Ausstellung "Star Wars Identities" Luke Skywalker am Mikrofon

Hans-Georg Panczak war 25 Jahre alt, als er zum ersten Mal Mark Hamill für die deutsche Star-Wars-Bearbeitung synchronisierte.

(Foto: Robert Haas)
  • Wer Darth Vader, R2-D2, Chewbacca, Boba Fett oder Yoda treffen will, kann von diesem Samstag an die Ausstellung "Star Wars Identities" in der kleinen Olympiahalle besuchen.
  • Zum Start der Ausstellung haben wir mit berühmten Fans, wahren Freaks und Münchnern, die beim Krieg der Sterne mitwirkten, gesprochen - hier ist einer von ihnen:
Von Martina Scherf

Er hat sie selbstverständlich noch drauf, die Sätze, den Tonfall: "Die Macht ist mit mir . . . Ich werde nie zur dunklen Seite gehören!" Hans-Georg Panczak steht vor der Puppe von Luke Skywalker und haucht ihr mit seiner unverkennbaren Stimme Leben ein. Vor fast 40 Jahren - man ist versucht zu sagen: es war einmal vor langer Zeit . . . - hat er die Rolle des jungen Jedi-Ritters das erste Mal auf Deutsch gesprochen, in "Krieg der Sterne", 1977. Drei Episoden lang rauschte er mit Luke durch dessen Weltraumabenteuer. Dann beschloss George Lucas, in den nächsten drei Folgen die Vorgeschichte zu erzählen, die Zeit vor Lukes Geburt. Aber im vergangenen Herbst, in "Das Erwachen der Macht", da tauchte Luke wieder auf. Ganz am Schluss, für einen Moment, ohne Worte. Panczaks Stimme haben die deutschen Fans trotzdem erkannt: Er sprach den Filmtrailer.

Diese markante, ein wenig raue, aber warme Stimme, sie ist Panczaks Markenzeichen. Er war 25, als er zum ersten Mal Mark Hamill für die deutsche Star-Wars-Bearbeitung synchronisierte. Heute sind Hamill 64 und Panczak 63, aber das sieht man dem Münchner nicht an: Baseball-Cap, Knitterschal, Lederjacke, er hat einen jugendlichen Charme - und eine junge Stimme. Luke, der auch in galaktischen Kategorien ein wenig gereift sein dürfte, kann er ohne weiteres noch sprechen.

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"Natürlich war ich fasziniert von diesen Filmen", sagt er beim Rundgang durch die Ausstellung, "es gab damals ja noch kaum Special Effects." Gesehen hat er sie aber erst im Kino. Da saß er dann - und erschrak, als Luke zu sprechen begann: "Das bin ich nicht, sagte ich zu meiner Frau, die haben mich umbesetzt." Erst nach einer Weile merkte er: Sie hatten bei ihm in der Postproduktion die Bässe rausgenommen, und bei Wolfgang Pampel, der Harrison Ford (Han Solo) synchronisierte, reingeschoben, "um mehr Gefälle zwischen den beiden Figuren zu erzeugen". Von da an konnte er sich entspannt zurücklehnen und genießen.

Die Idee der Ausstellung, dass sich Besucher ihren eigenen Charakter suchen, gefällt ihm. "Das fragen wir uns doch alle immer wieder: Welche Mächte formen uns? Das ist das Schöne an gut gemachter Science-Fiction: Sie behandelt alle Menschheitsfragen." Dass es im Universum noch andere intelligente Wesen geben könnte, dass die ganz anders aussehen, aber trotzdem Werte verkörpern - "das sollte man den Rechten heutzutage mal klar machen". Überhaupt sei das Leben doch ein ständiger Wandel, und die Frage "Was ist gut, was ist böse? Auf welcher Seite stehst du? - die muss sich doch jeder immer wieder stellen". Panczak geht vorbei an Meister Yoda und Anakin, der Fotograf schlägt vor, ein Foto vom Podracer zu machen: "Nein, da war ich doch noch gar nicht geboren!" Die Prequel-Serie, die gefällt ihm weniger.

Mark Hamill, dem er nie begegnet ist, mag er als Schauspieler. Ebenso wie Richard Thomas, der den John-Boy aus den "Waltons" spielte, mehr als 120 Folgen lang. Auch dessen deutsche Stimme ist Hans-Georg Panczak. "Das sind Leute, die liegen mir von der Art her. Die haben wie ich das Kind in sich nicht verloren." Oder Murdoch, der Pilot aus "A-Team", "auch so ein Verrückter", den er synchronisierte. Panczak liebt solche Typen. Und natürlich eine weitere Paraderolle: den hippeligen Waylor Smithers aus den Simpsons.

Geboren in Düsseldorf, wuchs Panczak in Berlin auf, das hört man heraus, auch wenn er nun schon seit vielen Jahren in der Nähe von München lebt. Er spielte im Tatort, in "Der Alte", "Die Küstenwache" und "Der Landarzt", aber es drängt ihn nicht so sehr auf die Bühne. Er mag das Spiel mit seiner Stimme. Er kann sie von einer Sekunde auf die andere umschlagen lassen, von väterlich-beruhigend bis zu schrill-alarmiert. Und Millionen Star-Wars-Battlefront-Spieler hören sie inzwischen im Wohnzimmer, denn für das Computerspiel hat er ebenfalls Luke Skywalker gesprochen.

Als sie die Star-Wars-Filme damals synchronisierten, stand Panczak mit Susanna Bonaséwicz (spricht Lukes Zwillingsschwester Leia) und Wolfgang Pampel (Han Solo) gemeinsam am Mikrofon, "wir hatten viel Spaß". Vor allem die Frotzeleien zwischen Han Solo und Luke mochte er ("Wenn du schön übst, wird aus dir noch ein richtig guter Jedi"). Diese Zeiten sind vorbei, heute wird jede Stimme einzeln aufgenommen. Man sieht und hört die anderen nicht mehr, auch die Bilder bleiben geheim. "Bei den Blockbustern und vor allem bei Disney-Produktionen herrscht eine Riesenangst vor Raubkopien", sagt Panczak.

Ein neuer Star-Wars-Film wird ähnlich geheim gehalten wie ein Nato-Einsatzplan. Als Panczak den Trailer zu Episode VII sprach, musste er unterschreiben, dass er es nicht mal seiner Familie erzählt. Nun warten alle auf Episode VIII. Der Dreh hat begonnen. Und man muss nicht über die Macht der Jedis verfügen, um vorherzusehen, dass Luke wohl wieder mit von der Partie ist. Und wer, wenn nicht Panczak, sollte ihm seine Stimme leihen?

Die Ausstellung

"Star Wars Identities" in der kleinen Olympiahalle ist von Samstag, 14. Mai, bis 17. Oktober, täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Besucher treffen dort auf Darth Vader, R2-D2, Chewbacca, Boba Fett oder Yoda , sie begegnen dem Millennium Falken oder Anakins lebensgroßem Podracer und stellen sich auf einer interaktiven Reise einen eigenen Charakter zusammen - am Wochenende zum Preis von 24,95 Euro für Erwachsene und 17,95 für Kinder (unter der Woche drei Euro weniger). Die rund 200 Originalrequisiten, Modelle und Kostüme stammen aus dem Lucas Museum of Narrative Art. Ergänzt wird die Ausstellung durch Lesungen (am 23. Juni mit Hans-Georg Panczak alias Luke Skywalker), Vorträge, ein Lego-Star-Wars-Wochenende, einen Frauentag und ein Treffen mit dem Star-Wars-Zeichner Ingo Römling. mse