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Babyleiche im Zug:Polizei hat Hinweise auf die Mutter

Das tote Baby, das in einem Zug am Münchner Hauptbahnhof gefunden wurde, ist erstickt worden - und das wohl schon in Österreich. Zudem haben Ermittler eine mögliche Spur zur Mutter.

Von Florian Fuchs

Die Mutter des toten Neugeborenen, das am Dienstagmorgen von einem Putzteam an Bord eines Zuges gefunden wurde, könnte eine etwa 20 Jahre alte, schwarzhaarige Frau asiatischer Herkunft sein. Das haben Ermittlungen der Landespolizeidirektion in Wien ergeben. Wie die österreichischen Fahnder durch Befragungen von Zuggästen feststellten, ist das Baby wohl schon auf der Fahrt zwischen Wien und St. Pölten auf die Welt gekommen - und dort vermutlich auch getötet worden. Die Mordkommission München wird die Ermittlungen deshalb aller Voraussicht nach an die österreichische Polizei abgeben.

Zeugen haben demnach beobachtet, dass die Toilette, auf der sich das Drama abspielte, zwischen den beiden österreichischen Städten für längere Zeit belegt gewesen war. In Linz war sie wieder zugänglich, eine Putzkraft der Österreichischen Bundesbahn stellte allerdings Blutspuren in dem Bord-WC fest, weshalb sie die Toilette für die restliche Fahrt nach Bayern versperrte.

Säugling wurde erstickt

Wenige Stunden nach der Ankunft am Münchner Hauptbahnhof, so rekonstruierten es die österreichischen Ermittler, sei die Toilette von einem Putzteam wieder aufgesperrt worden, um sie sauber zu machen. Das Reinigungspersonal fand den toten Säugling in einem Abfalleimer und verständigte die Polizei. Den Ergebnissen der Obduktion zufolge ist der Säugling erstickt und anschließend im Müll entsorgt worden.

Die Spurensicherung der Münchner Polizei fand im Speisewagen des Railjets Blutspuren auf einem Sitz und an einem Tisch. Zeugen sagten bei den Wiener Ermittlern aus, dass auf diesem blutverschmierten Stuhl eine schwarzhaarige Frau gesessen habe, nach der die Polizei nun sucht. Sie soll sich dort auf der Fahrt von St. Pölten nach Salzburg aufgehalten haben, die von 19 Uhr bis 21 Uhr dauerte.

Polizei hofft auf weitere Zeugen

Was die Frau anschließend machte und ob sie tatsächlich das Kind geboren und getötet hat, müssen die Ermittler nun herausfinden. Vielleicht ist sie bereits in Salzburg ausgestiegen. Die Polizisten hoffen auf weitere Aussagen von Zeugen, um die Frau zu finden. Auch das Videomaterial der verschiedenen Bahnhöfe - zwischen dem Startpunkt des Zuges in Budapest und der Endhaltestelle München liegen 13 Stopps - muss noch ausgewertet werden.

Ob die Münchner Polizei ihre Ermittlungen nun abbricht und die weitere Fahndung ganz der Polizei in Österreich überlässt, ist noch zu klären. Die Mordkommission des Münchner Polizeipräsidiums wollte sogar eine Isotopenanalyse des Leichnams in Auftrag geben. Durch die Interpretation der Daten aus Haaren, Fingernägeln, Knochen und Zähnen können Wissenschaftler herausfinden, wo ein Mensch gelebt hat. Die Polizei hofft, in diesem Fall durch die Untersuchung der Babyleiche auf den Herkunftsort der Mutter schließen zu können.

Grundsätzlich aber, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch, müsse die österreichische Polizei nun entscheiden, ob sie die Hilfe der deutschen Kollegen weiter in Anspruch nehmen will - auch was weitere Befragungen von Zeugen oder DNA-Untersuchungen und andere Ermittlungsarbeit betreffe. Da der Tatort im Nachbarland liegt, die Täterin auch nicht in München ergriffen wurde und nichts darauf hindeutet, dass sie aus München oder dem Landkreis stammt, seien die Münchner Behörden für den Fall nicht zuständig.

© SZ vom 22.05.2014/ahem/infu

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