Passionskonzerte Johann Sebastian Bachs Werke bestimmen die Karwoche

Das Heilige Grab in der Krypta der Asamkirche ist während der Anbetung am Karfreitag von 17 bis 21 Uhr und am Karsamstag von 9 bis 16 Uhr zugänglich.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Sie sind unendlich traurig und gleichzeitig großartig feierlich. Damit prägt Bach den Karfreitag in der Kirche und im Konzertsaal.

Ekaterina Kel

Wie soll man den Tod feiern? Natürlich ist der Karfreitag streng genommen kein üblicher Feiertag. Es soll nicht dick aufgetischt und nicht getanzt werden, auch sonst wird man darauf hingewiesen, den Lautstärkeregler bitte nach unten zu ziehen. Und trotzdem: Karfreitag ist ein Feiertag, gesetzlich verordnet. Und von der Kirche mit sakraler Feierlichkeit begangen. An diesem Tag gedenken Christen auf der ganzen Welt Jesus' Leid und Kreuzigung. Es ist der traurigste Tag des Christentums, dessen Ambivalenz darin besteht, eine Art Vorraum zum hoffnungsvollsten Tag, der Auferstehung des Erlösers, zu bilden.

Um den Tod zu überwinden, muss man ihn erst erreichen - oder zumindest empathisch nachvollziehen. Das geht am besten mit Musik. Sie soll die Gemüter auf Leid, Trauer und die Aussicht auf Erlösung einstimmen. Meistens steht diese Aufgabe den Passionskonzerten von Johann Sebastian Bach zu. Vielleicht, weil seine Werke etwas unendlich Trauriges und etwas großartig Feierliches gleichzeitig haben. In München kann man das sehr gut in der Praxis überprüfen.

Wenn man will, gleich zwei Mal am Tag: In der Philharmonie erklingt die Matthäus-Passion erst um 14 Uhr unter der Leitung und mit Cembalobegleitung von Hansjörg Albrecht. Es spielt das Bach Collegium München, außerdem hat der stimmgewaltige Münchener Bach-Chor hier seinen Auftritt. Nach einer kleinen Stärkung könnte man sich direkt im Anschluss um 19 Uhr den Auftritt des Chors und des Orchesters der Klangverwaltung zu Gemüte führen. Nach dem Tod des langjährigen Leiters des Orchesters, Enoch zu Guttenberg, übernimmt Paul McCreesh dieses Jahr das Dirigat. Die Chorgemeinschaft Neubeuern hat die Teilnahme aus Trauer abgesagt, deshalb singt dieses Mal der Chor der Klangverwaltung.

Auch im Herkulessaal wird die Matthäus-Passion zu hören sein: Die Arcis-Vocalisten werden dort um 18 Uhr mit dem Orchester "L'Arpa festante", das sich ganz der Alten Musik verschrieben hat, unter der Leitung von Thomas Gropper erwartet.

Bach hat die Passionen für die Kirche geschrieben, hohe Decken und hallende Gesänge inbegriffen. In der Johanneskirche zwischen Wiener Platz und Gasteig lässt sich um 14 Uhr die Matthäus-Passion mit Seraphin-Ensemble und Kantatenchor erleben. In der Matthäuskirche am Sendlinger Tor ist dagegen zur Abwechslung um 19 Uhr Bachs Johannes-Passion zu hören. Und in der Alten Hofkapelle weichen die Residenzsolisten ganz von Bach ab. Sie spielen Joseph Haydns "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze".