Wirtshaus Zur Aubinger EinkehrPortionen, die man sich leisten kann

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Hier macht sich ein Wiener Schnitzel breit.
Hier macht sich ein Wiener Schnitzel breit. Stephan Rumpf

In der Aubinger Einkehr in Neuaubing sind die Portionen groß und die Preise vernünftig. Bei den meisten Gerichten stimmt auch die Qualität.

Von Gertrude Fein

Die sogenannte Dornier-Siedlung in Neuaubing wurde in den Dreißigerjahren für die Mitarbeiter des nahegelegenen Dornierwerkes erbaut. Dem Internet ist zu entnehmen, dass sie als typisches Beispiel einer nationalsozialistischen Werkssiedlung gilt, die im Zusammenhang mit dem Aufbau der Rüstungsindustrie in Bayern konzipiert wurde. Heute steht sie als Ensemble unter Denkmalschutz.

Natürlich brauchte das neue Wohnviertel auch ein Wirtshaus, die 1939 eröffnete Aubinger Einkehr. Wichtig war damals, dass Gutes auf den Tisch kam zu erschwinglichen Preisen. Heutzutage ist „erschwinglich“ nur noch in den seltensten Fällen etwas, das man mit einem Wirtshaus- oder Restaurantbesuch in Verbindung bringt. Denen, die sich die hohen Preise leisten können und wollen, scheinen sie wurscht zu sein, preisbewusstere und weniger „Geldige“ besuchen ein Gasthaus meist nur noch zu ganz besonderen Anlässen.

Die Aubinger Einkehr mit ihren gemütlichen Räumen ist auch unter neuen Pächtern eine Wirtschaft geblieben, in der man bei der Lektüre der Speisekarte wegen der Preise nicht gleich vom Stuhl zu fallen droht. Kein Wirt kann sich heute niedrige Preise leisten, aber es ist erfreulich, wenn man als Gast das Gefühl hat, dass bei der Kalkulation nicht nur an den Maximalgewinn gedacht wurde und trotzdem gute Qualität geliefert wird. Das beste Beispiel dafür: der Zwiebelrostbraten, eine dicke, große Scheibe, wunschgemäß medium gebraten, zarter geht es nicht. Die Zwiebeln kamen endlich einmal nicht aus der Fritte, sondern waren geschmort, dazu viele, fast zu viele sämige Kässpätzle. Dieser Zwiebelrostbraten für 24,90 Euro war der beste und preiswerteste seit Jahren.

Mit guter Qualität und einigermaßen erschwinglichen Preisen ging es weiter. Die Leberspätzle in der Rinderkraftbrühe (4,80) schmeckten richtig nach Leber, die Portion war nicht zu groß, sodass auch noch Platz für einen Hauptgang blieb, in diesem Fall für das Schweinshaxnstück mit Kartoffelknödel und Krautsalat (15,80). Das Fleisch fiel vom Knochen und die Schwarte war richtig resch, ohne die Zähne zu gefährden.

In den Räumen der Aubinger Einkehr sitzt man gemütlich.
In den Räumen der Aubinger Einkehr sitzt man gemütlich. Stephan Rumpf

Nur noch selten findet man in bayerischen Wirtschaften die echte Kälberne Briesmilzwurst. Hier war sie wieder und köstlich dazu, zwei dünn panierte Scheiben mit Kartoffelsalat (12,90). Am Kartoffelsalat sollte in der Küche in Richtung Geschmack noch etwas gearbeitet werden. Am mürben Zwiebelschnitzel mit vielen geschmorten Zwiebeln und schön braun gebratenen Kartoffeln gab es nichts auszusetzen (14,80), genauso wenig wie an der saftigen Hähnchenbrust mit vielen, gut gewürzten Austernpilzen und Kroketten (19).

Beim Backhendl mit Salat (12,20) – Fleisch zart, dünne Panade, Salat gut geschnitten und sehr frisch, alles auf einer Platte, was hier nicht stark störte, weil es keine Soße gab, die den Salat matschig machen konnte – zeigte sich ein Fehler, der bei vielen Gerichten auftauchte. Optisch machten sie nichts her, weil entweder zu viel aufgehäuft war oder weil etwa ein halbes Hendl auf einem großen Teller doch recht einsam wirkt. Das allein gelassene Hendl stammte vom Selbstbedienungsstand im Biergarten, und es war nicht nur einsam, sondern auch etwas trocken (9,60).

Bei gutem Wetter lockt der Biergarten, in den man auch selbst seine Brotzeit mitbringen kann.
Bei gutem Wetter lockt der Biergarten, in den man auch selbst seine Brotzeit mitbringen kann. Stephan Rumpf

Zum Biergarten: Es handelt sich um einen echten Biergarten, also um einen, zu dem die Leute ihre Brotzeit mitbringen oder sich bedienen lassen oder sich an einer Theke Bier und Speisen abholen können. Fast schon eine Sensation ist der Bierpreis: 7,90 Euro für die Maß Augustiner vom Fass. Man sitzt in aller Bierruhe, ungestört von Verkehrslärm unter alten Bäumen. Für Kinder gibt es einen kleinen Spielplatz, sodass sich auch Störungen vonseiten der Schratzerl in Grenzen halten. Nach der langen Periode nicht biergartenkompatiblen Wetters wirkt der Ablauf des Betriebs noch etwas improvisiert.

Das Personal stammt aus verschiedensten Ländern und bemüht sich redlich, die Sache in den Griff zu bekommen, was auch meist recht gut gelingt. Das Angebot an Speisen zeigt keine Ambitionen zu höheren Biergartenweihen. Von besagtem Hendl, Schweinshaxn, Currywurst, Spareribs und Konsorten über Wurstsalat, Bauernsülze und Obatztem gibt es alles, was es normalerweise in den vergangenen Jahrzehnten eben so an den Standln der Biergärten gab. Hauptsache die Portionen sind nicht zu klein und die Preise nicht zu hoch.

Mit neumodischem Zeug, wie es die Snobs der In-Viertel erwarten, kann ein Wirt in der Vorstadt nur in Ausnahmefällen einen Hund vor die Hütte locken. Münchner Wurstsalat (8,50) und Schweizer Wurstsalat (9,50) waren ordentlich, die Spareribs (12) erst einmal aus, kurz darauf aber wurde die Ankunft frischer ausgerufen. Sie scheinen äußerst beliebt zu sein bei den Gästen, was sicher nicht an der in Mengen über die saftigen Rippchen geschütteten Soße liegen kann. Etwas Ausgefallenes gab es aber doch im Angebot. Auf einer Tafel wurden „zwei paar Kasbratwüchtel mit Kartoffelsalat“ verheißen. Wir tippten auf Kalbsbratwürstel, bestellten aber lieber etwas ganz anderes.

Zur Aubinger Einkehr, Gößweinsteinplatz 7, 81249 München, Telefon: 089/875581, Öffnungszeiten: Dienstag 15 bis 22.30 Uhr, Mittwoch bis Sonntag 11 bis 22.30 Uhr, Montag Ruhetag

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik „Kostprobe“ der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts – von München, Wissen bis zur Politik – schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fast-Food-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: sich nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen – um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können.

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