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Au/Haidhausen:Ausgebremst

Der Bezirksausschuss hat versucht, durch mehrere Anträge den Radverkehr im Viertel zu optimieren. Stadt und die Polizei lehnen die meisten Forderungen aber ab, nur ein paar weitere Stellplätze werden genehmigt

Von Patrik Stäbler, Au/Haidhausen

Wie lässt sich das Radfahren in der Au und Haidhausen attraktiver gestalten, ohne andere Verkehrsteilnehmer ungebührend zu benachteiligen? Bei dieser Frage gehen die Meinungen im örtlichen Bezirksausschuss (BA) und im Rathaus bisweilen auseinander - wobei Letzteres meist am längeren Hebel sitzt. So hat die Stadtverwaltung nun mehrere BA-Anträge zum Radverkehr abgelehnt, unter anderem die Stein- und Balanstraße, die Eduard-Schmid-Straße, den Haidenau- und Prinzregentenplatz betreffend.

Radfahrer in der Rosenheimer Straße in München, 2017

Auf der Rosenheimer Straße geht es eng zu.

(Foto: Stephan Rumpf)

Dabei war das Kreisverwaltungsreferat (KVR) durchaus angetan vom Vorschlag des BA, am Prinzregentenplatz eine Rampe für Radler in die Lucile-Grahn-Straße zu errichten. Dadurch ließen sich "die bisher verbotswidrig über den westlichen Gehweg fahrenden Radfahrenden besser führen", schreibt die Behörde in ihrer Stellungnahme. Und dennoch lehne man eine Radwegeauffahrt an der Stelle ab, heißt es weiter - wegen der Einwände der Polizei.

Das Polizeipräsidium München warnte vor "erheblichen Problemen", würde der Vorschlag umgesetzt. Die Rampe würde den dortigen Polizeiparkplatz für Radfahrer öffnen, was gerade bei Einsätzen Gefahrenpotenzial berge. Zudem wäre die Kameraüberwachung "zur Eigensicherung der geparkten Dienstfahrzeuge" dann aus Datenschutzgründen nicht mehr möglich, so das Polizeipräsidium. Und ohnehin hätte eine Rampe an der Stelle nur einen "fraglichen Mehrwert für die Radverkehrsführung". Ablehnend hat das KVR auch auf den BA-Antrag reagiert, am Haidenauplatz die Einfädelung für Radfahrer in die Orleansstraße rot einzufärben. Man wolle sich bei derlei Fahrbahnmarkierungen auf Abschnitte konzentrieren, in denen Radfurten vom Abbiegeverkehr gekreuzt werden oder zwischen zwei Fahrspuren liegen, erklärt die Behörde. Beides ist am Haidenauplatz nicht der Fall - wiewohl der BA die Situation für Radfahrer dort als "äußerst gefährlich" einstuft. Verschiedener Ansicht sind das Stadtteilgremium und das KVR auch bei der Frage, ob die Eduard-Schmid-Straße von der Corneliusbrücke bis zur Humboldtstraße zur Fahrradstraße werden soll. Dies hatte der BA beantragt; die Stadt aber sieht darin "insbesondere aus Sicht der Verkehrssicherheit" keinen Mehrwert. Schließlich ist die Straße laut KVR weder eine Haupt- noch eine Nebenroute für den Radverkehr. Überdies würden dort ohnehin Tempo 30 und eine Einbahnstraßenregelung gelten.

Stadtteil München-Haidhausen, 2018

Malerisch: am Pariser Platz gibt sich ein Radl für Kunst aus.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ebenfalls abblitzen lassen hat die Stadt den BA beim Thema Stein- und nördlicher Balanstraße zwischen Rosenheimer Platz und Auerfeldstraße. Dort hatte das Gremium mittels mehrerer Anträge gefordert, die schmalen "Handtuch"-Radwege dem Gehsteig zuzuschlagen, um gefährliche Begegnungen von Radlern und Fußgängern zu unterbinden. Zwar ist auch das KVR der Ansicht, dass die Radwege "nicht den aktuellen Regelwerken entsprechen".

In ihrer Stellungnahme verweist die Behörde jedoch auf den aktuell geltenden Stopp beim Radwegerückbau in Tempo-30-Zonen, den der Oberbürgermeister im September 2019 verfügt hat. Dieser gelte so lange, bis sich der Stadtrat erneut mit dem Thema beschäftigt habe. Die Idee des BA, die Radwege in der Stein- und Balanstraße mittels Barrieren zu sperren, lehnt das KVR ab. Vielmehr plädiert die Behörde dafür, "nicht benutzungspflichtige Radwege in Tempo-30-Zonen langfristig zurückzubauen", sodass ein "eindeutig erkennbarer" Gehweg entstehe. Erst danach könnten auch Fahrradstraßen ausgewiesen werden - dies war ebenfalls eine Forderung aus dem Stadtteilgremium.

Immerhin: Beim Thema Stellplätze für Fahrräder will die Stadtverwaltung zwei BA-Forderungen nachkommen. Zum einen sollen am Schwester-Eubulina-Platz 24 neue Abstellmöglichkeiten sowie zwei Parkplätze für Lastenräder errichtet werden. Zum anderen hat das Baureferat angekündigt, zwei Autoparkplätze an der Kreuzung von Innerer Wiener Straße und Chorherrstraße zu opfern. Hier sollen im Frühjahr Abstellmöglichkeiten für zehn Fahrräder und zwei Lastenräder entstehen.

© SZ vom 12.02.2021
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