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Aubing:Rückschlag für die Rotunde

S-Bahnhof Aubing in München, 2012

Mangelhafte Station: Der Aubinger S-Bahnhof ist wenig einladend, zudem auf der Nordseite nur über eine Treppe erreichbar. Dass sich die Situation ändern muss, ist Bürgern, Behörden und Politikern klar.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Planungsbehörde favorisiert eine Rampen-Lösung, um am Aubinger S-Bahnhof endlich eine Ortsverbindung zu schaffen. Die Idee der Bürgerinitiative einer kreisrunden Spirale soll nicht weiter geprüft werden

Aubings S-Bahnhof ist alles andere als eine Augenweide. Alt, trostlos und obendrein funktional mangelhaft; weil er auf der Nordseite an der Georg-Böhmer-Straße nur über eine Treppe erreicht werden kann, wirkt der Bahnhof wenig einladend. Die Stufen verhindern zudem eine barrierefreie Ortsverbindung zwischen Aubing und Neuaubing sowie dem derzeit neu entstehenden Stadtteil Freiham. Dass sich diese Situation ändern muss, darin sind sich Bürger, Stadtplaner und Lokalpolitiker seit Langem einig. Die Frage war bislang nur: wie?

Jetzt aber hat das städtische Planungsreferat Position bezogen. Als Ergebnis einer Machbarkeitsstudie schlägt die Verwaltung vor, die barrierefreie Ortsverbindung mittels einer Rampe im Norden zu realisieren. Aus Sicht der Behörde hätte diese Lösung mehrere Vorteile: Sie wäre im Unterhalt kostengünstiger als ein Aufzug und unterläge nicht dem Risiko technischer Störungen. Vor allem würden der Stadt beim Bau einer Rampe wohl keinerlei Kosten entstehen. Denn der Freistaat hat in Aussicht gestellt, eine barrierefreie Erschließung der Bahnsteigunterführung durch eine Rampe vorab zu finanzieren, sofern diese Maßnahme Teil des Gesamtausbaus der Bahnstrecke ist. Favorit der Bahn wäre ebenfalls der Neubau eines Außenbahnsteigs mit Rampenanlage an der Georg-Böhmer-Straße, kombiniert mit einem per Aufzug barrierefrei zu erreichenden Mittelbahnsteig.

Der Nachteil dieser Lösung: Die Vision der Bürgervereinigung Aubing-Neuaubing zur Neuordnung des Bahnhofareals wäre damit gestorben. Der Verein hatte, nachdem zahlreiche Anträge und Schreiben an die Stadt und die Bahn nichts fruchteten, voriges Jahr auf eigene Kosten ein Architekturbüro beauftragt. Heraus kam das Konzept einer Rampe in Schneckenform: eine kreisrunde Spirale mit einer fünfprozentigen Neigung, die sich auf einer Länge von 80 Metern langsam in die Tiefe schraubt - bis zur Ebene der Unterführung. Beleuchtet werden sollte der Kreisel mit einem oberirdisch gut sichtbaren, großen Ring. Ergänzend zur Rampe stellten sich die Architekten den Vorplatz des Bahnhofs als verkehrsberuhigte Zone vor, mit verschwenktem Straßenverlauf und Aufpflasterung, auf jeden Fall jedoch mit Platz für eine Bushaltestelle. Momentan gibt es auf dieser Seite des Bahnhofs keinen Bus-Stopp, die nächste Bushaltestelle befindet sich 300 Meter entfernt an der Altostraße.

Aubings Bürger, zumindest diejenigen, die bei der Präsentation zugegen waren, fanden die Planung seinerzeit unisono "toll". Das Planungsreferat aber rät nun von einer vertieften Prüfung des Bürgervorschlags ab.

"Eine Rotunde", schreibt die Behörde an Aubings Lokalpolitiker, "würde deutlich in den Straßenraum der Georg-Böhmer-Straße eingreifen." Außerdem impliziere die Anregung eine Verkehrsberuhigung; eine Sammelstraße sei von der Bürgervereinigung ausdrücklich nicht gewünscht. "Die Funktion der Georg-Böhmer-Straße ist im Zusammenhang mit der Anbindung des zweiten Realisierungsabschnitts von Freiham aber noch nicht geklärt", argumentieren die Planer. Erste Ergebnisse würden erst im Herbst erwartet, eine Stadtratsbefassung sei nicht vor Mitte 2020 denkbar. Im Anschluss müssten Untersuchungen zum Bahnhofsvorfeld und zur Ausgestaltung des Straßenraums erfolgen, die bis zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens Ende 2020 wohl nicht beendet seien. Hinzu komme, dass die Vorfinanzierung durch den Freistaat entfallen würde, die Stadt mögliche Mehrkosten also selbst zu tragen hätte.

"Letztlich", sagt Karin Binsteiner (Grüne), die sowohl dem Unterausschuss Verkehrsinfrastruktur im Bezirksausschuss als auch der Bürgervereinigung vorsteht, "geht es doch wieder nur ums Geld". Dabei, ergänzt Stadtrat Johann Sauerer (CSU), brauche das Viertel Geld am allerwenigsten, weil Aubing Sanierungsgebiet sei. "Was wir brauchen, ist eine gescheite Lösung. Bis jetzt haben wir nur Stückwerk." Am sinnvollsten fände er einen Wettbewerb. "Dann hätte der Bezirksausschuss auch ein Mitspracherecht."