Süddeutsche Zeitung

Ausstellung:Eine Stadt für alle

Das Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne widmet sich der Metropole São Paulo unter dem Blickwinkel der sozialen Nachhaltigkeit.

Als São Paulo vor beinahe 500 Jahren entstand, war es eine kleine Siedlung rund um ein Jesuiten-Kloster. Heute ist die brasilianische Stadt mit mehr als 11 Millionen Einwohnern Südamerikas größte Metropole und der größte industrielle Ballungsraum. Der vor allem durch den Kaffeeanbau angestoßene und sehr rasche wirtschaftliche Aufstieg São Paulos hat aber auch seine Schattenseiten, zu dem Phänomene wie eine teilweise extreme Armut, eine dichte Besiedlung sowie erhebliche Probleme in den Bereichen Verkehr, Umwelt und Gesundheitswesen gehören. Dass Brasilien seit kurzem eine rechtsradikale Regierung hat, die gerade dabei ist, soziale Errungenschaften der letzten Jahrzehnte zurückzudrehen, macht die Sache nicht unbedingt leichter.

Zu diesen Errungenschaften gehören Gebäude und offene Räume, die in São Paulo als integrative Orte und soziale Treffpunkte für eine urbane Gesellschaft funktionieren. Ausgesuchte Beispiele dafür aus den 1950er-Jahren bis heute werden vom 13. Juni an in der Ausstellung "Zugang für alle. São Paulos soziale Infrastrukturen" in der Pinakothek der Moderne präsentiert. In Form der dort gezeigten Fotografien, Filme, Architekturpläne, Modelle und extra für die Ausstellung geführten Interviews wird damit gleichzeitig auch die Entwicklung der modernen Architektur in Brasilien rekapituliert. Aber eben nicht, wie es oft passiert, aus einem rein ästhetischen, formalen Blickwinkel, sondern eher von der Fragestellung geleitet, wie die jeweilige Situation und soziale Bedürfnisse die Form der Architektur bestimmen - und umgekehrt.

Ganz konkret geht es dabei um soziale Räume wie ein Schwimmbad im 13. Stock des Gebäudes des Serviço Social do Comércio 24 de Maio, das unter anderem auch Räume für Musik, Theater und Ausstellungen enthält; die Hochstraße Minhocão ("Der große Wurm"), die an Sonntagen für den Autoverkehr geschlossen ist; das "Centro Cultural" sowie den darauf angelegten Dachgarten; das Museo de Arte de São Paulo oder der "Stadt-Strand" im SESC Pompéia. Als öffentliche, halböffentliche oder private Orte sind diese oftmals auf ungewöhnliche Weise in den Stadtraum integriert und sie zeigen, was sich mit Fantasie und gutem Willen auch in dicht besiedelten Metropolräumen allen Unbilden zum Trotz realisieren lässt.

Zugang für alle. São Paulos soziale Infrastrukturen, Donnerstag, 13. Juni, bis 8. Sep., Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne, Barer Straße.

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Quelle:
SZ EXTRA vom 13. Juni 2018/axi
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