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Urteil:Bewährungsstrafe für Ex-Chef des Sozialkonzerns Augustinum

Der Angeklagte sei nicht die treibende Kraft hinter den dubiosen Immobiliengeschäften gewesen, sagt ein Gerichtssprecher. Die Seniorenheime wurden dabei um Millionen geprellt.

Es soll alles andere als christlich gewesen sein, was sich vor Jahren beim Münchner Sozialkonzern Augustinum abgespielt hat, der zum Diakonischen Werk der evangelischen Kirche gehört. Merkwürdige Immobiliengeschäfte mit Seniorenheimen in Höhe von fast einer dreiviertel Milliarde Euro; ein später verstorbener Aufsichtsratschef, der offenbar ein Schattenreich errichtet und in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte; dazu Spesen-Exzesse in einem Luxus-Restaurant. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelte und fand unterm Bett eines mehrerer Delikte verdächtigten Augustinum-Chefs auch noch eine Pistole. Eine dicke Anklage war die Folge.

Jetzt hat der große Fall ein kleines Ende gefunden. Das Landgericht München I verurteilte am Freitag den ehemaligen Augustinum-Geschäftsführer wegen Untreue und unerlaubten Waffenbesitzes zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung. Der Ex-Chef des gemeinnützigen Sozialkonzerns, der vor Jahren monatelang in Untersuchungshaft gesessen hatte, muss also nicht zurück ins Gefängnis. Das Landgericht hielt ihm zu Gute, dass er geständig sei, Verantwortung übernommen und sich außerdem nicht selbst bereichert habe, sagte ein Gerichtssprecher. Der Angeklagte sei nicht die treibende Kraft hinter den dubiosen Immobiliengeschäften gewesen.

Für das Augustinum, das neben bundesweit 23 Seniorenheimen auch noch Schulen und Internate, eine Klinik, Sanatorien und heilpädagogische Einrichtungen betreibt, ist der Fall aber noch nicht zu Ende. Seit gut zwei Jahren betreibt die gemeinnützige Unternehmensgruppe eine Schadenersatzklage über 86 Millionen Euro. Um diesen Betrag soll das Augustinum beim Verkauf und Zurückmieten von 14 Immobilien, die als Seniorenheime dienen, geprellt worden sein. Die Klage richtet sich gegen den Ex-Chef sowie drei Geschäftsleute, die an dem Immobilienhandel beteiligt waren.

Die drei Geschäftsleute waren auch angeklagt worden, kamen aber gegen Geldauflagen aus dem Verfahren heraus und mussten erst gar nicht vor Gericht erscheinen. Neben der Schadenersatzklage laufen Prozesse, mit denen das Augustinum die Rückgabe von elf Immobilien erreichen will. Auf die Bewohner der betreffenden Seniorheime hat das alles laut Augustinum keine Auswirkungen.

© SZ vom 06.02.2021/van
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