Auftakt Flucht aus dem Jutesack

Antja Szillat und Jan Birk eröffnen mit Stinktier "Flätscher" das Kinder-Krimifest

Von Barbara Hordych

Auch wenn es bei Kriminalfällen gemeinhin gilt, möglichst viele Informationen über alle Beteiligten zu sammeln, kann es mitunter auch von Vorteil sein, nicht allzu viel über jemand anderen zu wissen. So jedenfalls erging es der Hannoveraner Kinderbuchautorin Antje Szillat, als sie vor fünf Jahren einen Illustrator für ihr neues Buchprojekt suchte. "Ich plante eine Geschichte mit einem Stinktier als Meisterdetektiv und stieß im Internet auf ein originell und frech gezeichnetes Rattencartoon", erzählt Szillat bei der Eröffnung des Kinder-Krimifests im Gasteig. Sie schrieb den Zeichner an: "So in dem Stil: ,Hey, heute ist dein Glückstag, ich bin eine erfolgreiche Kinderbuchautorin und will dir eine Chance als Zeichner bei meinem neuen Buchprojekt geben'", sagt Szillat.

Die Hannoveraner Autorin Antje Szillat begeistert ihre jungen Zuhörer.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die über diese Kontaktaufnahme noch heute herzlich lacht. Denn erst danach habe sie recherchiert, wen sie da so "unglaublich peinlich" angeschrieben hatte: Den Münchner Illustrator Jan Birck, bestens bekannt insbesondere durch die "Wilden Fußballkerle", die er gemeinsam mit Joachim Masannek entwickelte und für die er das Design und die Figuren entwarf. "Gerade hatte ich meinem Mann von meiner Entdeckung berichtet, da klingelte auch schon das Telefon", sagt Szillat. Es war Jan Birck - und er war von ihrem tierischen Ermittler, dem Stinktier "Flätscher", begeistert. "Eine coole, bequeme und intelligente Type, die mir auf Anhieb gefiel", ergänzt Birck, während er ununterbrochen Autogramme schreibt. Ähnlich empfinden es die Kinder, die sich in der Stadtbibliothek um "ihren Flätscher" drängen: Denn der tappt als menschengroßer Überraschungsgast im Plüschanzug herum, während Szillat und Birck zum Auftakt des Kinder-Krimifests - bis 24. März gibt es 80 Veranstaltungen an diversen Tatorten - aus ihren lustig-schrägen Comicromanen vorlesen.

Der Münchner Illustrator Jan Birck und die Autorin Antje Szillat haben das Kinder-Krimifest eröffnet.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wobei Lesen nicht ganz zutreffend ist für die lebhafte Performance, die Szillat, und der Plüsch-Flätscher gemeinsam mit den Kindern auf dem Podium der Stadtbibliothek veranstalten. Szillat fordert die jungen Zuhörer auf, mit lautmalerischem Zischen und in verschiedenen Rollen die erste Begegnung zwischen Flätscher und seinem menschlichen Freund Theo nachzuspielen: Alles beginnt an einem regnerischen Morgen, an dem das Semmelknödel liebende Stinktier beim Durchsuchen einer Abfalltonne in einem Jutesack landet. Mit einem gewagten Sprung und dem Einsatz seiner Stinkekanone schafft es Flätscher, aus dem Jutesack zu entkommen - und findet Schutz im Hosenbein von Theo, dem Sohn des Spitzenkochs Bode. Das ist nicht nur der Beginn einer dicken Freundschaft zwischen den beiden, sondern auch der Start einer großen Detektivkarriere. Denn noch am selben Tag gründen sie im Hinterhof von Theos Vater eine Detektei und bekommen fortan Rückendeckung von der Zwergwieseldame Cloe im Sekretariat sowie tatkräftige Unterstützung von den Kellermäusen Flo, Mo, Jo und Olaf.

Wie gut die Zuhörer ihr cooles Stinktier kennen, zeigt das Quiz, das Szillat im Anschluss mit den Kindern spielt: Sie wissen nicht nur, dass besagter Jutesack früher Kartoffeln enthielt, sondern auch, wie viele Liegestützen und Kniebeugen Flätscher morgens macht. Für jede richtige Antwort gibt es einen Gutschein - es lohnt sich mitunter also doch, möglichst viele Informationen zu sammeln.