Ausstellung Gesichter eines Jahrzehnts

Nicht Hollywood, sondern München in den Achtzigern.

(Foto: Harald Rumpf)

Der Fotograf Harald Rumpf zeigt Bilder aus den Achtzigern im Gasteig.

Von Wolfgang Görl

München in den Achtzigerjahren: Irgendwie schien die Stadt Atem zu holen nach den erregenden Sechzigern und den olympischen Siebzigern, die wie eine Verheißung waren, das Leben werde so sprudelnd und mitreißend sein wie die Isar, an deren Gestaden die jungen Leute klampften und kifften. In den Achtzigern aber, nach dem Ende der Entspannungspolitik, schien der Atomkrieg wieder möglich zu sein, dazu das Waldsterben und Tschernobyl - Gott ja, der Slogan "No future" klang durchaus plausibel.

Auch in München sah man nun Punks in Fetzenklamotten, die den Kids in New York oder London nacheiferten, die allerdings schon früher dran waren. Imageprägender war die Schickeria, deren mehr oder weniger prominente Selbstinszenierungskünstler, befeuert und gefeiert von der Klatschpresse, das belanglose Geschwätz und den Kir-Royal-Schwips als noble Lebensart zelebrierten. Den altbewährten Münchner Grantler, Typ Herr Hirnbeiß, gab es auch noch, ja man darf sagen, München war mehr als heute ein Kleinuniversum aus zahllosen Parallelwelten, die mitunter nichts voneinander wussten.

Was Wunder, dass die Erinnerungen der Zeitgenossen an das München der Achtzigerjahre so unterschiedlich ausfallen wie die Zeugenaussagen eines Verkehrsunfalls. Einen sehr persönlichen Blick auf diese Zeit hat auch der Münchner Fotograf Harald Rumpf geworfen, dessen Fotos unter dem Titel "Billard" bis zum 10. Januar im Gasteig zu sehen sind. Rumpf zeigt weniger das proseccoprickelnde Schickeria-München, das Helmut Dietl in "Kir Royal" porträtiert hat, sein Interesse gehört den Alltagsmenschen, die sich, so gut es geht, amüsieren wollen und, unbeholfen bisweilen, nach Anerkennung, nach Liebe vielleicht in den Blicken der anderen suchen.

"Es ging immer", sagt Rumpf, "um die Suche nach menschlichem Verhalten, nach Momenten, in denen die Abgebildeten ein privates Gesicht zeigen." Für diese fast intimen Augenblicke war er mit seiner Fotokamera zwischen Glockenbachviertel und Hasenbergl, zwischen Schwabing und Haidhausen unterwegs, in Kneipen und Clubs, bei privaten Feiern, auf dem Oktoberfest und auf der Straße. Die Bilder zeigen ein München, das noch nicht so hochglanzpoliert und aufgebrezelt ist wie die Stadt heute, da gibt es noch verschnarchte Ecken und Schicksalsboazn, in denen die Hoffnung erst zur Polizeistunde stirbt.

"BILLARD. Fotografien aus dem München der 80er Jahre." Ausstellung von Harald Rumpf in der Glashalle im Gasteig (1. OG). Noch bis 10. Januar 2019, täglich 8-23 Uhr.

Die Bilder gibt's auch als Buch: Harald Rumpf, Billard. München in Fotografien der 80er Jahre, Verlag Aporia Media, 176 Seiten, ca. 75 Fotos, mit Texten von Andrian Kreye und Karin Sagner (deutsch/englisch/französisch), Hardcover, 38 €, ISBN 978 3 92315514 9.

München Wie München in den Siebzigern zur Weltstadt wurde

Bilder einer Stadt

Wie München in den Siebzigern zur Weltstadt wurde

Die Münchner Schickeria, Olympia '72 und die Promis, die sich in den Clubs und Edelkneipen die Klinke in die Hand gaben: Unser Fotograf zeigt die wichtigsten Orte der Party-Metropole.   Von Günther Knoll (Text) und Robert Haas (Fotos)