Aus für Unionsbräu in Haidhausen Wiesnwirt ohne Wirtschaft

Ludwig Hagn wird das Wirtshaus Unionsbräu noch in diesem Jahr schließen - obwohl er als Wiesnwirt doch eigentlich ganz gut verdienen dürfte. Seinen 45 Mitarbeitern hat er bereits gekündigt.

Von Michael Tibudd

Ein Wiesnwirt, der rote Zahlen schreibt? Irgendwie passt das nicht recht zusammen. "Ich habe hier jahrelang Verluste gemacht, und das ist doch nicht Sinn der Sache", sagt Ludwig Hagn. Er spricht von seiner Wirtschaft, dem Unionsbräu in Haidhausen, das er seit den frühen neunziger Jahren betreibt. Die Geschäfte laufen offenbar schon länger nicht mehr so, wie Hagn sich das vorstellt, "ich hab' die Verluste mit den Einnahmen von der Wiesn ausgeglichen", sagt er. "Das geht aber in der jetzigen Form nicht weiter."

"Verluste mit den Einnahmen von der Wiesn ausgeglichen": Ludwig Hagn schließt das Lokal Unionsbräu.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Das bedeutet: Hagn wird das Wirtshaus nahe dem Max-Weber-Platz noch in diesem Jahr zusperren. Seinen 45 Mitarbeitern hat er bereits gekündigt.

Offenbar ist das Unionsbräu-Gebäude für das bestehende Konzept einfach ein paar Nummern zu groß. "Das Restaurant läuft gut", sagt Hagn. Die Nebenräume im 1. Stock sowie im Kellergewölbe aber voll zu bekommen, sei oft genug nicht gelungen. Wer denn nun nicht mehr wollte, die Brauerei oder der Wirt, darüber gehen die Darstellungen auseinander. Hagn sagt, Löwenbräu habe darauf gedrängt, dass die Gaststätte wirtschaftlich betrieben werde; die Brauerei betont, den Vertrag nicht ihrerseits gekündigt zu haben - "die Familie Hagn hat sich entschieden, das Objekt nicht weiterführen zu wollen".

Wobei Löwenbräu und die Wirtefamilie Hagn nicht die einzigen beteiligten Parteien sind. Eigentümerin des Gebäudes ist die Stadt München, die den Komplex an Löwenbräu verpachtet hat. Dieser Pachtvertrag ist Ende 2011 ausgelaufen und wurde vorerst um ein Jahr verlängert. Aus dem Kommunalreferat heißt es, das Gebäude sei sanierungsbedürftig. Längerfristig werde man es wieder vermieten, wenn es ein entsprechendes gastronomisches Konzept gebe. Das wollte Hagn gemeinsam mit seiner Tochter Stephanie, mit der er den Familienbetrieb führt, offenbar fürs Unionsbräu nicht mehr vorlegen. Zusammen bewirten die beiden auch das Löwenbräu-Festzelt auf der Wiesn.

Das Aus für das Unionsbräu hat darauf keine Auswirkungen; ein Wiesnwirt muss nicht auch gleichzeitig eine Gaststätte betreiben, teilt das zuständige Wirtschaftsreferat mit. Der Wirt müsse lediglich nachweisen, "dass er sein Handwerk versteht". Ungeachtet dessen gefällt Ludwig Hagn der Gedanke nicht, Wiesnwirt ohne Gastwirtschaft zu sein: "Auf Dauer ist das nicht gut." Er hält deswegen Ausschau nach Alternativen, "aber im Moment ist nix G'scheits am Markt". Selbst möchte er offenbar in Zukunft kürzer treten. "Man könnte mit 73 auch mal sagen, jetzt reicht's." Mit seiner Tochter sei er auf der Wiesn wie im Wirtshaus ein enges Gespann, die beiden führten den Familienbetrieb gemeinsam.

Im November wollen die Hagns die bisherige Wirtschaft schließen, für die Zeit danach müssen sich die Stadt und Löwenbräu einigen - oder ein anderer Pächter kommt zum Zug. Die Verhandlungen darüber stehen aber noch aus. "Es wäre sehr schön, wenn Löwenbräu die Gaststätte weiter betreiben würde", sagt ein Sprecher des Kommunalreferats.