Ausbau der S-Bahn in München:Der zweite Tunnel ist das Problem

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S-Bahn München

Warten auf die S-Bahn: Kaum etwas vom "13-Punkte-Sofortprogramm" von Mai 2012 hat die Politik bisher umgesetzt.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Fahrgastvertreter Barth und seine Kollegen halten den Politikern vor, dass der jahrelange Streit um den geplanten zweiten S-Bahn-Tunnel sämtliche Entscheidungen lähmt. "Die Fahrgäste werden da auf eine harte Geduldsprobe gestellt", kritisiert auch Wolfram Liebscher vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). In der Tat geht selbst Fachleuten, die tief in der Materie stecken, der Dauerzwist um die zweite Röhre gehörig auf die Nerven.

So warten alle Beteiligten sehnlichst auf die noch ausstehenden Baugenehmigungen, die "Planfeststellungsbeschlüsse", für den Tunnel. Bisher liegt aber nur der Bescheid für einen der drei Hauptbauabschnitte vor. Wann die Beschlüsse für die anderen beiden Abschnitte kommen, ist offen. Immer wieder kommt es zu Verzögerungen. Hinter den Kulissen schieben sich die Planer der Bahn und die Juristen des Eisenbahnbundesamts gegenseitig die Schuld dafür zu. Selbst Minister Herrmann zeigt sich ratlos: "Wir sitzen da zwischen den Stühlen."

So manchem reißt da mittlerweile der Geduldsfaden. Ein "Organversagen" attestiert etwa der SPD-Verkehrsexperte Bernhard Roos allen Beteiligten. Und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) drohte unlängst damit, die bereits von der Stadt zugesagte Finanzspritze von 113 Millionen Euro für den zweiten Tunnel zurückzuziehen und in andere Projekte (etwa die U-Bahn-Verlängerung nach Pasing) umzuleiten, sollte der Freistaat nicht bald den zweiten Tunnel auf den Weg bringen. Reiter nannte dabei auch ein Ultimatum: Noch in der ersten Jahreshälfte 2015 soll Herrmann sagen, was nun Sache ist.

Der Verkehrsminister bleibt bei seiner Linie

Der allerdings wird sich damit schwer tun. Denn bislang bleibt Herrmann bei seiner Linie, eine genaue Kostenschätzung und einen belastbaren Finanzplan erst dann abzugeben, wenn sämtliche Planfeststellungsbeschlüsse vorliegen. Und dass die Juristen des Eisenbahnbundesamts bis Sommer 2015 alles abgearbeitet haben, darf nach den bisherigen Erfahrungen bezweifelt werden. Es könnte also im Sommer erneut einen Showdown zwischen Staatsregierung und Stadtspitze geben.

Herrmann versichert indes, die Maßnahmen aus dem 13-Punkte-Programm "konsequent" und "Schritt für Schritt" abarbeiten zu wollen. Für den zusätzlichen Bahnsteig in Markt Schwaben zum Beispiel will die Bahn laut Herrmann nächstes Jahr den Antrag auf Planfeststellung einreichen. Zumindest "ab 2015" erwartet Herrmann den Planfeststellungsbeschluss für die S 7 nach Geretsried. Und beim 55 Millionen Euro teuren Großumbau des S-Bahn-Werks in Steinhausen seien seine Leute in "Finanzierungsgesprächen" mit der Bahn, so Herrmann. Eine Realisierung sei "noch in diesem Jahrzehnt" möglich.

Bei der Sendlinger Spange aber, die seit mehr als 20 Jahren diskutiert wird und mit zehn Millionen Euro relativ günstig zu haben wäre, hätten sich "die Planungs- und Genehmigungsprozesse als deutlich umfangreicher und damit zeitintensiver herausgestellt" als bislang angenommen, heißt es aus dem Ministerium. Ein "belastbarer Zeitplan" könne daher nicht genannt werden. Das klingt nach einer weiteren Geduldsprobe für die Fahrgäste.

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