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Ausstellung in München:Die Mumie kehrt zurück

Wie aus einem peruanischen Mumienbündel der Inka-Zeit eine "Moorleiche aus dem Dachauer Moos" werden konnte, erläutert Brigitte Haas-Gebhard.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bombenopfer? Moorleiche aus dem Dachauer Moos? Hundert Jahre lang ist eine Mumie in München mit einer völlig falschen Beschreibung ausgestellt worden. Inzwischen haben Forscher herausgefunden, woher die Tote stammt und wie dramatisch sie ums Leben kam.

Ganze dreißig Jahre lang wurde sie ausgestellt: als Attraktion in der Archäologischen Staatssammlung München lag sie in einer kleinen Kiste - stets mit dem Rücken zum Betrachter, um auch ja keinen mit ihrer Hässlichkeit zu erschrecken. Rund drei Millionen Besucher, darunter auch die Crème de la Crème der Wissenschaft, sollen sie bestaunt haben. Doch erst 2007 zeigte sich das wahre Gesicht der "Moorleiche aus dem Dachauer Moos": Weder ist sie Moorleiche, noch stammt sie aus dem Dachauer Moos. Vielmehr kommt die Dame mit dickem geflochtenen Haar aus Südamerika, war Angehörige des Inka-Volks und wurde in der Wüste beigesetzt, ist folglich eine Trockenleiche.

Nun präsentiert die Archäologische Staatssammlung sie erneut - dieses Mal mit ihrer wahren Geschichte. Schließlich sei es ein Wunsch der Inka gewesen, den sozialen Tod zu verhindern, dass die Geschichte des Einzelnen nicht in Vergessenheit gerät. Prinzessin Therese von Bayern, die 1889 eine Reise in das westliche Südamerika unternahm, holte die Mumie höchstwahrscheinlich nach München.

Von 1904 an war sie dann in der Anatomischen Anstalt untergebracht. Nach einem Bombenangriff während des Zweiten Weltkrieges wurde die Mumie für ein Opfer einer Bombe gehalten und irrtümlicherweise bestattet. Die Annahme, dass sie im Dachauer Moos gefunden wurde, entstammt einer mündlichen Überlieferung, die nie bewiesen werden konnte.

Die Moorleiche stammt aus Südamerika

Als vor sieben Jahren Parasitenbefall vermutet wurde und die Archäologische Staatssammlung die Kiste der vermeintlichen Moorleiche öffnete, sei schnell deutlich geworden, dass die Leiche nicht aus dem Moor stammen konnte, erklärt Rupert Gebhard, Direktor der Sammlung. Die Knochen seien zu gut erhalten gewesen. Zudem wunderte man sich über die Hockhaltung. Die Frau wurde nach ihrem Tod verschnürt, sodass die Oberschenkel der Leiche dicht am Oberkörper liegen. Die Inka bestatteten auf diese Weise.

Die ausgestellte Mumie in der Archäologischen Staatssammlung.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Mumie, die nun bis Ende August 2014 präsentiert wird, wurde kurz vor ihrem Tod misshandelt. Schwere Kopfverletzungen, die ihr mit einem Werkzeug zugefügt wurden, seien der Grund für ihren Tod gewesen - so Andrea Lorentzen von der Sammlung. Untersuchungen zeigten außerdem, dass die Inka-Frau lange Zeit ihres Lebens unter Herzrhythmusstörungen und Darmerkrankungen gelitten haben muss. Die Nahrung der Frau bestand aus Fisch, Meerestieren und Mais. Ungefähr fünfundzwanzig Jahre alt sei sie gewesen, als sie sterben musste.

In der Ausstellung kann sich der Besucher entscheiden, ob er in den Forschungsbereich gehen möchte oder auf direktem Wege zur Leiche. Gruseln ist also kein Muss. Aber um Ruhe wird gebeten im Raum der Mumie - ein intimer Moment solle entstehen, hofft Lorentzen.

Die "Moorleiche aus dem Dachauer Moos" zeigt dem Betrachter nun nicht mehr nur den Rücken, auch das Gesicht ist zu sehen die Zähne, die Fingernägel. Ihre Haut ist fast schwarz - teils durch die Konservierung, teils durch Verfärbungen, die beim Bombenangriff entstanden sein könnten.

Ausstellung in der Archäologischen Staatssammlung, Lerchenfeldstraße 2; Dauer: 28. Februar bis 31. August, Dienstag bis Sonntag 9.3o bis 17 Uhr. Geschlossen am Faschingsdienstag, Karfreitag, 1. Mai, Fronleichnam.

© SZ vom 28.02.2014/wolf
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