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Ausstellung:Keine Schäfchen zählen

Schafe

Bewegung in den Stillstand bringen will die "akademiegaleriehomeoffice.de", hier der Film "Schafe" von Sebastian Quast.

(Foto: Klasse Kogler/Sebastian Quast)

Kunststudierende wehren sich gegen den Stillstand

Von Evelyn Vogel

Mittwoch war der Tag der Schafe. Friedlich stand die Herde mit vielen weißen - ein paar schwarze Tiere gab's natürlich auch, wie überall - auf einer Wiese am Rande eines Waldes herum und tat, was Schafe den lieben langen Tag so tun: Sie fraßen sich gemächlich durchs grüne Gras. Aufbruch, Bewegung sieht anders aus, sollte man meinen. Und doch ist die Schafsszene ein schönes Bild für das, was hinter dem Kunstprojekt steckt: Die Studierenden der Kunstakademie wollen dem coronabedingten Stillstand etwas entgegensetzen.

Auch deshalb ist die Schafsidylle schon wieder passé. Die Videoarbeit von Sebastian Quast lief nur einen Tag lang in dem Glaskasten der Akademie Galerie im U-Bahnhof Universität. Der Wechsel ist programmiert, Pause gibt's nur in der Nacht. Die Gemeinschaft der angehenden Künstler an der Akademie - traditionell eine wilde Mischung von mit- und nebeneinander arbeitenden Individuen: in Vereinzelung aufgelöst. Der Unterricht: seit Wochen nurmehr eine große Zoom-Konferenz. Die beliebte und stets gut besuchte Jahresausstellung und die große Chance, sich und sein Potenzial öffentlichwirksam zu präsentieren: abgesagt.

Nun bespielt die Klasse von Peter Kogler zwei Monate lang die Akademie Galerie mit täglich wechselnden Arbeiten. Die Aktion "akademiegaleriehomeoffice.de" ist ein Projekt von vielen, um sichtbar zu bleiben. Etwa acht Meter tief und 20 Meter lang ist der Ausstellungsraum, der durch eine Glaswand vom restlichen Sperrengeschoss getrennt und permanent einsehbar ist. Seit 1989 wird der Raum von Studierenden und Absolventen der Kunstakademie in schnell wechselndem Rhythmus bespielt. Mal sind es Einzelne, mal ganze Projektklassen. Das Programm für dieses Jahr stand längst. Die ersten Ausstellungen konnten noch stattfinden, dann wurde coronabedingt alles aufs nächste Jahr verschoben. Nun sieht es so aus, als ob von September an der reguläre Ausstellungsbetrieb wieder stattfinden könnte.

Am Donnerstag lief aus der Homeofficeklasse der "Butterfly Effect" von Ludwig Dressler, Anja Lekavski, Lionel Nymphius, Inna Stepankova und Sebastian Quast. An diesem Freitag verspeist Linnéa Schwarz mit ihrer Arbeit "Tonight I ate my Necklace" visuelle Perlen der Erinnerung. Am Samstag streamt Ludwig Dressler nicht nur aber auch zur "Primetime" seine Einblicke in deutsche Fernsehzimmer. Und am Sonntag lädt Andrei Hâncus Animation "Wolke" zur meditativen Betrachtung ein.

Zudem werden die Projektionen in der Regel am Nachmittag für weitere Einblendungen von studentischen Aktionen unterbrochen, denn natürlich ist alles digital ferngesteuert. Da werden beispielsweise auch Klassenbesprechungen über Zoom per Live-Stream in die Galerie übertragen. An diesem Freitag soll es von 17 Uhr an ein "Live Zeichnen" von Julia Walk geben. Das Programm für die kommenden Wochen folgt nach und nach - Work in Progress eben und alles bloß kein Stillstand.

Akademiegaleriehomeoffice.de, Klasse Kogler, Akademie Galerie, U-Bahnstation Universität, Zwischengeschoss, Ausgang Akademiestraße Linien U3/U6, täglich wechselnd bis Ende Juli

© SZ vom 05.06.2020

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