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Ausschreibung:Deutsches Theater im Sonderangebot

Die Stadt möchte das Deutsche Theater verkaufen. Der mit der Suche nach Investoren beauftragte Bürgermeister Hep Monatzeder wird dem Stadtrat im Dezember vorschlagen, die renovierungsbedürftigen Theatergebäude öffentlich zum Verkauf auszuschreiben. Diese städtische Ausschreibung soll Käufer verpflichten, die Musicalbühne zu erhalten.

"Die Ausschreibung soll unsere Verhandlungen mit Investoren vorantreiben", bestätigte der grüne Bürgermeister Informationen der SZ. Derzeit verhandelt Monatzeder, Aufsichtsratschef des Deutschen Theaters und Leiter einer mit der Zukunft der Bühne betrauten Arbeitsgruppe der Stadtverwaltung, mit fünf Investorengruppen über einen Verkauf des städtischen Gebäudeensembles an der Schwanthalerstraße: "Das sind alles seriöse Leute."

Vier der Interessenten wollen das Theater in seinem jetzigen Haus erhalten, ein fünfter, die Bahn-Tochter Vivico, eine neue Bühne auf dem Gelände des ehemaligen Heizkraftwerks an der Donnersberger Brücke bauen. Unklar ist allerdings noch, zu welchen Konditionen die Stadt die Bauten an der Schwanthalerstraße anbieten - und dafür auch Käufer finden kann.

Details soll Kommunalreferentin Gabriele Friderich ausarbeiten, deren Referat OB Christian Ude die Federführung über das Projekt Deutsches Theater übertragen hat - eine nicht ganz einfache Aufgabe, wie die Grüne Friderich ahnt: "Es wird schwierig, die Immobilie einem Käufer schmackhaft zu machen."

Die Stadt wird nämlich einem Käufer zur Auflage machen wird, das Bühnengebäude für das Deutschen Theater bespielbar zu erhalten. Sie wird aber wohl nicht verlangen, den Theaterbau einer teuren Grundsanierung zu unterziehen, wie sie das Baureferat bisher für nötig befand. Noch nicht ausgemacht ist, wie sich die Stadt an der Renovierung beteiligt oder welche anderen Angebote sie macht, damit der Erhalt des Theaters sich für einen privaten Entwickler lohnt.

Jetzt sollen die städtischen Bauingenieure ausrechnen, ob die Gebäude nicht billiger zu sanieren sind, nachdem Intendant Heiko Plapperer-Lüthgart seine Ansprüche an den Bau deutlich zurückgeschraubt hat. Statt einer "Luxussanierung", so Monatzeder, sollen sie nur noch Reparaturarbeiten auflisten, "die wirklich unaufschiebbar sind". Davon, die Kosten für die Sanierung deutlich zu drücken, hänge letztlich ab, ob die Häuser verkäuflich sind, glaubt auch Referentin Friderich: "Wir müssen sehen, ob wir die Sanierungsstandards senken können."

Ursprünglich hatten die Experten die Kosten für eine Sanierung der maroden Gebäude auf fast 140 Millionen Euro veranschlagt - eine Summe, die OB Ude angesichts leerer Stadtkassen veranlasste, die Schließung des Deutschen Theaters anzukündigen. Der Stadtrat gewährten der Musicalbühne jedoch einen Aufschub und will erst im Dezember über deren Zukunft entscheiden.

Die Bürgerinitiative "Rettet das Deutsche Theater" hat inzwischen genügend Unterschriften gesammelt, um einen Bürgerentscheid zu erzwingen. Rund 40000 Bürger haben nach Angaben der Initiative das Begehren zum Erhalt des Theaters unterschrieben - deutlich mehr, als nötig sind, um eine stadtweite Abstimmung anzusetzen.

Allerdings wollen die Initiatoren der Stadt die Kosten für einen Bürgerentscheid "möglichst ersparen", erklärte Mit-Bürgerbegehrer Winfried Zehetmeier der SZ: "Das Geld stecken wir lieber ins Deutsche Theater." Der frühere CSU-Bürgermeister und seine Mitstreiter setzen lieber darauf, gemeinsam mit Ude nach Rettungswegen für das Theater zu suchen. Einem Verkauf stehe die Initiative "nicht negativ" gegenüber, sagt Zehetmeier. Allerdings dürfe die Stadt dabei "nicht auf kaltem Weg das Ende des Theaters herbeiführen" wollen.

Die im Frühsommer gegründeten "Freunde des Deutschen Theaters" stehen dagegen noch am Anfang ihrer Bemühungen, Geld für die Bühne zu sammeln. Der Verein, dem auch Münchner Wirtschaftsgrößen angehören, kämpft derzeit noch um eine behördliche Bescheinigung, die ihn für gemeinnützig erklärt.

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