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Avantgarde:Gar nicht gemütlich

Musikfest der MGNM

Ein klassisches Konzert? Nicht ganz. Auch wenn alles so normal aussieht, wie hier 2019, passieren auf dem Musikfest der Münchner Gesellschaft für Neue Musik oft sehr ungewöhnliche Dinge.

(Foto: MGNM)

Das Fest der Münchner Gesellschaft für Neue Musik gibt Einblicke in die dynamische Komponistenszene der Stadt

Von Rita Argauer

Im zweiten Konzertblock am Sonntag im Schwere Reiter könnte das vom Werktitel her auch ein Punkkonzert sein. Da gibt es das Stück "Brainf*ck" von Michael Emanuel Bauer. Und welchen Buchstaben das Sternchen versteckt, dürfte mit etwas Fantasie auch allen Nicht-Punks schnell klar sein. So viel ist sicher: Gemütlich geht es dabei nicht zu. Auch wenn die Besetzung für das Stück mit Flöte, Klavier und Stimme eigentlich ganz friedlich klingt.

Doch genau solche Brüche, solche Grenzüberschreitungen machen das Musikfest der Münchner Gesellschaft für Neue Musik (MGNM) zu einem solch besonderen Termin. Jährlich organisiert, bietet das Fest in mehreren, einzeln besuchbaren Konzertblöcken einen Einblick in die Münchner Komponistenszene. Die diesjährige Ausgabe hätte eigentlich wie jedes Jahr im März stattfinden sollen. Aus bekannten Gründen wurde sie verschoben und findet nun unter den bekannten Auflagen am kommenden Sonntag statt.

Nicht länger als zwölf Minuten dürfen die Stücke sein, vier Blöcke gibt, je mit fünf bis sechs Stücken; Shortcuts einer Musikszene, die eigentlich immer etwas Unnahbares und Sperriges umweht. Und das ist genau das Großartige an diesem Format. Denn die Kurzatmigkeit, das Schnelle und das latent Exzessive ermöglichen einen flotten Einstieg in die Musik und in die Szene.

Dabei sind alte Bekannte wie Laura Konjetzky oder Karl F. Gerber und alte Prominente wie Nikolaus Brass, der beinahe seit der Gründung der MGNM 1996 dort engagiert ist. Dabei ist auch die junge Generation Münchner Komponisten um Johannes X. Schachtner und Alexander Strauch oder der MGNM-Vorsitzende Minas Borboudakis. Kuratiert wurde das Programm von Klaus-Peter Werani und Karina Erhard, die ebenfalls komponierend und interpretierend auftreten. Das mit Abstand älteste Stück ist Mordecai Seters Sonate für Klavier solo von 1982. Sonst bewegt sich die Entstehungszeit der Musik eher in der unmittelbaren Gegenwart, darunter vier Uraufführungen. Man richte sich an alle, denen die Neue Musik eine "Kopf- und Herzensangelegenheit" sei, heißt es. Passender könnte es nicht sein. Neue Musik mag verkopft erscheinen, ist oft konstruiert und zäh. Aber sie wird auch oft so frisch und voller Lust gespielt, dass es eine Freude ist. Und diesen Spagat kann man wohl kaum besser erleben als auf dem Musikfest der MGNM.

Musikfest 2020, So., 20. Sep., 14 bis 21 Uhr, Schwere Reiter, Dachauer Str. 116, Karten unter www.schwerereiter.de

© SZ vom 19.09.2020
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