Kulturzentrum Ubo 9:"Denkt wild! Denkt frei!"

Lesezeit: 3 min

Kulturzentrum Ubo 9: Peter von Cube, Jürgen Payerl und Sangeeta Ebert basteln bei der Zukunftswerkstatt im Aubinger Kulturzentrum aus Lego eine Rampe für den Bahnhof.

Peter von Cube, Jürgen Payerl und Sangeeta Ebert basteln bei der Zukunftswerkstatt im Aubinger Kulturzentrum aus Lego eine Rampe für den Bahnhof.

(Foto: Leonhard Simon)

Rampen aus Legosteinen, Open-Air-Konzerte und eine Bürgerbühne: Bei der Zukunftswerkstatt in Aubing machen sich 50 Interessierte Gedanken über kulturelle Projekte in den Stadtvierteln.

Von Ellen Draxel

"Nimm für die Spur die langen hohen Legosteine", sagt Jürgen Payerl zu Sangeeta Ebert. "Die brauchen wir zur Abgrenzung." Auf dem Tisch zwischen ihnen liegt ein ganzer Haufen des bunten Baumaterials. 45 Minuten - Zeitvorgabe der Moderatoren - haben die beiden, um gemeinsam mit Peter von Cube das Modell einer Rampe für den Aubinger Bahnhof zu kreieren. Glitzernde Pfeifenputzer, die Lichtstreifen entlang der Rampe symbolisieren sollen, inklusive.

Andere Teams basteln derweil einen Bürgertreff, eine Open-Air-Bühne und einen offenen Kunstraum. Aus Pappe, Knete, Playmobilfiguren und Filz. Oder sie dokumentieren ihre Ideen zu Angeboten für junge Leute unter 30 und zu einer Bürgerbühne auf farbigen Plakaten. Sechs konkrete Projekte entstehen so an diesem Tag. Projekte, die in Aubing, Neuaubing, Westkreuz, Lochhausen, Langwied und Freiham bislang fehlen. Und die nun weiterverfolgt und im Idealfall realisiert werden sollen.

Sie sind die Quintessenz einer ganztägigen Zukunftswerkstatt in Aubings Kulturzentrum Ubo 9, Kondensate aus Wünschen für ein Kino, ein Theater, Cafés, Bars und Clubs, einen Flohmarkt und ein schwarzes Brett zum Austausch, Räume für die Vereine und zur Begegnung, Platz für Sub-, Nischen- und Jugendkultur. Dass die Barrierefreiheit des Aubinger Bahnhofs ebenfalls Berücksichtigung findet, wiewohl kein kulturelles Projekt, hat mit der massiven Präsenz des Themas im Viertel zu tun. Und damit, dass es dafür durchaus kreative Lösungen gibt.

Eingeladen zu dem Workshop hat Stefanie Junggunst. Die Kultur-Streetworkerin und Leiterin des Ubo 9 rechnete im Vorfeld mit 20 bis 25 Teilnehmern. Ihrem Aufruf gefolgt sind fast 50 Interessierte. Netzwerker und Macher aus dem Viertel, darunter Lokalpolitiker, der Chef des Bürgersaals am Westkreuz und Künstler aus dem nun kreativ und als Erinnerungsort genutzten ehemaligen KZ-Areal an der Ehrenbürgstraße. Aber auch engagierte Nachbarn und Gäste aus anderen Stadtvierteln.

Kulturzentrum Ubo 9: Janet Rizzo hat mit anderen Teilnehmern an der Idee für eine Freiluftbühne gearbeitet.

Janet Rizzo hat mit anderen Teilnehmern an der Idee für eine Freiluftbühne gearbeitet.

(Foto: Leonhard Simon)

Sie sind gekommen, um sich inspirieren zu lassen, Unterstützung bei Ideen zu bekommen, Methoden kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. "Denkt wild! Denkt frei!", ruft Armin Schobloch, der zusammen mit Frederic Gülbeyaz vom D-Network den Tag moderiert, beim Brainstorming in die Runde. Warum statt eines Shuttle-Busses nicht einfach mal eine Shuttle-Rikscha organisieren? Oder ein Shuttle-Huckepack? Eine Idee im kleinen Rahmen ausprobieren, ohne vorher jede Menge Anträge stellen zu müssen? Denn darum geht es bei dieser Zukunftswerkstatt: Selbst aktiv zu werden, Ideen in Eigenregie umsetzen, um dann zu sehen, ob sie sich verstetigen lassen.

Oder, um es mit Marcus Janke zu sagen: "Einfach machen. Die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Da geht viel." Der Leiter des Interim-Theaters in Laim weiß, wovon er spricht. Beispiel Open-Air-Events. Zu klären ist die Finanzierung, wer den Hut aufhat und wer Künstler einlädt. Auch die Werbung ist ein Thema, "man sollte ein Orga-Team vor Ort finden, das die Geschäfte anspricht", meint Liedermacher Michael Bohlmann. Und dann der Fokus auf die Spielform: Sollen Veranstaltungen als Lange Nacht laufen, nur am Nachmittag stattfinden oder für eine ganze Woche geplant werden?

Für dieses Projektteam, bestehend aus Bohlmann, Rosemarie Gaupmann, der Leiterin der Stadtbibliothek Neuaubing, und Lokalpolitiker Klaus Ziegler (ÖDP), ist am Ende klar: Geboten werden sollen Live-Musik und Tanz für alle Stadtteile an verschiedenen Spielorten in einer Musiknacht. Außerdem sind ein oder mehrere Open-Air-Konzerte im Gespräch, wobei Künstler aus dem Viertel das Herzstück der Events bilden sollen. Die Musikrichtung ist offen, sie reicht von Volksmusik über Jazz und Pop bis hin zu Kinderkonzerten und Klassik.

Engagiert arbeitet auch das Team, das sich nach Absprache mit der Zielgruppe für Jugendliche und junge Leute unter 30 einsetzen will. "Wir würden gerne in leerstehende Gebäude gehen und in diesen Räumen Zwischennutzungen organisieren", sagt Andrea Ritter, stellvertretende Leiterin des Puchheimer Kulturzentrums Puc. Ebenfalls denkbar sind für die Gruppe um Ritter informelle Treffen im Freien, mit DJs, jugendgerechten Preisen und Zugriff auf Social Media - dort, wo laute Musik niemanden stört.

Der Fotograf Nikolaus Röpfl und der Bildhauer Falk Benitz wiederum wollen sich um einen für alle offenen Kunstraum bemühen. Mit dem Ziel, Künstler aus den verschiedenen Stadtteilen miteinander zu vernetzen und auch Schulen mit Kunstprojekten für Kinder ins Boot zu holen. Eine Idee: Alle zwei Wochen einen Pavillon oder ein Zelt aufzustellen, wo sich Laien, unterstützt von Profis, austoben können - etwa auf dem Grünstreifen zwischen Freiham und Neuaubing.

Der Zukunftswerkstatt am Nachmittag zugeschaltet ist außerdem Anschi Pott. Die Theaterpädagogin, Schauspielerin und Regisseurin würde im Westen gerne eine Bürgerbühne etablieren. Eine Möglichkeit, aktuelle Themen aus dem Viertel mittels Schauspiel und Improtheater auf die Bühne zu bringen - "quasi als Spiegelbild des Ortes". Und noch jemand bringt Input: Martin Blumöhr, bekannt für seine Mauer-Kunstprojekte im öffentlichen Raum. In seine großflächigen Wandgestaltungen lässt er Besonderheiten des Ortes ebenso einfließen wie Geschichten der Bewohner. "Ubingun" will er sein Projekt in Aubing nennen, nach dem ursprünglichen Namen des Dorfes.

Bleiben der Bürgertreff, für den Räume gesucht werden müssen, und die Rampe für den Aubinger Bahnhof. In Köln, erklärt Moderator Armin Schobloch den Werkstattbesuchern, gebe es einen Verein, der baue barrierefreie Rampen nicht nur in Form von Modellen, sondern tatsächlich mit Legosteinen auf die Straße. Das planen die Aubinger jetzt auch.

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