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Ausweichquartier:Liebeslied im Gotteshaus

Musikmanagerin Fany Kamerlander mit Pfarrer Bernd Berger in der Auferstehungskirche, Schwantaler Höhe, Geroltstraße 12

Beste Freunde dank der Musik: Pfarrer Bernd Berger (li.) gab den Musikern von Fany Kammerlander in seiner Kirche eine neue Herberge.

(Foto: Florian Peljak)

Die Konzerte der Bar Gabanyi haben in der Auferstehungskirche eine neue Heimat gefunden

Von Karl Forster

Ein guter Ort für Musik! Die Auferstehungskirche auf der Schwanthalerhöhe gleicht zwar von außen einer backsteinigen Trutzburg, strahlt aber innen jene heimelige Wärme aus, die sie zu einem idealen Ort für kontemplativen Genuss adelt. Und Pfarrer Bernd Berger, ein hochgewachsener freundlicher Mann von 62 Jahren, den das Leben aus Lübeck vor ein paar Jahren nach München geleitet hat, hält die Tore seiner Kirche weit offen für alle und alles, vor allem aber für Musik. Und so kommt es, dass die längst für exquisite Klangerlebnisse berühmten Donnerstagskonzerte der Bar Gabanyi am Beethovenplatz nun unter der hübsch alliterierenden Rubrik "Messwein statt Moscow Mule" in dieser evangelischen Kirche stattfinden; zum ersten Mal an diesem Donnerstag, den 8. Oktober. Und vorerst, so lautet der Plan, mindestens bis Weihnachten.

Da sage noch einer, Corona töte die Kultur. Wenn die einer tötet, dann Bayerns Kulturverweser, die sich mit Verve um die Sorgen von Wiesnwirten und Artverwandten, aber einen Dreck um die der kleinen, engagierten, den kulturellen Humus von Stadt und Land bildenden Künstler und Veranstalter kümmern. Davon weiß auch Fany Kammerlander, die das Musikprogramm der Bar Gabanyi verantwortet, ein traurig Lied zu singen.

Natürlich stand das ganze Herbstprogramm für Stefan Gabanyis Laden längst, als Corona zu wüten begann. Und schnell war ihr klar, dass es damit nichts werden würde nach der Sommerpause. Also begann Fany Kammerlander herumzufragen nach einer alternativen Spielstätte, ein frustrierendes Unterfangen. Wenn überhaupt Antworten kamen, dann Absagen, auch von den katholischen Kirchen, in denen ja nicht nur "Gotteslob" gesungen wird, sondern deren Hirten doch gerade darüber nachsinnen, wie man offener und attraktiver werden könne, um die Austrittsflut einzudämmen.

Über einen gemeinsamen Freund hörte Pfarrer Bernd Berger von Fany Kammerlanders Nöten. Weil er zwar noch nie in Gabanyis Bar war, wohl aber von der Qualität der dortigen Donnerstagsereignisse gehört hatte, traf man sich, um die Lage zu sondieren. Man war sich sofort sympathisch und nach Kurzem auch einig, dass und wie ein Zusammenwirken von Kirche und Kunst in diesem speziellen Falle zu einer wahren Win-win-Situation führen könnte, ja, besser noch, zu einer Win-win-Situation hoch zwei: Denn nicht nur, dass Bernd Bergers Gotteshaus so neue Freunde gewinnen könnte, nicht nur dass Fany Kammerlanders Musiker hier einen neuen, akustisch und vom Ambiente her ansprechenden Konzertraum vorfinden, auch dürften sich wohl Stefan Gabanyis frühere Donnerstagsgäste mit neuen Musikfreunden aus der Umgebung mischen. Und so der ohnehin durch kulturelle Vielfalt glänzenden Schwanthalerhöhe einen neuen Farbtupfer verpassen.

Das Eröffnungsprogramm ist, auch wenn einst anders gedacht, ideal für so eine Premiere. Es kommt aus Berlin die New York-geschulte Jazzsängerin Alexa Rodrian, um ihr neues Album "One Hour To Midnight" der Öffentlichkeit vorzustellen. Wer die klare, phrasierungssichere, eindringliche Stimme dieser wunderbaren Sängerin einmal gehört hat (es reicht schon, auf Youtube dem Liebeslied "Love in Three Four" zu lauschen), wird ihr verfallen bleiben. Alexa Rodrian, die von sich sagt, sie sei zwar "eigentlich gar nicht so religiös", dennoch aber ein "spiritueller Mensch", hat dieses Album in einer Berliner Kirche aufgenommen und wird es nun, mit dem Multiinstrumentalisten und Partner Jens Fischer Rodrian, in einer Münchner Kirche präsentieren.

Wie die eingangs erwähnte Rubrik "Messwein statt Moscow Mule" schon andeutet, wird an diesem Donnerstag zwar kein Cocktail ausgeschenkt, weder also ein Wodka basierter aus Moskau oder noch eine "Bloody Mary", auch wenn die Evangelen keine so ausgeprägte Marienverehrung betreiben wie die katholischen Kollegen. Dafür aber hat Fany Kammerlanders Tochter Stefanie für den Ausschank exquisiter Weine gesorgt. Die Plätze in der Kirche sind coronagemäß auf Abstand gehalten. Und wie es sich für eine anständige Musikbar gehört, wird auch nicht um zehn das Licht ausgemacht. Das verspricht zumindest Gastgeber Pfarrer Bernd Berger.

Das entspricht ganz und gar der in diesem Haus gepflegten Grundeinstellung zum Musikgenuss, wie sie auch an einem der Aushänge im Eingangsbereich dokumentiert ist: Dort ist der schöne Satz notiert: "Singen ist wie Schokolade, es macht glücklich."

Messwein statt Moscow Mule, Die Bar-Gabanyi-Konzerte mit Alexa Rodrian, Auferstehungskirche, Geroltstraße 12, Donnerstag, 8. Oktober, 20.30 Uhr, Anmeldung unbedingt erforderlich unter: fanymusic@bar-gabanyi.de mit Name, Adresse und Telefonnummer

© SZ vom 07.10.2020
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