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Au:Behutsame Pflege

Kompensationszahlungen der Bayerischen Hausbau fließen zum Teil in den Erhalt des Kroneparks: Mit dem Geld soll die Grünanlage nach historischem Vorbild instandgesetzt werden, fordern Anwohner und Lokalpolitiker

Als Ende März die Giesinger und Auer gefragt wurden, wie sie sich die Zukunft des Kroneparks vorstellen, war der Tenor eindeutig: bloß keine großen und strukturellen Veränderungen, keine zusätzlichen Sport- und Spielgeräte. Nun beschäftigte sich der Bezirksausschuss Au-Haidhausen (BA) mit den Anträgen aus der Einwohnerversammlung. Die meisten Forderungen der Bürger unterstützten die Lokalpolitiker, aber sie wollen nicht jeden Wunsch der Einwohner mittragen.

Da die Bayerische Hausbau bei der Entwicklung des ehemaligen Paulaner-Geländes nicht genügend Freizeitflächen, insbesondere für Jugendliche, schaffen wird, hat sich das Immobilienunternehmen dazu verpflichtet, der Stadt Kompensationszahlungen zu überweisen. Damit sollen insgesamt zehn Projekte in der unmittelbaren Umgebung finanziert werden, geschätzte Gesamtkosten: knapp 4,4 Millionen Euro. Davon stehen etwa zwei Millionen Euro für den Kronepark bereit. So schreibt es ein städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt und der Hausbau fest.

Eben jener Vertrag zwischen Hausbau und Stadt ist auch der Grund, warum die Stadtteilpolitiker nicht jeden Bürgerantrag unterstützen. So hatte die Einwohnerversammlung einstimmig beschlossen, die Kompensationszahlungen der Hausbau nicht anzunehmen. Stattdessen sollten die Freizeitflächen auf dem ehemaligen Paulaner-Gelände selbst geschaffen werden. Diesem Anliegen wollten die BA-Mitglieder nicht folgen. Nicht etwa, weil sie mit der Idee des Antrags nicht sympathisierten, sondern vielmehr, weil "der Zug abgefahren ist", wie der stellvertretende BA-Chef Andreas Micksch (CSU) sagte. Schließlich ist der städtebauliche Vertrag unterschrieben, und auch der Bebauungsplan zum ehemaligen Paulaner-Gelände ist längst in Kraft getreten. Eine nachträgliche Umplanung dürfte daher kaum realisierbar sein. Bei künftigen Projekten wolle man sich aber - wie schon bei dem Großprojekt in der Au - dafür einsetzen, dass die Freizeitflächen auf dem Baugelände selbst nachgewiesen werden. Wie die Anwohner fordern allerdings auch die Auer Lokalpolitiker einstimmig, dass im Kronepark keine zusätzlichen Spiel- und Sportangebote wie beispielsweise ein Fußballfeld angelegt werden. Vielmehr soll der Park am Nockherberg "behutsam" mit einem "Parkpflegewerk, das die historische Bedeutung des Kroneparks berücksichtigt", instandgesetzt werden, heißt es in einem Antrag. Ein Parkpflegewerk bedeutet zunächst eine historische und pflegerische Analyse der Parkanlage. Wie das Baureferat Ende März zusicherte, sei eine entsprechende Analyse bereits in Arbeit. Auf Basis dieser Ergebnisse wird festgelegt, was erhaltenswert ist und wie mit der Grünanlage umgegangen werden sollte. Die Idee eines Parkpflegewerks findet in der Au auch deshalb so viele Freunde, weil der Kronepark auf eine fast 150-jährige Geschichte zurückblickt. Noch heute sieht er in weiten Teilen so aus, wie ihn der Landschaftsarchitekt und Hofgärtendirektor Carl von Effner um 1880 anlegte, damals als Privatpark des Münchner Brauers Franz Xaver Schmederer. Seit der Kronepark 1957 als öffentliche Grünanlage im Eigentum der Stadt München ist, hat sich die Anlage auch nicht wesentlich verändert. Ein Beispiel für die Umsetzung eines Parkpflegewerks in München ist der Alte Botanische Garten, für den mit dem Neubau der "Lenbachgärten" ein Parkpflegewerk erstellt wurde.

Für kleinere Eingriffe in den Park können sich aber trotzdem viele Bürger begeistern. So soll eine öffentliche Toilette im Park unterkommen - auch um unabhängig von den Öffnungszeiten des Café Crönlein zu sein. Außerdem sollen die Wege in den Kronepark während des Winters geräumt werden. Geprüft wird auch, ob es einen Bereich geben kann, in dem essbare Kräuter und Beeren angebaut und geerntet werden können.