Austrofred:Der Leiwandste stellt sich vor

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Pressebild Austrofred

Abfahrtshocke im Rock-Konzert? Eh klar. Seit er vom Opa handgeschnitzte Ski bekam und mit einer davor gespannten Katze loszog, ist der Austrofred ein Ass auf allen Brettern, die die Welt bedeuten.

(Foto: Czernin Verlag)

Der Austrofred ist nicht nur ein knallharter Typ, der in einer Wiener Krawallo-Band singt und Show macht wie Freddie Mercury. Er hat auch Superkräfte, die er nun in einem Frage- und Antwort-Buch mit den Fans enthüllt.

Von Michael Zirnstein

Was ist denn das für eine Frage? Was denn der Austrofred in einem Zeitungsdossier über Superhelden zu suchen habe? Handele es sich bei eben diesem Prachtburschen, wie jedes Kind wisse, doch vielmehr um einen Entertainer von Show-Gottes Freddy Mercury Gnaden, welcher die Welthits der britischen Rock-Heroen Queen in den Austro-Pop-Kontext setze, auch wenn er dies zugegebener Maßen heroisch mache, wie etwa wenn er "Eich Dodln gib i Gas" zu "Another Bites The Dust" textet oder genialisch den "Märchenprinz" in der "Bohemian Rhapsody" paniert. Bei aller ihm gegebenen Unbescheidenheit würde "der Champion", wie er sich von Anhängern anreden lässt, auf die majestätsbeleidigende Frage also antworten: "Powidl!" Das bedeutet in der Sprache oberösterreichischer Geistesmenschen wie seiner nicht etwa "Zwetschgenmus", sondern: Schmarrn. Freilich ist der Austrofred ein Superheld.

Er hat all das nötige Zeug dazu, und damit sind bei weitem nicht bloß die engen Spandex-Hosen gemeint, die auch Superman mit seinen Waden spannt. Der Austrofred lässt sich in einem tüchtigen Gefährt, dem Geilomobil, von Mehrzweckhalle zu Möbelhaus-Eröffnung chauffieren; dem Batman sein Robin ist ihm der Markus Mitter, ein treuer Wasserträger also; und eine bürgerliche Identität hat er auch, so soll der gebürtige Waldneukirchner als Franz Adrian Wenzl gelegentlich in Wertstoffhöfen seiner Tarn-Heimat München herumschlurfen und mit einer Wiener Krawallo-Band Kreisky auftreten, um von seinem Super-Ich abzulenken. Und was wäre ein Superheld ohne Erzfeind? Genau, ein Wiglwagl. Also reibt sich der Austrofred am Gabalier Andi, natürlich nur metaphorisch: Der toughe Champ lässt den Schlager-Lulu ganz schön weich aussehen, etwa wenn er in einer Anekdote davon berichtet, ihn beim Kauf von orangener Shorts in der Unterhosen-Abteilung beobachtet zu haben. "Das ist nicht Rock ... das ist noch nicht mal Volks-Rock'n'Roll!" Und wer's nicht glaubt, soll die beiden einfach mal in ihrer Bühnen-Performanz vergleichen: Mit der Mikrostangerl-Technik schlägt er Gabaliers Geweih-Geschwenke mit Links. Von der "Voice" ganz zu schweigen.

Der Austrofred ist aber nicht nur ein knallharter Typ, der jeden die Unterarme brennesselt, der ihm zu Weihnachten ein Sechser-Tragerl Sojamilch schenkt. Nein, die wahre Superkraft des "Schnitzel-Tigers" ist sein Einfühlungsvermögen in den einfachen, meist männlichen Mann, solange dieser lebensgroße Papp-Freds und Handtücher im Internet-Shop bestellt. So beantwortet der Champ, der es auch im ORF zu Berühmtheit gebracht hat und mit seiner Promi-Radio-Sendungen "Unter-Palmen" das gleichnamige TV-Trash-Format 12 Jahre vorweggenommen hat, in seinem nun fünften Buch nach Bestsellern wie "Alpenkönig und Menschenfreund" (2004) Fragen seiner Fans. In "Die fitten Jahre sind vorbei" (Czernin Verlag) erklärt er also nicht nur sein Leitmotiv aus dem Motivations-Nähkästchen: "Live Your dream!" und warum Skifoan doch des Leinwandste ist und die Österreicher darin die Leiwandsten (während die Bayern mit ihrem Hackl Schorsch nur in Kindersportarten wie Rodeln brillierten); er rät auch zu Darmspiegelung und Prostata-Check und zeigt, wie man als knallharter Typ in der Hektomatik-Welt besteht und doch auch Tränen zeigen kann. "Der Mensch ist wie eine Dusche. Wenn du es geschafft hast, dass du alle Löcher am Duschkopf zuhältst, dann spritzt dir das Wasser aus irgendeiner undichten Stelle heraus." Wer sagt denn, dass Superhelden nicht weinen?

Austrofred, "Die fitten Jahre sind vorbei", Czernin

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