Au Grüne Inseln im Verkehr

Platz für ein paar Blümchen gibt es überall: Urban Gardening fasst auch in München langsam Fuß, doch den öffentlichen Raum haben die Freizeit-Gärtner noch längst nicht erobert.

(Foto: Stephan Rumpf)

In vielen Anträgen bei der Bürgerversammlung in der Au wird die Stadt aufgefordert, die Situation der Radler, Fußgänger und Autofahrer zu verbessern - und das Garteln auf öffentlichen Grünflächen zu erlauben

Von Johannes Korsche, Au

Eine Menge Klassiker in etwa zwei Stunden, wie bei einem Doppelalbum mit Nummer-Eins-Hits der Beatles: Nach diesem Muster ist die Bürgerversammlung der Münchner Au am Donnerstagabend abgelaufen, geleitet von der SPD-Stadträtin Bettina Messinger. Die etwa 110 Bewohner der Au, die in die Turnhalle des Pestalozzi-Gymnasiums gekommen waren, beschäftigt vor allem ein großes Thema - der Verkehr.

Fast alle gestellten Anträge drehten sich um die Situation der Radler, Fußgänger und Autofahrer in dem an der Isar gelegenen Stadtteil. Außerdem stimmten sie für die mittlerweile zum Evergreen der Bürgerversammlungen gewordene Forderung, private Feuerwerke an Silvester zu verbieten. Und bisher ungenutzte städtische Grünflächen könnten, so jedenfalls der Wunsch, zum Urban Gardening den Anwohnern übergeben werden, zum "städtischen Garteln" also, so Antragssteller Michael Grohmann. So könnten mehrere Treffpunkte entstehen, was sich "sehr positiv" auf das Viertel auswirken werde.

Mit Blick auf die momentan laufende Wohnbebauung des ehemaligen Paulaner-Geländes wollen die Auer dem befürchteten Verkehrsinfarkt auf verschiedene Weise vorbeugen. Unter anderem fordern sie dafür einen "Bürgerkonvent" zum Thema Wohnen und Verkehr mit allen Stadträten, den drei Bürgermeistern und Vertretern der Stadtverwaltung, "gegebenenfalls mehrtägig".

Die Au habe eine Verkehrsberuhigung "dringend nötig", befand auch Matthias Kowalski, weshalb er seinen Antrag von 2017, den die Stadtverwaltung inzwischen abschlägig beantwortet hat, noch einmal stellte. Er fordert darin ein Konzept zur Verkehrsberuhigung. Die Stadt solle dabei Spiel-, Fahrrad- und Anwohnerstraßen ausweisen und außerdem Flächen zum Fahrradparken finden. Sein erster Anlauf war bei der Stadtverwaltung durchgefallen, weil die keine Parkplätze im Viertel verlieren wolle, berichtete er. Dabei gehe es ihm doch gar nicht um die Parkplätze, sondern um die Verkehrsberuhigung. Wenn der Bürgerwille ignoriert werde, frage er sich schon, warum man überhaupt eine Bürgerversammlung veranstalte.

Die Vorarbeit für das gewünschte Verkehrskonzept könnte die Umsetzung einer anderen Idee leisten. Der Bezirksausschuss solle ein mobiles Messgerät anschaffen, das auch Zahl, Geschwindigkeit und Art der vorbeifahrenden Autos erfasse. Diese Daten sollen im nächsten Schritt die Grundlage für weitere Überlegungen zum Verkehr bilden.

Dass aber allein die Anordnung einer Verkehrsberuhigung nicht ausreicht, darauf wies Lukas Dassler hin. Er wohne an der Claude-Lorrain-Straße, eigentlich ist das eine Tempo-30-Zone. Doch weil sich daran die wenigsten halten, forderte er einen dauerhaften Blitzer an der Kreuzung zur Humboldtstraße. Momentan "rasen die da".

Damit eben nicht so viel Auto gefahren werden muss, wünschen die Auer, dass die Trambahnlinie 17 zur Schwanseestraße fährt. Die biegt derzeit noch vor der Isar in Richtung Norden ab, weshalb gleich zwei Tramlinien Richtung Bogenhausen fahren, allerdings nur noch die 18er Linie durch die Au. Würde sich das ändern, entstehe eine "bessere Diagonale und mehr Gerechtigkeit", heißt es in dem Antrag. Auch anderswo soll es für diejenigen, die auf das Auto verzichten, besser werden. Maximilian Funks Antrag folgend wollen die Auer, dass der Fuß- und Radsteg beim Müller'schen Volksbad breiter wird, sodass dort Radler und Fußgänger jeweils eigene Wege bekommen.