Maxvorstadt Münchens heimlicher Hotspot

(Kulinarische) Vielfalt in der Augustenstrasse: Schon ewig hier: Taverna Lakis.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Augustenstraße ist nicht so hochnäsig wie die Brienner Straße, die sie kreuzt, und nicht so verranzt wie die Dachauer, von der sie abzweigt.

Von Stephan Handel

Wenn die Taufpatin gut ausschaut, muss das Kind ja nicht mehr so schön sein - und Auguste Amalia Ludovika von Bayern, Tochter des Königs Maximilian I. Joseph, war eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. Die Straße, der sie ihren Namen gab, ist hingegen - naja. Es soll ja auch Leute geben, die die Sonnenstraße schön finden. Obwohl also weder architektonisch noch städtebaulich von besonderem Reiz, ist die Augustenstraße so etwas wie Münchens heimlichster Hotspot, nicht so hochnäsig wie die Brienner Straße, die sie kreuzt, nicht so verranzt wie die Dachauer, von der sie abzweigt.

Wer die knapp eineinhalb Kilometer abläuft, von der Hausnummer 1 bis zur 123, hinten am Josephsplatz, der durchschreitet mehrere Welten - von den Wettbüros und Wechselstuben, die dem Bahnhofsviertel stets einen leicht zwielichtigen Anstrich verleihen, an der Augustenstraße aber interessanterweise aufhören, als würde ihnen ein unsichtbarer Wächter den Einlass verwehren, über ein vielschichtiges, buntes, Durch- und Nebeneinander von Essen, Trinken, alten Geschäften und neuen, Schnickschnack und Kostbarkeiten, bis zur stolzen Josephskirche, die unmissverständlich anzeigt, dass jetzt Schwabing beginnt, das bürgerliche, wohlhabende, edel herausgeputzte Schwabing.

Dazwischen also läuft die Augustenstraße, selber ein Zwischendrin, von dem selbst Christian Krimpmann, der Vorsitzende des Bezirksausschusses Maxvorstadt, sagt: "Ästhetisch ließe sich bestimmt noch was machen." Andererseits sagt Krimpmann aber auch, dass das ja gerade den Charme der Straße ausmacht, etwas Gewachsenes, Individuelles - ob es schöner werden würde, wenn sich Architekten, Stadtplaner hermachen würden über die Augustenstraße, da ist sich Krimpmann nicht so sicher. Deshalb: "Bewahren, wie es ist."

Wie ist es? Ziemlich am Anfang liegt ein chinesisches Restaurant, das auf den Aushängen offensichtlich gezwungen war, den Slogan der beliefernden Brauerei zu verwenden, so dass es wahrscheinlich das einzige chinesische Restaurant weltweit ist, das sich selbst als "Bärig, bierig" bezeichnet. Weiter hinten gibt's mehr Friseurläden als Haare auf dem Kopf, die für Männer sehen aus wie Autowerkstätten, die für Frauen wie Designerküchen. Vor allem aber ist die Augusten- eine Gastro-straße: Das KVR zählt 33 gastronomische Betriebe, nimmt man die Backshops mit Kaffee-Ausschank, die Supermarkttheken und die Metzgereiimbisse dazu, dann sind's mehr als 50, auf knapp 1,5 Kilometern.

1,4 Kilometer

ist die Augustenstraße lang, sie führt von der Dachauer Straße bis zum Josephsplatz. Nach Angaben des Kreisverwaltungsreferats gibt es dort 33 gastronomische Betriebe. Zählt man allerdings auch Backshops und ähnliche Firmen mit, so sind es mehr als 50 Orte, an denen Kunden Essen und Trinken kaufen können.

Ein bisschen schick ist hier und dort schon mittlerweile, und wenn das "Bowls & Blenders" mit Superfood wirbt, während weniger Meter weiter vorne "Ask for Anna" Health Food auf der Speisekarte hat, dann kommt bestimmt bald ein Jungunternehmer und bietet Super Health Food an, dann können die anderen schauen, wo sie bleiben. Es gibt aber auch italienische Lokale, an denen der Zahn der Zeit deutlich herumgekaut hat wie das Kind am Pizzarand, es gibt das Eiscafé Italia, Holzstühle auf gefliestem Boden, in dem sich Sportredakteure und Literaturdozenten zum Frühstückskaffee treffen. In den Asia-Imbissen befüllen morgens um 10 kleine Frauen Schüsseln mit geschnippeltem Gemüse und Bambussprossen, während ein Saftladen zum Saftfasten auffordert, was bestimmt eklig ist, aber wenigstens vegan.

Die Augustenstraße hat wenig Berühmtes, abgesehen vielleicht von der Hausnummer 21, wo der Dichter Eugen Roth geboren wurde - und abgesehen vom Cafe Jasmin natürlich. Das hat Irmin Bunjes in den 50-er Jahren aufgemacht, und als Alex Vulic es 2005 übernahm, hat er fast alles so gelassen, wie's war, die Plüschsessel, die Resopaltische, die Kronleuchter. Gerade deswegen wahrscheinlich steht das "Jasmin" in einem Marco Polo-Reiseführer, so dass auch mal Touristen vorbeikommen. Insgesamt aber findet Vulic seine Straße entspannt und gerade deshalb schön, weil sie nicht so schick ist. Er sagt, dass ringsrum viele Alteingesessene wohnen, aber auch viele Studenten: "Die leben hier, die passen auf auf ihr Viertel."

Vielleicht auch deshalb hat der Bezirksausschuss-Vorsitzende Christian Krimpmann wenig Sorgen mit der Augustenstraße: "Die Gastronomie ist ja eher ruhig, viele Speiselokale, nicht so szenig wie in der Schelling- oder der Türkenstraße." Kein Problem mit der Nachtruhe also. Manchmal diskutieren sie im Bezirksausschuss, ob man nicht doch was machen könnte, breitere Fahrradwege, mehr Grün - aber irgendwie geht's dann immer nicht, weil die Straße nur so breit ist, wie sie ist, und Autos, Radls, Fußgänger und Freischankflächen gleichermaßen zu ihrem Recht kommen sollen. So wird die Augustenstraße bleiben, wie sie ist - München heimlichster Hotspot.

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