Auftritt in München Kevin Spacey über Trump: "Glaubt dessen Bullshit nicht"

Kevin Spacey glaubt nicht, dass Donald Trump es zum US-Präsidenten schafft.

(Foto: Stefan Hobmaier/oh)

Der Oscar-Preisträger und "House of Cards"-Darsteller gibt in München deutschen Firmengründern Ratschläge - und äußert sich explizit zum Kampf um die US-Präsidentschaft.

Von Katharina Kutsche

Kevin Spacey legt Hand an. Gerade hat er seine Eröffnungsrede auf der Gründerkonferenz Bits & Pretzels beendet und auf dem Bühnensofa zum Kurz-Interview Platz genommen, als ihm auffällt, dass das Podium für einen Teil des Publikums die Sicht auf ihn verdeckt. Also springt er wieder auf, entschuldigt sich und rückt das Stehpult ein paar Meter zurück. "Gib den Zuschauern, was sie wollen und wann sie es wollen", sagte Spacey wenige Minuten zuvor über das Konzept seines Haussenders Netflix. Nun gibt er selbst den Leuten, was sie wollen: Kevin Spacey.

Der Hollywood-Schauspieler, Oscar-Gewinner und Stargast sitzt auf der Bühne der Münchner Messe vor mehreren Tausend Start-up-Gründern und Jung-Unternehmern, die gekommen sind, um drei Tage lang zu netzwerken, Ideen vorzustellen und sich von Stars wie Richard Branson oder eben Spacey inspirieren zu lassen. Der hat gerade eine halbe Stunde über die Kunst des Geschichtenerzählens gesprochen, über seine Karriere und seinen Mentor, den Schauspieler Jack Lemmon.

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Und da Spacey zurzeit vor allem für eine Rolle berühmt ist, die des skrupellosen und machthungrigen US-Präsidenten Francis J. Underwood in der Netflix-Serie "House of Cards", fragt ihn der Moderator, ob Donald Trump das Rennen um das Weiße Haus gewinnen wird. "Nein", sagt Spacey kurz. Was Europa beitragen könne, um Trumps Gewinn zu verhindern? "Kümmert euch umeinander, liebt einander und glaubt dessen Bullshit nicht."

Überhaupt, ohne Erwähnung der US-Serie geht es offenbar nicht. Schon bevor Spacey die Bühne betritt, wird er als Präsidenten-Darsteller von der bayerischen Staatsministerin Ilse Aigner, Schirmherrin der Veranstaltung, besonders willkommen geheißen, schließlich gehöre sich das ja für Staatsgäste so. Auch Spacey selbst eröffnet seine Rede als Underwood, erklärt dem Publikum, dass er sich freue, sprechen zu dürfen, um sich dann, wie in der Serie, seitlich zu einem Kameramann zu drehen, der die Rede aufzeichnen darf, und zu seinem imaginären Zuschauer zu sagen: "Ich habe null Interesse daran, hier zu sein. In meinem Hotel warten eine Flasche Bourbon und ein heißes Bad auf mich."

Spacey zeigte sich dann, wie schon im Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, begeistert über die technischen Möglichkeiten, die sich Filmemachern durch Augmented und Virtual Reality bieten. Er beschreibt, wie sehr diese Technologien die Ausbildung von Schülern verändern könnten, wenn man diese auf den Grund des Ozeans versetzt und unmittelbar erleben lässt, wie es dort aussieht. "Wir stehen am Beginn einer neuen Ära der Kreativität", sagt der Schauspieler.

Spacey, 57, investiert selbst in Start-ups. Bereits im vergangenen Jahr war er bei dem Schweizer IT-Unternehmen Wisekey eingestiegen, das spezialisiert ist auf Cybersicherheit und Datenschutz - ein Thema, das Spacey am Herzen liegt, seit er 2014 zu den Betroffenen eines Hackerangriffs auf das Hollywood-Studio Sony Pictures gehörte. Außerdem ist Spacey Geldgeber bei der Videoplattform Frame.io und fördert mit seiner Produktionsfirma Trigger Street Productions unbekannte Talente. Trigger Street steht außerdem hinter zahlreichen Film-Erfolgen: Gemeinsam mit seinem Partner Dana Brunetti produzierte Spacey etwa den Film "The Social Network" über Mark Zuckerberg und dessen Gründung von Facebook - und natürlich "House of Cards".

Zum Ende seiner Rede ermutigt Spacey das Gründer-Publikum. Sie sollen Wetten auf diejenigen platzieren, die Herausforderungen annehmen, um die Welt zu verändern: "Die, die Risiken eingehen, sind die, die belohnt werden," sagte Spacey.

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