Aufregung um "Im Visier" "Tatort" verrät kein Geheimnis

Die Suche nach dem Schuldigen fand rasch ein Ende, und die Aufregung am Münchner Polizeipräsidium hat sich inzwischen gelegt.

Von Von Christian Rost

Denn nun weiß man dort: In der am Sonntagabend in der ARD ausgestrahlten "Tatort"-Folge "Im Visier" wurden keine wirklichen Geheimnisse aus der Polizeiarbeit verraten, höchstens für 9,39 Millionen Zuschauer breit getreten.

Wer sich für Polizeitaktik eingehend interessiert, kann nämlich längst aus einem Buch erfahren, wie Sondereinsatzkommandos in Deutschland arbeiten. So auch bei einer Geiselbefreiungs-Aktion, wie der im jüngsten Münchner "Tatort" gezeigten.

Maulwurf unnötig

Die SZ hatte vom Unmut der Verantwortlichen am Polizeipräsidium berichtet, die den Verrat von Polizei-Interna in dem "Tatort"-Film witterten. Gar vermutete man einen Beamten aus den eigenen Reihen, der ausgeplaudert haben musste, mit welchen technischen Mitteln - wie einer Mini-Kamera - die Polizei in solchen Situationen vorgeht. Doch nichts dergleichen. "Wir brauchen keine Maulwürfe bei der Polizei", sagt die beim Bayerischen Rundfunk zuständige Redakteurin für die Kriminalreihe, Silvia Koller.

Die Drehbuchautorin Sabine Bühring habe ihre Erkenntnisse unter anderem aus dem Buch "SEK - Sondereinsatzkommandos der Deutschen Polizei" (erschienen im Motor-Buch-Verlag). Darin ist übrigens auch die Mini-Kamera beschrieben. Grundsätzlich, heißt es beim Bayerischen Rundfunk, würde man nie auch nur auf die Idee kommen, Geheimnisse der Polizei zu verraten.

Der Schreck fuhr den Polizisten beim Anblick verschiedener Szenen im Film wohl auch deshalb so gehörig in die Knochen, weil sie erstens das Buch nicht kannten und zweitens vorher vom Inhalt des "Tatort" nichts wussten. Die Dreharbeiten in München waren diesmal nicht - wie es sonst oft geschieht - von echten Ermittlern begleitet worden.

Und die Pressevorführung vor dem Ausstrahlungstermin sahen die Polizisten auch nicht, weil sie an jenem Vormittag um 11 Uhr gerade in einem aktuellen Fall ermittelten. So kam es also zu dem Schreck am Sonntag in den Abendstunden.

Taktik breitgetreten

Gleichwohl: Begeisterung für die filmische Verwertung von Polizei-Taktiken kommt am Präsidium an der Ettstraße generell nicht auf. "Es liegt nicht an uns, das Thema breitzutreten", so Polizeisprecher Wolfgang Wenger auf Anfrage zur SZ. Auf den "Tatort" angesprochen meint er: "Das war sicherlich keine Absicht von dem Film-Team. Man kann uns auch aus Versehen weh tun."

Denn geschmerzt hat der Film durchaus: Es gebe nunmal Täter, die spontan handelten und dabei nicht an die technischen und taktischen Überraschungen der Polizei dächten, bei einer Geiselnahme in einer Bank etwa. Die seien nun gewarnt. Beispiele aus der Welt der Polizei-Taktik will Wenger freilich keine benennen. Nur so viel: "Es ist doch klar, dass wir nicht mit dem Hammer kommen um zu sehen, ob da wirklich ein Geiselnehmer in der Bank ist."