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Autoverkehr:App soll freie Parkplätze anzeigen

Sensoren im Asphalt melden, ob diese Parkplätze an der Münchner Freiheit gerade belegt sind oder nicht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Die Stadtwerke und die MVG testen eine neue App: Sensoren im Asphalt sollen messen, ob ein Parkplatz frei ist. Diese Information wird dann über die App angezeigt.
  • Der Test läuft aber erst einmal nur für Carsharing-Autos.
  • Die Stadt Braunschweig hat bereits ein intelligentes Parkplatzsystem getestet, das Projekt aber nicht weiter verfolgt.

Von Andreas Schubert

Die Welt wird immer schlauer: Es gibt schlaue Telefone, smarte Fernseher und inzwischen auch intelligente Parkplätze. So könnte die Zukunft aussehen: Sensoren messen, ob ein Parkplatz frei ist und übermitteln diese Info an eine App, die man auf sein schlaues Telefon lädt. Ein derartiges System wird nun an der Münchner Freiheit getestet. Die Stadtwerke (SWM) und ihre Tochtergesellschaft MVG haben die sechs dortigen, für Carsharing-Autos reservierten Stellplätze mit Sensoren im Asphalt ausgestattet. Demnächst soll dann über die App MVG More ersichtlich sein, ob was frei ist oder nicht.

Entwickelt hat das System das Münchner Startup "ParkHere". Der Vorteil dieser neuartigen Sensoren ist laut ParkHere-Chef Felix Harteneck, dass sie bis zu 25 Jahre lang wartungsfrei funktionieren und noch dazu keine Batterien oder sonstige externe Stromquellen brauchen. Wenn ein Auto auf den Sensor fährt, wird durch den Druck genug Energie erzeugt. Das soll auch bei Schnee und Eis funktionieren. Die MVG hat die Mobilitätsstation an der Münchner Freiheit für den Test ausgesucht, weil hier mehrere Verkehrsmittel verknüpft sind: U-Bahn, Bus, Tram, Taxi, MVG-Rad. Die Idee: Öffentliche Verkehrsmittel sollen so besser mit dem Individualverkehr kombiniert werden. Denn Fahrgäste, sagt MVG-Chef Ingo Wortmann, wollten nicht von Haltestelle zu Haltestelle fahren. "Die wollen von A nach B."

Und das soll möglichst zügig möglich sein. Die Mobilitätsstation an der Münchner Freiheit ist 2014 als Pilotprojekt gestartet. Nach und nach sollen bis zu 15 solcher Stationen entstehen. "Multimodale Mobilität" nennt sich das, die SWM haben dafür eine eigene Abteilung. "Wir bauen die MVG zu Münchens Mobilitätsdienstleister aus und stellen damit die Weichen für den richtigen Verkehrsmix der Zukunft", sagt MVG-Chef Wortmann.

Bis alle zuständigen Instanzen in der Stadt, seien es die Bezirksausschüsse oder die Fachreferate, ihr Plazet gegeben haben und die Stationen tatsächlich gebaut werden können, kann allerdings einige Zeit ins Land gehen. Immerhin sei man bei den Ladesäulen für Elektroautos im Plan, heißt es bei den SWM. 100 Säulen sollen dieses Jahr aufgestellt werden, die Hälfte davon steht bereits. Auch sollen in den nächsten Wochen 13 neue Radleihstationen in Betrieb gehen.

Ingo Wortmann kann sich schon vorstellen, dass irgendwann alle Elektroladestationen mit Parksensoren ausgestattet werden. Konkret geplant ist das derzeit aber noch nicht. Und laut Martin Sauer von der zuständigen SWM-Abteilung soll im Rahmen des Forschungsprojekts "City to share" auch noch ein anderes System mit Radarsensoren im Stadtbezirk Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt ausprobiert werden.

Die im Asphalt versenkten Drucksensoren scheinen jedenfalls für die Längsparkplätze am Rand der Leopoldstraße gut geeignet zu sein. Und ParkHere-Mann Harteneck ist zuversichtlich, dass sein System künftig auch für ganz normale Parkplätze eingesetzt werden wird. Im schweizerischen St. Gallen etwa läuft seit 1. Juli ebenfalls ein Feldversuch, bei dem verschiedene Systeme erprobt werden, ParkHere ist dort auch vertreten. Bereits vergangenes Jahr installierten die Münchner ihre Sensoren unter Ingolstädter Asphalt. "Es läuft gut", resümiert Harteneck.

In München sind die verfügbaren Stellplätze derzeit noch über die Internetseite http://carsharing.mvg-mobil.de zu finden. Ob die Technik dann wirklich unter allen Bedingungen dauerhaft mitspielt, wird sich zeigen. Würde München das System flächendeckend einführen, würde das einen hohen Millionenbetrag kosten, der sich aber über Parkgebühren refinanzieren könnte. Die Stadt Braunschweig hatte schon 2013 ein intelligentes Parkplatzsystem getestet, das Projekt aber nicht weiter verfolgt. Für großflächigen Einsatz sei die Technik kaum darstellbar und auch nur eingeschränkt sinnvoll, weil sich die Situation bei freien Kurzzeitparkplätzen permanent ändere, teilt die Stadt auf Nachfrage mit.

© SZ vom 06.07.2017/baso
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