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Autokinos in Bayern:Radltour oder Horrortrip

Besser Welt als Nie

Radelnd durch das Monument Valley - der Film "Besser Welt als Nie" läuft am 9. Juni im Autokino Wackersdorf.

(Foto: Dennis Kailing)

Abseits von Blockbustern und Mainstream: Autokinos für Cineasten

Von Dirk Wagner, Schwandorf/Burghausen

Als Anfang der Dreißiger Jahre in den USA die ersten Autokinos eröffnet wurden, geschah das vor allem in ländlichen Regionen, wo keine regulären Kinos den Markt gesättigt hatten. Weil letztere aber zuerst mit neuen Filmen bestückt wurden, liefen in den Drive-In-Theatern Filme, die ihren kommerziellen Erfolg bereits in regulären Kinos hatten. So gesehen entspricht das Programm der meisten Autokinos in Bayern, die eine Alternative für die aktuell geschlossenen Kinos bieten, der ursprünglichen Situation von Autokinos. Blockbuster vom Vorjahr werden hier mit Neuheiten gemischt, die schon Anfang des Jahres liefen. Wobei der zwei Jahre alte Konzertfilm "Rammstein, Paris", der am 9. Juni im Münchner Popup-Autokino in der Lilienthalstraße 29 auf Großleinwand läuft, ein kleiner Trost für die verschobene Tournee sein mag.

Weil aber der Besuch eines Autokinos ohnehin eine Autofahrt voraussetzt, lässt sich der Kinobesuch auch mit einem Ausflug verbinden. Etwa in den Landkreis Schwandorf, wo einst gegen den Bau der Wiederaufbereitungsanlage demonstriert wurde. Ebenfalls am Dienstag, 9. Juni, zeigt dort das Autokino Wackersdorf den Dokumentarfilm "Besser Welt als Nie" über die zweijährige Radtour des Filmemachers Dennis Kailing durch die ganze Welt. Die von ihm wundervoll bebilderte Ansammlung menschlicher Begegnungen könnte allerdings dazu verleiten, das Auto danach stehen zu lassen. Ein anderer Ausflug führt am Sonntag, 14. Juni, nach Burghausen, wo Thomas Reitmair 2003 auf der längsten Burg der Welt einen Horrorfilm gedreht hatte. Ein Besuch der dortigen Folterkammer könnte darum die ideale Einstimmung auf den Horrorfilmabend im Autokino Nachtflimmern sein. Initiiert wurde das temporäre Kino im Waldpark Lindach in Burghausen (Berghamerstraße 48) von einem Gastwirt, einem Kinobetreiber und dem Verein Lightning Bird, der von wenigen Filmveranstaltungen abgesehen die Subkultur in Burghausen eigentlich über Konzerte belebt. Weil denen das Genehmigungsverfahren für ihr Freiluftkino zu lange dauerte, wechselten die Veranstalter sogar kurzfristig den Veranstaltungsort. "Als wir dann bei der Stadt Burghausen anfragten, ging alles überraschend schnell", sagt Barbara Weis, die darum noch kurz vor der Wiedereröffnung der regulären Kinos mit ihren Mitstreitern das möglicherweise einzige Drive-In Programmkino eröffnete.

Weil Weis aber auch von der Münchner Horrorfilmreihe Kinokränzchen im Werkstattkino begeistert ist, lud sie den Gastgeber jener Kränzchen, Thomas Reitmair, ebenfalls ins Burghausener Programm. Also zeigt der dort am Sonntagabend den Klassiker "The Incredibe Shrinking Man". Tatsächlich zählt dieser Film von 1957 zu den wenigen Filmen, die auch in Autokinos starteten. Wegen des aufkommenden Fernsehens verlor das Kino damals nämlich Zuschauer. Die verbliebenen Gäste waren vor allem Jugendliche, für die nun ein eigener Markt entstand. "Weil man dort auch ausgelassen knutschen konnte, bevorzugten die die Autokinos", sagt Reitmair. In einem Vortrag stellt er vor Filmbeginn dar, wie das US-amerikanische Autokino sich darum in den Fünfzigerjahren von einem Ort der Zweitverwertung in einen Hotspot der aufkommenden Jugendkultur verwandelte.

© SZ vom 08.06.2020

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