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Ausstellung:Formen der Sprache

Das 15. RischArt-Projekt kreist im Gasteig um unsere Kommunikation

Die Eröffnung des 15. Risch-Art-Projekts "Jaja-Neinnein-Vielleicht" im Gasteig soll an diesem Sonntag stattfinden. Von 11 Uhr an wird die Ausstellung zu sehen sein. Begrüßungen und öffentliche Reden durch die Veranstalter werden jedoch entfallen. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Münchner Stadtbibliothek im Gasteig. Sie sagt bis auf Weiteres all ihre Veranstaltungen ab, bleibt aber offen zugänglich als "zentrale Quelle für Information und Aufklärung".

Rischart Gasteig

Bibelbezüge mit ausgestopften Tieren: Thomas Thiede erinnert an die vier Evangelisten.

(Foto: Bernd Borchardt /RischArt)

Es sei eine denkwürdige Zeit, betonte Max Wagner, Geschäftsführer der Gasteig München GmbH, am Freitag bei der Pressekonferenz zur "Jaja-Neinnein-Vielleicht"-Ausstellung. Höchstwahrscheinlich sei das eine der vorerst letzten Kulturveranstaltungen, so Wagner, man wolle aber alle aufgebauten Kunstwerke im Gasteig belassen, wo sie sind. Wie etwa die meterlangen Tüllstoffbahnen mit dem Text "Ist mein Körper öffentlich?" - in zwölf verschiedenen Sprachen bestickt, die in der großen Eingangshalle des Gasteig hängen. Die Künstlerin Alicia Framis denkt darüber nach, was denn heute überhaupt noch Privatsphäre ist. Der leichte Stoff steht da bewusst in Kontrast zur schweren Ernsthaftigkeit der Frage. Albert Coers hingegen deutet das Hauptthema "Sprache und Kommunikation" der 15. RischArt-Ausstellung anders. Er brachte 14 verschiedene Schwarz-Weiß-Fotografien an bestimmten Stellen im bunten Gasteig unter. Dabei treten die Menschen auf den Fotos, die mit Gebärdensprache ein Wort ausdrücken, in Beziehung zu den jeweiligen Orten. So sieht man auf einem roten Kassenautomat das Bild zum gebärdensprachlichen Begriff des Kapitalismus. "Der Begriff der Sprache allein erweitert sich mit der Gebärdensprache", erklärt der Künstler die Absicht.

Rischart Gasteig

Albert Coers erweitert unsere Wahrnehmung von alltäglichen Dingen durch Fotos von Menschen, die in Gebärdensprache sprechen. Diese Rolltreppe führt nicht nur nach oben, sondern in die Zukunft.

(Foto: Bernd Borchardt/RischArt)

Die vielseitige Kunst im öffentlichen Raum zu fördern, das versucht das Münchner Unternehmen Rischart unter dem Signet RischArt seit seinem 100-jährigen Bestehen 1983. Dabei werden Künstler eingeladen, unter immer neuen Rahmenbedingungen ihre Kunst öffentlich zugänglich zu machen. Die diesjährige 15. Veranstaltung ist inspiriert vom deutschen Aktionskünstler Joseph Beuys, der in Sprachaufnahmen seiner eigenen Stimme von 1968 Kommunikation in all ihren Formen hinterfragte.

Die Künstlerin Sophia Süßmilch, geboren in Dachau, erschuf für die Ausstellung ein "Denkmal der Beleidigung". Als Clown verkleidet, klettert die Performance-Künstlerin auf das Denkmal hinauf, liest ein paar Ausschnitte aus den Beleidigungen vor. Wie geht sie mit der Kritik um? Das kann Sophia Süßmilch mit dem Motto "Wenn du sie nicht schlagen kannst, verbünde dich mit ihnen!" beantworten. Thomas Thiede beschäftigte sich hingegen mit dem "ungläubigen Thomas". An vier Säulen im Foyer erinnert der in Plauen geborene Künstler mit ausgestopften Tieren an die Symbole der Evangelisten. Zehn verschiedene Künstlerinnen und Künstler versuchen sich dem Thema zu nähern, das sich durch Globalisierung ständig verändert. Jeder beantwortet dabei auf seine spezielle Art, wie er die Welt versteht.

© SZ vom 14.03.2020

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