bedeckt München

Ausstellung:Bilderrätsel

Unter dem Titel "Nahaufnahme Messestadt" zeigen die Mitglieder der Fotowerkstatt Details vom Leben in ihrem Wohnquartier. Manche Motive sind auf den ersten Blick zu erkennen, über andere müssen die Betrachter eine Weile nachdenken, um zu entschlüsseln, was sie sehen

Von Ilona Gerdom, Messestadt Riem

Auf einer Bank sind zwei Hunde zu sehen. Der eine sitzt, der andere steht. In der Ferne ragt ein Turm empor. Aber es ist nicht irgendein Turm, sondern der der Messe München. Damit trifft das Foto das Thema der Ausstellung "Nahaufnahme Messestadt" auf den Punkt. Aktuell zeigen die Mitglieder der "Fotowerkstatt" unter diesem Motto ihre Werke in der Kultur-Etage.

Während Vierbeiner und das Wahrzeichen der Messestadt leicht erkennbar sind, muss man bei anderen Aufnahmen ein bisschen grübeln. Bei grauem Untergrund, weißen Streifen und schwarzen Zahlen vermutet man eher ein Flugzeug als eine Sonnenuhr in der Messestadt Ost. Die Mikro- und Nahaufnahmen sorgen dafür, dass das Betrachten zum Rätselraten wird. Interaktion ist damit Teil der fünften Ausstellung der "Fotowerkstatt", die zum Kursprogramm der Kultur-Etage gehört. Derzeit zählen zu der Gruppe Inge Neumann, Karina Schober, Helmut Streit, Johann Reisz, Marcus Zander und Wilfried Tatusch.

Inge Neumann, Wilfried Tatusch und Karina Schober (von links) von der Fotowerkstatt.

(Foto: Gino Dambrowski)

Schon vor etwa einem Jahr hatten die zwei Frauen und vier Männer mit der Planung der Ausstellung begonnen. Damals wurde das Thema "Nähe" beschlossen. Die Umsetzung war freigegeben, nur eine Bedingung gab es: Die Aufnahmen mussten in der Messestadt gemacht werden. Fotografin Inge Neumann sagt: "Jeder hat seinen Schwerpunkt". Ihr zum Beispiel lägen Farben und klare Strukturen.

Beim Rundgang durch die Schau geht das Ratespiel weiter. Ein Rahmen enthält vier Ansichten eines Zaunes. Mal liegen Apfelbutzen zwischen den Metallstreben, mal Zigarettenstummel. Es geht um die Astrid-Lindgren-Straße. "Irgendwann bin ich mal zur U-Bahn gelaufen und habe das gesehen", erklärt Karina Schober. Seitdem nennt sie den Weg "Schmuddelstraße".

Nahaufnahme Messestadt

Bei einigen Aufnahmen müssen Betrachter grübeln. Die Vierbeiner hier sind dagegen leicht erkennbar.

(Foto: Johann Reisz)

Auch Wilfried Tatusch hat Entsorgungspraktiken festgehalten. Eines seiner Werke zeigt zwei überfüllte Unterflurcontainer. Zahlreiche Flaschen sind davor aufgereiht. Was auf den ersten Blick vermüllt aussieht, folgt einer strengen Ordnung: Die abgestellten Gefäße sind in weißes und grünes Altglas getrennt.

Man merkt Neumann, Schober und Tatusch an, dass sie eingefleischte Messestädter sind. Zu fast jedem Stück wissen sie eine Geschichte aus dem Viertel zu erzählen. Doch nicht nur das: "Wir fachsimpeln schon gerne", grinst Rentner Tatusch. "Und lernen voneinander", ergänzt Schober. Gerade in diesem Jahr hat sich das Team viel angeeignet. Damit die Fotografien in Corona-Zeiten jedem zugänglich sind, hat die Gruppe seit September einen Youtube-Kanal. Damit habe man sich erst vertraut machen müssen, sagt Tatusch. Dafür können Interessierte sich den Bilderrätseln jetzt auch von Zuhause aus widmen.

Nahaufnahme Messestadt

Die Bedingung für die Ausstellung "Nahaufnahmen": Alle Fotografien mussten in der Messestadt gemacht werden.

(Foto: Karina Schober)

Die Ausstellung in der Kultur-Etage Messestadt, Erika-Cremer-Straße 8, ist bis Freitag, 16. Oktober, montags bis freitags von 9 bis 12 und 13 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Auf Youtube stehen die Aufnahmen unter "Fotowerkstatt Messestadt".

© SZ vom 07.10.2020
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