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Ausstellung:Bekleidung mit Bedeutung

Eine neue Schau im Museum Fünf Kontinente zeigt Gewänder und Körperschmuck aus Lateinamerika.

Von Jürgen Moises

Kleider machen bekanntlich Leute. Sie verhüllen und schützen unseren Körper, können aber genauso auch der Ausdruck persönlicher oder kultureller Identität sein. Welche Bedeutung die Bekleidung für verschiedene indigene Gruppen in Lateinamerika hat, dem spürt die neue Ausstellung "Vernetzt. Verstrickt. Verwoben. Anziehendes aus dem südlichen Abya Yala" im Museum Fünf Kontinente nach, die dort vom 31. Juli an die ständige Lateinamerika-Ausstellung erweitert. Wie zuvor auch schon die Fotoausstellung "Fragende Blicke" im Jahr 2018 wurde die Präsentation von Studierenden der Ethnologie gastkuratiert.

Abya Yala, in der Sprache der Guna im heutigen Panama, heißt das "Land in voller Blüte". Und gemeint ist damit nichts anderes als der große Doppel-Kontinent, den wir seit den Entdeckungsfahrten von Christoph Kolumbus als "Amerika" kennen. Ein Begriff, den indigene Denker und Aktivisten zunehmend als eurozentristisch ablehnen. Womit sich in der alternativen Bezeichnung "südliches Abya Yala" für Lateinamerika auch das Ringen um Selbstbestimmung und Menschenrechte der indigenen Gemeinschaften vor Ort ausdrückt.

Geprägt vom Spannungsfeld zwischen Invasion und Tradition ist auch die im Museum Fünf Kontinente ausgestellte Kleidung, die unter anderem von den Kayapó aus Brasilien, den Shipibo aus Peru oder den in Chile und Argentinien ansässigen Mapuche stammt. Dazu gehören Maskengewänder, farbenprächtiger Körperschmuck oder präkolumbische Webarbeiten, die in die Zeit vor der europäischen Invasion zurückweisen. Wie die Verbindung einheimischer und kolonial-europäischer Moden zu neunen Kreationen geführt hat, zeigen Beispiele aus den Anden Boliviens und Perus. In den Formen und Motiven von Textilien der Shipibo aus Peru spiegeln sich deren religiöse Vorstellungswelten wider. Der Schmuck und die Kleidung der Mapuche dokumentieren die lange Geschichte ihres kulturellen Widerstands, von der inkaischen Expansion über die Kolonialzeit bis heute. Somit erzählen die Exponate vom heutigen oder einstigen Stolz ihrer Träger, aber auch von den großen Herausforderungen, vor denen diese heute stehen.

Vernetzt. Verstrickt. Verwoben. Anziehendes aus dem südlichen Abya Yala, ab Fr., 31. Juli, Di. bis So., 9.30-17.30 Uhr, Museum Fünf Kontinente, Maximilianstraße 42, Telefon 210136247

© SZ vom 29.07.2020

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