Au/Haidhausen:Absage aus dem Rathaus

Läden dürfen ihre Verkaufsflächen nicht im Freien vergrößern

Von Patrik Stäbler, Au/Haidhausen

Schanigärten sieht man in der Au und vor allem in Haidhausen gefühlt in jeder zweiten Straße. Schaniläden jedoch wird es in dem Stadtbezirk keine geben - obschon der Bezirksausschuss (BA) dies beantragt hat. Um das lokale Gewerbe in der schwierigen Pandemiezeit zu unterstützen, wollte das Gremium es Geschäften erlauben, ihre Waren in einer Parkbucht vor dem Laden feilzubieten. Dieser Idee hat das Rathaus nun jedoch eine Absage erteilt. In einem Schreiben an den BA verweist das Kreisverwaltungsreferat (KVR) auf die positive Entwicklung der Pandemielage, deretwegen Läden inzwischen wieder Kundschaft empfangen können. Und das Mobilitätsreferat führt als Begründung den einhergehenden Wegfall von Parkplätzen an, der "zur weiteren Erhöhung des ohnehin schon hohen Parkdrucks" führen würde.

Aufgrund der Pandemie dürfen Cafés und Restaurants ihre Tische und Stühle in den warmen Monaten auf Parkplätzen vor dem Lokal aufbauen - in sogenannten Schanigärten. Analog dazu wollte es der BA nun auch den Geschäften in der Au und Haidhausen ermöglichen, ihre Verkaufsfläche im Freien zu erweitern, um "sich im Bezirk zu präsentieren und sich wieder ins Bewusstsein zu rufen", wie es im Antrag zu den Schaniläden hieß. Die Begründung, mit der dieser nun abgelehnt wurde, habe ihn sehr erbost, kommentierte Martin Wiesbeck (Grüne). "Erstens ist die Pandemie nicht vorbei. In Großbritannien gibt's jemanden, der brütet gerade die fünfte Variante aus." Und zweitens, so Wiesbeck, sei das Rathaus gar nicht auf das Hauptargument des BA eingegangen. "Uns geht es um die Existenzsicherung einzelner Gewerbebetriebe - und nicht um mehr Aufenthaltsqualität."

Anders als Wiesbeck erachtete Nikolaus Haeusgen (CSU) die Begründung von KVR und Mobilitätsreferat als "ziemlich ausführlich und einigermaßen ausgewogen". Die Behörden hatten im Weiteren argumentiert, dass durch die Ausweisung von Schaniläden "nochmals immense Flächen dem Gemeingebrauch entzogen würden". Allein durch die Schanigärten entfallen dem Mobilitätsreferat zufolge mehr als 1100 Parkplätze von April bis Oktober; hinzu kämen weitere Einschränkungen durch die Einrichtung von Sommerstraßen und Parklets. Und nicht zuletzt, so das KVR, unterstütze die Stadt die Gewerbetreibenden bereits, indem sie öffentliche Flächen für Einlass- und Abholzonen nutzen dürfen, um Click & Collect oder Click & Meet anzubieten.

© SZ vom 23.07.2021
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