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Tipps:Sieben Ausflüge zum Bier

Eine Exkursion zu unterirdischen Lagerstätten, per Dampfer zur Brauereiführung oder eine Biergartentour durch den Englischen Garten: an diesen Orten in und um München lässt sich der Biergenuss noch steigern.

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Loch auf Fußgängerweg

Quelle: dpa

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Wenn heute vom Gasteig die Rede ist, denken die meisten automatisch an die Philharmonie. Früher war der Gasteig einfach der Hügel am östlichen Isarufer, unter dem sich eine Vielzahl von Bierkellern verbarg - obendrauf waren Biergärten. Der Name Gasteig leitet sich von "gacher Steig" ab, was steiler Anstieg bedeutet.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es dort mehr als 60 unterirdische Lagerstätten, an die etwa die Kellerstraße noch erinnert. Heute noch als Gaststätte erhalten ist etwa der Hofbräukeller, zu dem einer der schönsten Biergärten der Stadt gehört. Hier, am Wiener Platz, startet auch eine ungewöhnliche Führung, die diesem Kapitel der Münchner Biergeschichte auf die Spur geht. "Münchens vergessene Keller - die Kellerstadt im Münchner Osten" heißt die Führung, die von der Münchner Bierbeschau angeboten wird. Astrid Assél, die die Tour führt, ist eine ausgesprochene Kennerin. Zusammen mit ihrem Mann Christian Huber hat sie das Buch "München und das Bier" geschrieben.

Dass sich noch so manch vergessener Hohlraum unter der Erde befindet, zeigte eine Begebenheit vor zwei Jahren, als in der Inneren Wiener Straße plötzlich der Boden einbrach und ein sechs Meter tiefes Loch um ein Haar einen Passanten verschluckt hätte. Es war der frühere Belüftungsschacht eines alten Bierkellers.

Gefährlich ist die Führung, die etwa drei Stunden dauert, aber nicht, versichern die Veranstalter. Dafür umso informativer. Bei der Tour erfährt man so einiges über frühere Brauereien und die Geschichte Haidhausens. Zwischendurch wird natürlich einmal auf eine Halbe eingekehrt (im Preis inbegriffen) - und am Ende der Tour gibt es eine kleine Brotzeit und ein Abschluss-Bier. Die Teilnahme kostet 44 Euro pro Person, Informationen unter biertour-muenchen.net.

Andreas Schubert

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Quelle: Marco Einfeldt

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Wer auf dem Pfad der bayerischen Biergeschichte wandelt, der kommt um Freising nicht herum. Gut zwei Dutzend Brauereien hat es hier einst gegeben, übrig geblieben sind nur zwei: die Staatsbrauerei Weihenstephan und das gräfliche Hofbrauhaus, das heute dem Graf zu Toerring-Jettenbach gehört. Erstere gilt als älteste Brauerei der Welt.

Wer einen kleinen Anmarsch nicht scheut, der kann mit der Bahn nach Freising fahren. Über den Weihenstephaner Berg dauert es zu Fuß etwa 25 Minuten bis zur Brauerei. Dort werden zwei Führungen angeboten: eine mit und eine ohne Bierprobe Die günstigeren Variante zu acht Euro dauert 66 Minuten. 120 Minuten muss derjenige einkalkulieren, der auch Bier verkosten will. Im Preis von elf Euro sind ein Weißbierglas und eine Breze enthalten. Die Führungen finden von Montag bis Donnerstag statt, eine Anmeldung ist telefonisch (0 81 61/53 60) oder online möglich.

Wer vergleichen will: Seit 1160 besteht das Hofbrauhaus, das bis 1803 den Fürstbischöfen gehörte. Auf dem Domberg befand sich die Brauerei bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach Plänen des Weihenstephaner Professors Theodor Ganzenmüller entstand an der Mainburger Straße von 1911 bis 1912 eine moderne Brauerei, deren Bau vom Jugendstil geprägt war. In der Fernsehserie "Dahoam is dahoam" ist sie Sitz des Sternbräus. Gruppenführungen mit bis zu 15 Teilnehmern finden dort Montag bis Donnerstag statt. Die Teilnahme kostet acht Euro und beinhaltet eine kleine Verkostung. Eine Voranmeldung (0 81 61/60 10) ist nötig.

Peter Becker

Jubder- und Familientag des Klosters Andechs

Quelle: Sta Franz Xaver Fuchs

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Es gibt viele Möglichkeiten, einen Ausflug ins Fünfseenland mit dem Genuss von Bier zu verbinden. Der Klassiker, mit der S-Bahn nach Herrsching zu fahren und dann auf den Heiligen Berg ins Kloster Andechs zu pilgern, dürfte hinreichend bekannt sein. Dort werden auch einstündige Brauereiführungen angeboten, allerdings nur montags bis donnerstags.

Doch darüber hinaus gibt es noch andere reizvolle Biertouren in dieser Gegend. Zum Beispiel lohnt es sich, vom Herrschinger Bahnhof auf der Seepromenade in Richtung Wartaweil zu spazieren und dann in Richtung Mühlfeld abzubiegen. Dort befindet sich das Mühlfelder Brauhaus, das selbst gebrautes Bier anbietet. Dort kann man nicht nur einen Blick auf die Sudkessel werfen, sondern sich auch in einem gemütlichen Biergarten mit Spielmöglichkeiten für Kinder niederlassen.

Vom südlicheren Ammersee aus begibt man sich anschließend mit dem Dampfer auf Schiffstour Richtung Stegen und auf wahrlich bierhistorische Pfade. Denn hier steht die Alte Brauerei, die sich zu einem Zentrum für Kunst, Kultur und Kunsthandwerk gemausert hat, aber auch den Ausschank selbst gebrauter Biere pflegt. Das "Ammerseer Brauhaus", wie dieser Teil der Gemäuers heißt, hat Braumeister Rudolf Fottner 2011 gegründet und damit die Geschichte einer recht erfolgreichen Braustätte wiederbelebt.

Begonnen hatte diese allerdings eher mit einem Misserfolg. Im 19. Jahrhundert war Otto Schreyegg beim Grafen Toerring als Braumeister beschäftigt gewesen und hatte es irgendwann mit dem Reinheitsgebot nicht ganz so genau genommen. Als der Graf Schreyegg auf die Schliche kam, setzte er ihn hochkant vor die Tür.

Der entschloss sich, sich eine eigene Brauerei nebst Mälzerei zu bauen. Bis zur Inflation 1923 ging das gut, doch dann musste verpachtet werden. Gegen das Reinheitsgebot wurde hier übrigens nicht verstoßen, und auch heute wahrt Fottner es mit seinen Bieren sehr sorgsam.

Astrid Becker

Kloster Reutberg Kirchsee

Quelle: Manfred Neubauer

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Der Biergarten des Klosterbräustüberls Reutberg in der Gemeinde Sachsenkam ist einer der schönsten im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Direkt neben der Klosterkirche gelegen bietet er einen Blick auf die Berge des Isarwinkels und des Karwendelgebirges. In Gaststube und Garten werden die Biere der Klosterbrauerei Reutberg ausgeschenkt.

Seit 1677 gibt es die Brauerei, die ursprünglich von den Franziskanerinnen selbst betrieben wurde. 1924 übernahm eine Genossenschaft die Tradition des Bierbrauens. Gegründet wurde sie von Bauern aus der Umgebung unter Leitung von Pfarrer Alois Daisenberger, um sich gegen die Vorherrschaft und Preistreiberei der Großbrauereien zu wehren. Heute werden auf dem Reutberg nach alten Rezepturen zehn Biersorten gebraut.

Führungen durch den Betrieb für Gruppen ab zehn Personen gibt es von Anfang Oktober bis Ende April (Termin nach Vereinbarung). Wer nicht nur im Biergarten sitzen möchte und sich die barocke Klosterkirche bereits angeschaut hat, kann sich auf den "Sachsenkamer Rundweg" machen. Er führt auf einer Strecke von zehn Kilometern einmal ums Dorf. Ob mit dem Fahrrad oder zu Fuß, man kann überall und in jede Richtung in die Runde einsteigen.

Auch ein Abstecher an den Kirchsee ist möglich. Das Südufer ist vom Kloster aus in 15 Minuten durch das Naturschutzgebiet Ellbach-Kirchseemoor zu erreichen. Der See und das Moor sind Überbleibsel der Würmeiszeit vor 20 000 Jahren. Aufgrund des strengen Naturschutzes im gesamten Gebiet stehen für Badegäste nur kleine Bereiche am Süd- und Nordufer zur Verfügung.

Alexandra Vecchiato

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Quelle: Toni Heigl

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Im Dachauer Land, versteckt hinter grünen Hügeln und fernab lärmender Autos, liegt der Biergarten der Schlosswirtschaft Mariabrunn. Und wer war nicht schon alles hier? Im Jahr 1862 erwarb die "Doktorbäuerin" Amalie Hohenester das Anwesen und kurierte Patienten aus ganz Europa durch die Kraft der Quelle vom Mariabrunn, darunter auch Kaiserin Sisi von Österreich. Selbst der deutsche Lyriker Rainer Maria Rilke hat im Schatten der mächtigen Linden und Kastanien schon gerastet.

Wohl auch deshalb, vor allem aber wegen seiner einzigartigen Schönheit ist der Biergarten Mariabrunn längst kein Geheimtipp mehr. Auch viele Münchner wissen die Vorzüge dieses idyllischen Fleckchens zu schätzen. Ganz zu schweigen von den Pilgern, die aus allen Ecken Bayerns zur Wallfahrt kommen und dabei in die Schlosswirtschaft oder im Garten einkehren.

Picknickkörbe sind an den Holztischen noch erlaubt. Für den Durst gibt es das Mariabrunner Dunkle nach altem Schlossbrauerei-Rezept und das Helle von Fischer's Stiftungsbräu. Die Kleinsten können sich auf dem Waldspielplatz austoben. Das Gut ist an drei Seiten von Wald umgeben, liegt 26 Kilometer nördlich von München und zehn Kilometer von Dachau entfernt.

Benjamin Emonts

Kloster Fürstenfeld

Quelle: Günther Reger

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Die heutige Kreisstadt Fürstenfeldbruck spielte schon im Mittelalter eine wichtige Rolle wegen ihrer günstigen Lage etwa auf halber Strecke zwischen München und Augsburg. Und das nahe Kloster Fürstenfeld, gegründet 1263, trug sicher zusätzlich dazu bei, Fürstenfeldbruck als Markt mehr Bedeutung zu verleihen. Die Mönche hatten bald ihre eigene Brauerei, für die Einwohner Brucks entstanden in den folgenden Jahrhunderten entlang der Hauptstraße mehrere Produktionsstätten dieses Grundnahrungsmittels.

Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert war die Herstellung des Bieres Brucks wichtigster Gewerbezweig, zeitweise gab es neun Brauereien. Heute gibt es im ganzen Landkreis nur noch zwei: den Marthabräu in Fürstenfeldbruck, inzwischen Hauptsitz der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg, und die Brauerei Maisach.

Keine von ihnen bietet standardmäßig Betriebsführungen an. Doch wer etwas über die Braukunst in Bruck erfahren möchte, hat dazu am 1. Mai oder 1. Oktober die Möglichkeit. Informationen unter www.fuerstenfeldbruck.de.

Ariane Lindenbach

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Quelle: Stephan Rumpf

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Münchens Stadtpark ist zwar nicht einmal halb so alt wie das Reinheitsgebot. Weil der Englische Garten aber den Garten schon im Namen trägt, lohnt sich seine Erkundung unter dem Gesichtspunkt des Biergartelns durchaus. Schließlich hat der Kurfürst Karl Theodor den Landschaftspark 1792 zum Zwecke der Volkserholung ins Leben gerufen, und wo erholt sich der Münchner lieber als im Biergarten?

Den Rundgang könnte man an der Königinstraße beginnen. Dort steht das Milchhäusl, ein Bio-Imbiss mit Bio-Biergarten, ein paar Tische nur, und Hofbräubier - klein, aber fein und auch für Latte-macchiato-Mütter geeignet. Das große Pendant dazu ist der Biergarten am Chinesischen Turm, der in München kurz und knapp auch "C-Turm" genannt wird und mit 7000 Plätzen der zweitgrößte Biergarten Münchens ist und ebenfalls Hofbräu ausschenkt.

Weiter über die Busstraße kommt man zum Seehaus am Nordende des Kleinhesseloher Sees (Paulaner-Bier, 2500 Plätze, eher schick). Von dort aus führt auch eine kleine Brücke über den Isarring und weiter zum Biergarten Hirschau (Löwenbräu, 1800 Plätze, familiengeeignet). Weiter Richtung Norden trifft man auf das Minihofbräuhaus (150 Plätze) an der Gyslingstraße, das in ganz München als hundefreundlichster Biergarten bekannt ist. Ganz Tapfere schaffen jetzt noch den langen Weg zum Aumeister (Hofbräu-Bier, 3000 Plätze).

Dort angekommen, hat man voraussichtlich wieder Durst. Der Profi macht die Tour sowieso in umgekehrter Reihenfolge, weil man mit jedem Bier kürzer werdende Abstände zwischen den einzelnen Stationen zu schätzen weiß.

Franz Kotteder

© SZ/axi

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