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Ausstellung:Im Licht des Glaubens

Markus Lüpertz möchte in der Regensburger Kirche St. Ulrich einen Teil der gotischen Fenster farbig gestalten. Erst aber kommt im Herbst die Ausstellung "Der göttliche Funke II".

(Foto: Uwe Moosburger)

Zu seinem 80. Geburtstag plant Markus Lüpertz in Regensburg eine Ausstellung und fünf Kirchenfenster - und hat Wünsche an die Betrachter

Von Sabine Reithmaier

Maria Baumann wirkt zufrieden. Sie habe gerade jede Menge Originale von Markus Lüpertz auf dem Schreibtisch, sagt die Leiterin der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg. Lauter Entwürfe und Skizzen für seine im Herbst geplante Ausstellung in St. Ulrich. "Er brennt dafür", sagt die Diözesankonservatorin, die seit einem Jahr mit dem Künstler verhandelt. Nicht nur wegen der Schau mit dem Titel "Der göttliche Funke II", sondern auch über die Idee, in der gotischen Kirche fünf Fenster nach seinen Entwürfen zu gestalten. Jedenfalls wenn genügend Sponsoren gefunden werden.

Offizieller Anlass für die Ausstellung ist der 80. Geburtstag des Malers und Bildhauers. Lüpertz ist in der Stadt kein Unbekannter. So entwarf er 2018 für das Theater Regensburg das Bühnenbild der Barockoper "Una cosa rara", ist in der Galerie Art Affair regelmäßig vertreten. Und das Kunstforum Ostdeutsche Galerie hatte den im tschechischen Reichenberg geborenen Künstler bereits 2010 mit einer großen Schau gewürdigt. Das sei schon eine "echt kulturelle Ecke" hier, konstatierte Lüpertz denn auch während der Pressekonferenz in St. Ulrich. Eine Äußerung, die den Regierungspräsidenten Axel Bartelt leicht zusammenzucken ließ. Bei aller Bescheidenheit des hiesigen Menschenschlags sei das hier keine Ecke, sondern das Herzstück der Oberpfalz, insistierte er, räumte aber freundlich ein, dass dieses durch Lüpertz noch eine weitere Aufwertung erfahre.

St. Ulrich ist einer der frühesten gotischen Kirchenbauten Deutschlands. Errichtet wurde das außergewöhnliche Bauwerk als herzogliche Palastkapelle zwischen 1220 und '30 unmittelbar neben dem damals noch romanischen Dom. Die Baumeister wagten sich erstmals an die neuen französischen Architekturformen heran, orientierten sich an den Kathedralen von Paris und Laon. Nach Jahrhunderten als Dom-Pfarrkirche fiel das Gebäude durch die Säkularisation an den Staat, bot seither Platz für Museen, barg zuletzt die Kunstsammlungen des Bistums. Diözesanmuseum soll es nach der Generalsanierung auch wieder werden, sagt Baumann, die mitten in der Neukonzeption steckt. Solange sie plant, wird der hohe Raum für Sonderausstellungen genutzt.

In Lüpertz' Schaffen nehmen Kirchenfenster einen breiten Raum ein. Als gläubiger Katholik hat er sich schon des Öfteren in kirchlichen Räumen betätigt. Ob für die französische Kathedrale Saint-Cyr-et-Sainte-Julitte oder die Kölner Dominikanerkirche St. Andreas, ob in Landsberg-Gütz, Lippstadt oder Bamberg - "das Malen mit Licht" (Lüpertz) fasziniert ihn. Baumann hat den Künstler in Köln kennengelernt, als er ihr dort seine Fenster zeigte. Sie revanchierte sich mit einer Führung durch St. Ulrich. "Er war sofort fasziniert." Lüpertz schlug vor, in der Ausstellung seine monumentalen Gipsfiguren mit Glasmalereien und Entwürfen für Kirchenfenster zu kombinieren. Die Idee habe er schon für einen Raum in Italien entwickelt, sagt er. Aber daraus sei, "wie so oft in Italien", nichts geworden. Doch St. Ulrich eigne sich noch idealer für die Umsetzung dieser Idee. Er freue sich schon darauf, seine Arbeiten ins Benehmen zu setzen mit diesem wunderschönen Raum. "Ein Experiment gewiss, aber das ist doch eigentlich immer das Spannende daran. "

Es sei schon machbar, sich in dieser gotischen Umgebung als heutiger Künstler zu behaupten, sagte der wie immer hochelegante Lüpertz, ließ den Blick durch den Raum schweifen und dozierte eine Weile darüber, dass die Qualität eines Künstlers sich nur im Vergleich mit anderen Künstlern ergebe. "Er muss es sich schon gefallen lassen, dass er mit den Großen der Vergangenheit verglichen wird und sich daraus ein Qualitätsurteil über die eigene Arbeit ergibt." Kein Problem für Lüpertz natürlich, aber für die meisten Kritiker, denn diese hätten nicht die Bildung, um wirklich im Kontext von Matisse, Picasso oder Goya vergleichen zu können. "Nur dann kann man sich ein Urteil erlauben."

Von seinen Ausstellungsbetrachtern wünscht er sich Begeisterung und Glaube. Vor allem letzterer sei wichtig, da es für Zeitgenossen schlicht nicht möglich sei, Kunst zu beurteilen: "Sie können nur dem Künstler glauben, dass das, was er tut, ernst oder gut ist." Wenn der Glaube fehle und nur mehr der persönliche Geschmack sowie der Unterhaltungswert als Beurteilungskriterien für Kunst herangezogen würden, sei das schwierig. Aber dieses Problem teile sich die Kunst inzwischen mit der Religion. "Die Leute glauben weder dem Künstler noch dem Pfarrer." Wenn Begeisterung, Hingabe, Bestätigung fehlten, stünde der Künstler, das "poetisch lyrische Gewissen der Gesellschaft", in einem zynischen, leeren Raum. "Ohne Betrachter existiert aber keine Kunst, nur durch das Sehen vollendet sich das Bild." Genau dieses Moment treibe ihn lebenslang um, veranlasse ihn, Ausstellungen zu gestalten, um sich immer wieder dieser "Glaubenskritik" zu stellen und gegen die "Götter-Verdämmerung" anzukämpfen.

Kein Wunder, dass sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bei dem "Bildermaler und Skulpteur" (Lüpertz) für die kleine Fundamentaltheologie bedankte. Für ihn sei Lüpertz in seiner Originalität ein wahrer Markus-Evangelist, der die Menschen dazu bringe, genau hinzusehen. Und dem man seine 80 Jahre genauso wenig ansehe wie der Ulrichskirche ihre 800, ergänzte der Regierungspräsident, ein Vergleich, der dem ansonsten geburtstagscheuen Lüpertz gut gefiel. "Das hat mich jetzt wirklich aufgebaut ", sagte er, schwenkte seinen Stock und kletterte flugs hinauf zur Empore.

Dort ist er den Fenstern, die er gestalten will, schon ein gutes Stück näher. Ideen dafür habe er schon genügend, sagt er. Jetzt fehlt nur noch das Geld, um die Geschichte der Glaskunst in Regensburg fortzuschreiben.

© SZ vom 15.05.2021
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