bedeckt München 24°

Aubing:Ein Duo schert aus

Ehepaar verlässt SPD-Fraktion und löst Postenstreit aus

Hinter den Kulissen fliegen die Fetzen: Im Bezirksausschuss (BA) Aubing-Lochhausen-Langwied wird um die künftigen Posten im Vorstand heftig gerungene. Nachdem in wiederholten Gesprächsrunden kein Einvernehmen zu erzielen war, herrscht nun "Eiszeit". So zumindest nennen es die Grünen, die gemeinsam mit dem Bündnis Freie Wähler/ÖDP und der SPD am Donnerstagabend eine entsprechende Presseerklärung veröffentlicht haben. "Wir sind alle total genervt, brüskiert und sauer", sagt Dagmar Mosch, Fraktionssprecherin der Grünen. Der bisherige BA-Vorsitzende Sebastian Kriesel (CSU) hingegen spricht nur von "sehr, sehr schwierigen Gesprächen". Nur wenn jede Seite Kompromisse eingehe, seien Lösungen möglich.

Vorangegangen waren den gescheiterten Verhandlungen zwei Ereignisse. Zunächst die Spaltung der SPD-Fraktion: Aufgrund von "persönlichen wie politischen Unstimmigkeiten und Differenzen, die nicht mehr zu überwinden waren", trennten sich Tamara und Sebastian Kratzer von ihren Genossen im Gremium und gründeten gemeinsam mit dem FDP-Politiker Tobias Müller eine neue Ausschussgemeinschaft, die "Jungen Aubinger". Tamara Kratzer, anfangs nicht bei den gewählten BA-Vertretern, war zuvor für den Landtagsabgeordneten Florian Ritter nachgerückt, der sein Bezirksausschuss-Mandat nicht angenommen hatte. SPD-Sprecher Thomas Hampel wurde von dem Absprung überrascht. "Das war absolut nicht zu erwarten", sagt er. Und er findet die Abspaltung des Ehepaars Kratzer auch "nicht richtig, weil das so sicher nicht vom Wähler gewollt war".

Als die Jungen Aubinger dann ankündigten, bei der konstituierenden Wahl am 13. Mai für CSU-Mann Kriesel zu votieren, drehte sich das Karussell erst recht weiter. Hätten zuvor rechnerisch auch die Grünen, unterstützt von der SPD und dem Zusammenschluss aus Freien Wählern und ÖDP, mit Markthallen-Chef Boris Schwartz den BA-Vorsitzenden stellen können, war das jetzt unmöglich geworden. Denn mit den Stimmen seiner eigenen, immer noch stärksten Fraktion und denen der Jungen Aubinger käme Kriesel nun auf zwölf von 23 Stimmen.

In einer Erklärung vermeldete der 36-Jährige anschließend, die Mehrheit der BA-Mitglieder habe sich auf ihn als "alten und neuen Vorsitzenden geeinigt". Kriesel betonte aber auch, Schwartz als stellvertretenden Vorsitzenden einbinden zu wollen. Als zweiten Stellvertreter plädierten die CSU und die Jungen Aubinger für Sebastian Kratzer, alle anderen für einen Vertreter der Freien Wähler/ÖDP. Schließlich erklärte Kriesel die Verhandlungen für gescheitert.

Grüne, SPD und FW/ÖDP haben mit Kratzer ein Problem, weil der Student die Zusammenarbeit im neugegründeten Dreigespann damit begründet hatte, er, seine Frau und der 28-jährige Ingenieur Müller seien ungefähr gleich alt und hätten ähnliche kommunalpolitische Ziele. Sie würden noch erleben, wie Freiham fertiggebaut werde, und hätten so eine etwas andere Perspektive auf die Herausforderungen des Stadtbezirks. Grüne, SPD und FW/ÖDP empfinden die Äußerung als "despektierlich" (Hampel), "starken Tobak" (Mosch) und "Schlag ins Gesicht" vieler älterer Menschen, Kratzer dagegen sagt, die Jungen Aubinger wollten damit "keinesfalls ältere Mitglieder und Bürger beleidigen". So verfahren die Situation jetzt auch ist - Kriesel steht dazu, alle fünf Parteien in den Vorstand einzubinden.

© SZ vom 02.05.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite