davon erfahren, dass Mitglieder der Supportband Deus Mortem auch bei der polnischen, antisemitischen Neonaziband Infernal War spielen würden. Infernal War sei bereits in der Vergangenheit vom Backstage wegen ihrer "widerlichen antisemitischen Äußerungen" ausgeladen worden.

Auch gegen die Hauptband MGLA gebe es Vorwürfe, "die wir allerdings bis jetzt nicht umfassend prüfen konnten", heißt es in der Presseerklärung. Es sei jedoch bereits eine "rote Linie" von der Band überschritten worden, indem sie selbst Antisemiten einlade und sich mit ihnen auf die Bühne stelle. Die Aussage von MGLA, man sei eine unpolitische Band, zähle für das Backstage nicht. Eine Haltung gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus dürfe keine Frage der politischen Haltung, sondern müsse "Ausdruck der Menschlichkeit" sein. Das Backstage könne trotz intensiver Bemühungen nicht alle Bands, "lückenlos checken", die auf dem Gelände auftreten sollen. Hier sei man auf Hilfe von außen angewiesen - auf Hauptbands, die ihre Gästebands besser kennen und die Agenturen, die mit den Künstlern vertraut sind.

Für den abgesagten Auftritt am 1. Mai soll nun ein Soli- und Benefizkonzert gegen Antisemitismus im Backstage stattfinden. Künstler aller Art, die dabei auftreten möchten, können sich unter der Mailadresse bash-against-antisemitism@backstage.eu an die Veranstalter wenden. Der Eintritt soll fünf Euro kosten und die Einnahmen sollen an ein noch zu bestimmendes soziales beziehungsweise politisches Projekt fließen. Man hoffe sehr auf die Unterstützung vom linken "Bündnis gegen Antisemitismus" und anderen demokratischen Kräften. Wer Tickets für das abgesagte Konzert hat, kann diese zurückgeben und erhält beim alternativen Benefiz-Konzert freien Eintritt.

© SZ.de/jael
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