Aubing Die Büchse der Pandora

Für hohe Fahrzeuge noch nicht so attraktiv: der Limes-Tunnel. Das könnte sich bei 4,50 Metern ändern. 3,80 Meter müssen reichen, meint der Bezirksausschuss.

(Foto: Stephan Rumpf)

Viele Aubinger befürchten, dass ihr Ortskern durch eine Erhöhung der Bahnunterführung an der Limesstraße vom Durchgangsverkehr überrollt wird. Sie fordern belastbare Fakten als Grundlage für eine Abstimmung im Stadtrat

Von Anita Naujokat, Aubing

Der Ausbau der S 4-Trasse zwischen Pasing und Eichenau mit einem dritten Gleis ist unter bestimmten Bedingungen willkommen, bei den Eisenbahnkreuzungen scheiden sich jedoch die Geister. Während die Stadt den Ausbau des für sie wohl wichtigsten Tunnels für den Autoverkehr im Stadtbezirk an der Limesstraße auf 4,50 Meter lichte Höhe und 20 Meter Breite favorisiert, lehnt dies der Bezirksausschuss (BA) Aubing-Lochhausen-Langwied rigoros ab. Die Lokalpolitiker befürchten, dass mit einem Tunnel dieser Größe Aubings ensemblegeschützter Ortskern vom Verkehr überrollt werde. Man wolle auch in Bereichen von Wohnbebauung keinen viereinhalb Meter hohen Tunnel, sagte BA-Chef Sebastian Kriesel (CSU).

Überhaupt, wetterte CSU-Stadtrat Johann Sauerer in der Sitzung am Mittwochabend unter großem Beifall von Bürgern und Stadtviertelvertretern, sollte man hierzu überhaupt keine Stellungnahme abgeben. Denn bisher lägen keine aussagekräftigen Zahlen, Handlungsbedarfe, Handlungsziele und auch kein Verkehrskonzept vor, um zu beurteilen, wie hoch und breit Unterführungen sein müssten. Sollte die Planung am 3. April so in den Stadtrat kommen, müsste die Vorlage wegen der vielen Unklarheiten ganz von der Tagesordnung genommen werden, sagte er.

Grünen-Fraktionssprecherin Karin Binsteiner sagte, es sei gut, dass sich der BA so klar positioniere, sie hoffe nur, dass dies den Stadtrat nicht kalt lasse. "Die Region wächst, und wir müssen einen Großteil des Verkehrs für die Stadt abfangen. Die Stadträte müssen sich auch mal um den Stadtrand kümmern." Dem Planungsreferat gehe es doch nur darum, den Durchgangsverkehr über den Limes-Tunnel abzuleiten, wenn die Autobahn mal wieder verstopft sei. Ein Bürger warnte vor einem "Rieseneingriff", sollte der Tunnel für 4,50 Meter tiefergelegt werden. Dies hätte große Rampen zur Folge und Auswirkungen auf die umliegenden Straßen. Dessen dazu gemachte Abmessungen und Berechnungen nahm das Gremium gerne entgegen. "Für uns ist das die Büchse der Pandora, wenn man den Tunnel auf 4,50 Meter aufmacht", sagte ein Vertreter der Bürgervereinigung Aubing. Die Fahrer, die keine Lust auf Blockabfertigung auf der Autobahn hätten, würden sich schon freuen.

BA-Vorsitzender Kriesel wies darauf hin, dass von einem optimalen Konzept auch die Stadt profitiere. Denn die Verkehrsströme, die aus dem Umland in den Stadtbezirk hineinführten, führen weiter in die Innenstadt. Und dies könne nicht das Ziel für die gesamte Stadt sein. Hierbei gehe es um wichtige Weichenstellungen für die kommenden Jahrzehnte, verdeutlichte er die Brisanz. Doch bisher sei fraglich, auf welcher Grundlage und Verkehrszählung Stadtverwaltung und Deutsche Bahn zu ihren Beurteilungen der Unterführungshöhen kämen. Immerhin war mit Gerhard Mayer auch ein Mitglied der SPD-Rathausfraktion in die Sitzung gekommen. Das nährte die Hoffnung, doch Gehör bei den großen Fraktionen im Stadtrat zu finden, der letztlich über den Verwaltungsvorschlag zu entscheiden hat.

Die Situation mit dem Limes-Tunnel ähnelt sehr jener in Moosach. Auch dort soll die Bahnunterführung an der Dachauer Straße auf 4,50 Meter Höhe ausgebaut werden. Sie gilt als Unfallschwerpunkt. Baureferat und Bahn halten sie nicht mehr für sanierungsfähig. Die Moosacher waren aus denselben Gründen wie die Aubinger gegen eine Erweiterung in die Höhe, zumal die Stadt die Dachauer Straße als Vorrangstraße für den Wirtschaftsverkehr vorsieht. Letztlich mussten sie sich geschlagen geben, der Ausbau kommt. Auch in Pasing sind die Bahnunterführungen derzeit Thema. So soll der Tunnel an der Bodenseestraße saniert werden. Geplant ist eine Durchfahrtshöhe von 4,70 Metern, derzeit liegt sie bei 3,75 Meter.

Dem Aubinger BA-Gremium fehlt es nicht nur an den Grundlagen für die Kreuzungen. Sie wollen einen Nachweis der Bahn, dass mit dem Ausbau der Zehn-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten an den Stationen Aubing und Leienfelsstraße erhalten bleibt - auch nach dem Bau der zweiten Stammstrecke. Dies sei das Mindeste für eine der am stärksten ausgelasteten Bahntrassen im Außenastnetz, heißt es in der von allen Fraktionen verabschiedeten Stellungnahme zur Machbarkeitsstudie. Vier Gleise wären ihnen sowie der Stadt ohnehin lieber - zumal Aubing ein Baustein für die öffentliche Erschließung Freihams ist.