Süddeutsche Zeitung

Au/Haidhausen:Guter Wille reicht nicht

Der Stadtrat will Solaranlagen auf Münchner Dächern fördern. In der Au und Haidhausen zeigt sich aber, dass dieses Ziel für Altbauviertel schwer zu erreichen ist. Oft sprechen Denkmalschutz, Statik und Wirtschaftlichkeit dagegen

Von Johannes Korsche, Au/Haidhausen

Seit 20 Jahren wird auf Haidhauser Dächern aus Sonnenkraft Strom erzeugt. Damals ging auf der Kirchenschule die erste Solaranlage ans Netz. Daran wollten die Haidhauser Lokalpolitiker anknüpfen und so forderten sie auf SPD-Initiative einstimmig mehr Solarpaneele in ihrem Bezirk. Damit sich diese Idee nicht im Nirwana der Absichtserklärungen verliert, listeten die Stadtviertelvertreter mehr als 20 Standorte auf, wo sie sich Photovoltaik-Anlagen vorstellen könnten. Detailliert antwortete nun das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU), wie es um die Erfolgsaussichten dieser Vorschläge steht. Von der Erzdiözese über die Stadtwerke bis hin zur Stadt selbst - alle finden den Vorschlag grundsätzlich gut. Allzu viel Handfestes hat die Stadtverwaltung trotzdem nicht zu vermelden. Denn bei manchen Gebäuden spricht der Denkmalschutz dagegen, etwa beim Deutschen Museum. Bei anderen stehen wahrscheinlich Sanierungen an (Busbahnhof Orleansstraße) oder es handelt sich um sakrale Gebäude, die "grundsätzlich nicht in Frage" kommen, wie die Erzdiözese zur Jugend- und Campuskirche Zum Guten Hirten mitteilt.

Die Idee der Haidhauser fiel mit einem Stadtratsbeschluss zusammen. Im Dezember verpflichtete sich die Stadt dazu, auf städtischen Dächern Solaranlagen zu errichten - "soweit rechtliche, technische und nutzungsbedingte Gründe nicht dagegen sprechen". Ein stadtweites Konzept, wie sich das umsetzen ließe, beschäftigt derzeit vier Referate - noch in diesem Jahr soll es in den Stadtrat. Aktuell gibt es etwa 170 Anlagen mit einer Leistung von circa fünf Megawatt, weitere 70 seien "in der Umsetzung", teilt das Baureferat mit.

Einstweilen stehen beim Baureferat durch das städtische Klimaschutzprogramm bis 2021 1,5 Millionen Euro bereit, um Solaranlagen auf stadteigenen Gebäuden nachzurüsten. Auch private Eigentümer können sich den Bau einer Solaranlage fördern lassen. Das RGU bietet dienstags alle zwei Wochen eine kostenfreie Beratung zu dem Thema an, zu der man sich allerdings vorher anmelden muss.

Dass es trotz des politischen Willens und des städtischen Grundsatzbeschlusses schwer werden dürfte, gerade auf Dächer in gewachsenen Altbauvierteln mehr Solarpaneele zu montieren, zeigt das Antwortschreiben der RGU nun exemplarisch für Haidhausen und die Au. Denn was bei Neubauten vorausgeplant werden kann, ist nachträglich nur sehr selten möglich.

So könne das Dach der Turnhalle an der Wörthschule wegen der Statik keine Solaranlage tragen, heißt es vom Baureferat. Gleiches gelte für das Dach der Schwimm- und Turnhalle an der Flurstraße. Hier soll allerdings noch geprüft werden, wie umfangreich die Bauarbeiten denn sein müssten und wie es mit der Anbindung an das Stromnetz aussehen würde. Für die bestehende Turnhalle am Mariahilfplatz sind Solarpaneele dagegen bereits beschlossene Sache. Auch auf aktuell geplante Schulgebäude kommen in der Regel Photovoltaik-Anlagen. Zum Beispiel beim Berufsbildungszentrum am Simon-Knoll-Platz, der neuen Grundschule an der Hochstraße und dem Neubau der Fach- und Berufsoberschule an der Orleansstraße.

Das ist bei Bestandsgebäuden dagegen schwieriger. Für den Gasteig, ebenfalls ein Vorschlag der Lokalpolitiker, gibt es "leider keine Realisierungschancen", teilt das Kulturzentrum mit. Auch weil Teile der Dachflächen nach der Neugestaltung für Besucher offen sein sollen, zum Beispiel mit einem Lerngarten und einer Aussichtsplattform. Außerdem hätten Studien schon gezeigt, dass sich das Gasteig-Dach nicht eigne.

Auch die Stadtwerke, die wegen der städtischen Bäder in den Blick der BA-Mitgliedern gekommen waren, müssen für die Au und Haidhausen absagen. Zwar seien Paneele auf dem Prinzregentenbad grundsätzlich möglich. Allerdings sei das Dach durchgehend begrünt, weshalb es sehr aufwendig wäre, dort eine Anlage zu montieren. Außerdem sei der freie Platz vergleichsweise klein. Aber, so kündigen die Stadtwerke an, auf das Hallenbad in Harlaching komme noch in diesem Jahr eine Photovoltaik-Anlage. Ebenso prüfen die Stadtwerke, ob man nicht in Fröttmaning auf die "Technische Basis" der U-Bahn eine große Solaranlage bauen könnte. In Haidhausen und der Au allerdings gebe es keine Möglichkeit, auch weil der Busbahnhof am Orleansplatz wohl in den kommenden zehn Jahren saniert werden müsse, weshalb dieser Standort derzeit ausfalle.

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SZ vom 04.03.2020
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