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Backstage:Babo tanzt Humppa

Gut gehalten: Der Auftritt der alten Herren von der finnischen Humppa-Band Eläkeläiset gehört zu den Höhepunkten des dreitätigen Geburtstagsfestivals im Backstage.

(Foto: Pekka Jokinen)

Das Münchner Kulturzentrum Backstage feiert seinen 27. Geburtstag drei Tage lang mit mehreren Partys und Konzerten von "Haftbefehl" oder "Eläkeleisät".

Er gilt nicht nur als der aktuell wichtigste deutsche Straßenrapper, sondern er hat der Gesellschaft für deutsche Sprache mit "Babo" außerdem das Jugendwort des Jahres 2013 beschert. Babo bedeutet auf Bosnisch und Zazaisch "Vater", und seit der Rapper Hafbefehl seinen Song "Chabos wissen wer der Babo ist" veröffentlich hat, ist der Babo auch unter deutschen Jugendlichen ein geflügeltes Wort.

Nur bedeutet es in der durch Haftbefehl überlieferten Verwendung eher Boss, Chef oder Anführer. Auch noch andere Vokabeln wie etwa "Azzlack" für "asozialer Kanacke" hat der aus Offenbach stammende Rapper mit kurdischen Wurzeln populär gemacht, den einige aufgrund seiner irren Flows und wilden Wortkreationen mit Rappern wie dem jungen Kool Savas oder dem Amerikaner Notorious B.I.G. vergleichen.

Beim dreitägigen Festival, das sich das Backstage zu seinem 27. Geburtstag gönnt, ist die "exklusive München-Show" des Rappers jedenfalls einer der Höhepunkte. Er ist dort am kommenden Freitag und damit am zweiten Tag des Festivals zu sehen. Den Einstieg bildet am Donnerstagabend ab 19 Uhr die "Zillian Fashion Show" im Backstage Werk. Eine Stunde später kann man die britische Ska-Band Bad Manners in der Halle erleben und ab 23 Uhr startet im Club die "Rockers Party". Am Freitag treten neben Haftbefehl die Punker Dritte Wahl und Eskalation auf sowie die Gothic-Metal- und Industrial-Bands Lacrimas Profundere und Herzparasit.

Am Samstag gibt es Metal, Rock und Hardcore mit Bands wie Arise From The Fallen, Pyogenesis und Evertale. Klarer Höhepunkt dürfte an dem Tag aber der Auftritt der legendären finnischen Humppa-Truppe Eläkeleisät sein. Humppa ist die finnische Variante des Foxtrott, mit der Eläkeleisät seit 25 Jahren bekannte Popsongs verhackstücken. Damit gibt es sie fast genauso lange wie das Backstage, das am 11. Januar 1991 aus der Jugendkulturinitiative x-ray e. V. hervorgegangen ist.

Das hatte als Konzert- und Partyreihe damals seinen Sitz noch in der Sporthalle des TSV Forstenried. Im Jahr 1993 erfolgte der Umzug an die Helmholtzstraße, 2001 ging es in die Wilhelm-Hale-Straße und 2007 in die Reitknechtstraße weiter. Obwohl das Backstage 2017 von einer aus Musikern bestehenden Jury zum "Club des Jahres" gewählt wurde, ist seine Zukunft aktuell mal wieder ungewiss. Denn in direkter Nähe werden derzeit Luxus-Wohnanlagen gebaut. Und was etwaige Bau- und Lärmschutz-Probleme angeht, da ist noch so Einiges in der Schwebe.

27 Jahre Backstage, Do. bis Sa., 11. bis 13. Jan., Reitknechstr. 6, www.backstage.info

© SZ EXTRA vom 11.01.2018/amm
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