bedeckt München 18°

Ausstellung:Kunst unter Druck

Akademiestudenten zeigen Lithographien in der Graphischen Sammlung

Von Jürgen Moises

Die Lithographie wurde bekanntlich um das Jahr 1797 herum von Alois Senefelder erfunden. In München, und mithilfe von Jura-Kalk und Kalkschiefersteinplatten aus Solnhofen. Womit die Lithographie als ältestes Flachdruckverfahren, wenn man es patriotisch sehen will, eine bayerisch-mittelfränkische Erfindung ist. Als künstlerische Technik führt sie heutzutage ein Nischendasein und wird eher in Amerika und dort etwa von Künstlerinnen wie Kiki Smith genutzt. Wieso? Vielleicht, weil die Technik doch vergleichsweise aufwändig ist und man Solnhofer Kalkstein auch nicht unbedingt im Laden ums Eck bekommt. Wobei bereits Ende des 19. Jahrhunderts herausgefunden wurde, dass sich das zugrunde liegende Prinzip der Abstoßung von Fett und Wasser auch mit gekörnten Zink- und Aluminiumplatten umsetzen lässt.

Auf welch vielfältige Weise sich jedenfalls beide Verfahrensweisen nutzen lassen, das lässt sich aktuell im Vitrinengang der Staatlichen Graphischen Sammlung in der Pinakothek der Moderne erkunden. Dort sind unter dem Titel "Boxenstop II - Druck machen" Arbeiten von Studierenden der Münchner Kunstakademie zu sehen. 2017 gab es den ersten "Boxenstop" als Kooperation mit der Akademie. Vorausgegangen ist der Ausstellung ein Wettbewerb, an dem Studierende aus allen Klassen und Jahrgängen teilnahmen. Über 40 hatten sich mit künstlerischen Ideen für die Vitrinen beworben. Zwölf wurden ausgewählt und durften dann zwei Semester lang in der Litho-Werkstatt der Akademie experimentieren. Darunter sind mit Hiroyuki Abe und Xin Chi unter anderem auch Künstler aus Japan und der Mongolei, und sonst sind mit Fotografie, Zeichnung, Malerei oder Installationskunst die verschiedensten Ansätze vertreten.

Für fast alle war die Lithographie Neuland. Und dann auch wieder nicht. Denn eine Besonderheit der Drucktechnik ist, dass man sowohl zeichnerisch als auch malerisch und zudem mit Fotografien arbeiten kann. Claudia Röhrle hat Letzteres eindringlich genutzt, indem sie aus den aus der aufgelösten Wohnung eines verstorbenen Mathematik- und Physikprofessors stammenden Fotos eine Art Erinnerungs-Tableau erstellt hat. Lena Keller hat basierend auf Fotos von Kupferstichen aus der Graphischen Sammlung Wolkenlandschaften kreiert, Franz Stein mit dem malerischen Entwurf eines Fabrikfensters die Fenstersituation der Vitrine gedoppelt. Xin Chi hat mit Tusche Pferdeköpfe gestaltet und Annemarie Faupel die Vitrine in ein Aquarium verwandelt. Die sehr unterschiedlichen Herangehensweisen finden auch in den persönlichen Texten der jungen Künstler im schön gemachten Katalog ihren Widerhall. Von einigen erfährt man dort, dass sie mit der Lithographie weitermachen wollen. Zu hoffen wäre es. Für die Lithographie. Aber auch weil das beim "Boxenstop" herausgekommene Ergebnis überzeugt.

Boxenstop II - Druck machen, bis 4. Oktober, Pinakothek der Moderne, Barer Str. 40

© SZ vom 18.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite