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Aubing:"Schon jetzt mit Autoverkehr überflutet"

Bahnunterführung in Aubing, 2013

Lassen, wie's ist: Die Aubinger wollen keinen höheren Limes-Tunnel.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Aubinger fordern bei ihrer Bürgerversammlung die U-Bahn als Voraussetzung für die zweite Ausbaustufe von Freiham

Die seit Kurzem geltenden Halteverbote an der Strecke der neuen Buslinie 157 zwischen Aubing und Pasing sind nicht in Stein gemeißelt. Beim Kreisverwaltungsreferat (KVR) ist man bereit, sich erneut mit Lokalpolitikern und Anliegern "vor Ort zu treffen und ergebnisoffen zu diskutieren, was sich noch ändern lässt". Klar sein müsse aber, betonte Andrea Schmidt vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) bei der Bürgerversammlung des Stadtbezirks Aubing-Lochhausen-Langwied am Dienstagabend, dass der Bus wegen parkender Fahrzeuge nicht permanent abbremsen könne. "Der Linienverkehr muss kontinuierlich möglich sein, das zu garantieren ist unser Auftrag."

In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Aubing-Lochhausen-Langwied hatten mehrere Anwohner vehement den verloren gegangenen Parkraum und die Zunahme von Rasern und Schwerlastverkehr entlang der neuen Busroute kritisiert. Dieser Protest flammte am Dienstag in der mit rund 270 Besuchern gut gefüllten Turnhalle der Mittelschule an der Reichenaustraße wieder auf, war aber nur eines von vielen Verkehrsthemen, die den Abend beherrschten.

Sorgen, das zeigte sich beim Bericht des Bezirksausschuss-Vorsitzenden Sebastian Kriesel (CSU) und bei den anschließenden Anträgen, machen sich die Aubinger vor allem wegen Freiham. Der neu entstehende Stadtteil an der Grenze zu Germering soll nach aktuellem Planungsstand 28 000 Einwohner und 15 000 Arbeitsplätze bekommen - 8000 Menschen und 7500 Jobstellen mehr als anfangs vorgesehen. "Altaubing ist aber schon jetzt mit Autoverkehr überflutet", konstatierte Hans-Joachim Schemel. Er plädierte daher mit Unterstützung der Stimmberechtigten dafür, den zweiten Realisierungsabschnitt Freihams erst dann zu bauen, wenn die U-Bahn-Anbindung bereits erfolgt ist. Ansonsten, argumentierte er, müssten "die Bewohner ausbaden, dass die Stadt es versäumt hat, rechtzeitig für Alternativen beim Verkehr zu sorgen". Jürgen Müller wiederum will - mit einstimmiger Rückendeckung der Anwohner - zusätzlich an einer zweiten Stellschraube drehen. "Die Express-S-Bahnen, die in die Innenstadt fahren, sollten auch an den Bahnhöfen Aubing, Lochhausen und Langwied halten", forderte der stellvertretende Vorsitzende der Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing. "Dann könnten wir die Kapazitäten für Freiham vielleicht bekommen." Müller beantragte zudem eine städtebauliche Sanierungsmaßnahme für den Aubinger Haltepunkt. Bisher habe der Bahnhof keinerlei Entrée-Charakter, sei nicht barrierefrei und biete keine Anbindung an das Viertel. "All das brauchen wir aber - und einen Lärmschutz." Dafür erhielt er ebenfalls ein einhelliges Votum der Versammlung.

Dreh- und Angelpunkt eines zukunftsfähigen Verkehrskonzepts sind aber auch sinnvoll ausgebaute Unterführungen. Im Fokus bei der Bürgerversammlung stand besonders diejenige an der Limesstraße: Pascal Schmitt möchte diese Untertunnelung und eine zweite am Germeringer Weg bei einem Ausbau auf eine Höhe von 3,80 Meter begrenzt wissen - um Schleichwege für den Schwerlastverkehr zu unterbinden. "Die Feuerwehr und der Bus kommen bei dieser Höhe durch, ohne stecken zu bleiben", begründete der Aubinger seinen Vorstoß. Seine Bitte korrespondiert mit dem Wunsch des Bezirksausschusses, das Planungsreferat hingegen favorisiert einen Ausbau auf eine Höhe von 4,50 Metern. Derzeit ist die Limesunterführung lediglich 3,20 Meter hoch, fast wöchentlich bleiben deshalb Lastwagen im Tunnel stecken.

Die geringe Höhe der Limes-Unterführung ist auch der Grund, weshalb der Schwerlastverkehr durch die Hellenstein- und die Aubing-Ost-Straße an Neubaugebieten entlang umgeleitet wird - "mit einer erheblichen Gefahr für die dort wohnenden Kinder", monierte Angelika Mayer am Dienstagabend. "Das muss sich künftig ändern", findet die Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Aubing-Ost. "Wir splitten das ohnehin schon", erläuterte dagegen Andrea Schmidt vom KVR. Die eine Richtung des Schwerlastverkehrs werde durch die Hellenstein-/Aubing-Ost-Straße geführt, die andere passiere die Pretzfelder Straße. Das Problem lasse sich nur mit einem großzügigen Ausbau der Limes-Unterführung lösen.

Verkehrslawinen wälzen sich jedoch nicht nur durch Aubing. Überlastet ist auch die Lochhausener Straße, die den Stadtteil Lochhausen in zwei Hälften schneidet: Im Süden wohnen die meisten Menschen, Infrastruktureinrichtungen wie die Schule oder die Kita aber befinden sich im Norden. Die Bürgervereinigung Lochhausen-Langwied hat deshalb schon vor Jahren eine Unterführung unter der Lochhausener Straße gefordert - "getan allerdings hat sich bisher nichts", kritisierte Robert Feierlein. Er erneuerte deshalb seine Forderung. Ines Allinger möchte außerdem, unterstützt von den Stimmberechtigten, eine Mess-Station für Stickoxid an der Lochhausener Straße auf Höhe der Kindertagesstätte Schussenrieder Straße, zum Schutz der Kinder vor Schadstoffbelastungen. Der Bau einer Lärmschutzwand ist der Einrichtung schon länger zugesagt worden.