Ausstellung "München - Leuchtende Kunstmetropole""Prototyp einer Kulturhauptstadt"

Was macht eine "Kulturhauptstadt Europas" aus? Das böhmische Pilsen, das den Titel derzeit trägt, orientiert sich am Vermächtnis Münchens, das einmal ein führendes Kunstzentrum der Welt war. In einer Ausstellung sind dort derzeit Raritäten zu sehen, die in Bayern längst verschwunden sind.

Von Paul Katzenberger, Pilsen

Ein Plakat sagt manchmal mehr als tausend Worte. Doch wer heute den Aushang betrachtet, mit dem die Künstlervereinigung "Phalanx" 1901 auf ihre erste Ausstellung hinwies, dem erschließt sich dessen Bedeutung kaum. Da fehlt zum Beispiel jeder Hinweis auf Wassily Kandinsky, den bekanntesten Gründer der Gruppierung, der heute als entscheidender Wegbereiter der abstrakten Kunst in Ehren gehalten wird.

Auch die Frage, wie dieser in Moskau geborene Sohn eines wohlhabenden Teehändlers dazu gekommen war, zu einer Kunstschau im damals recht provinziellen München (in der Finkenstraße 2, "gegenüber dem Königlichen Odeon") einzuladen, beantwortet das Plakat nicht.

Das erschließt sich intuititv nur demjenigen, der weiß, dass sich München 1901 zu einem der weltweit bedeutenden Kunstzentren entwickelt hatte. Die "Münchner Schule" galt seit 1850 als wegweisender Malstil, der Künstler aus allen Teilen Europas anlockte, mit dem Ziel ihre Fertigkeiten zu vervollkommnen. Auch Kandinsky war von der Moskwa an die Isar gezogen, um Malerei zu studieren.

An diese glanzvolle Zeit erinnert nun die Ausstellung "München - leuchtende Kunstmetropole, 1870 - 1918" in der Westböhmischen Galerie in Pilsen, das in diesem Jahr den Titel "Kulturhauptstadt Europas" trägt.

Wassily Kandinsky, "Plakat Phalanx - 1. Ausstellung", 1901

Bild: Privatsammlung Paris 28. Februar 2015, 17:352015-02-28 17:35:32 © SZ.de/pak/infu