Asylbewerber Eine Zeitarbeitsfirma, die ohne Gewinnerzielungsabsicht arbeitet

Social Bee ist eine Zeitarbeitsfirma. Das heißt, die Flüchtlinge sind dort angestellt, werden aber an Firmen "verliehen". Diese Unternehmensform sei für sie ein praktisches Konstrukt, sagen die Gründer Zarah Bruhn, 26, und Maximilian Felsner, 27. Zeitarbeitsfirmen seien ja normalerweise "ein knallhartes Geschäft", so Felsner. Bei Social Bee aber habe man sie neu interpretiert. Nicht umsonst ist die Firma mit dem sozialen Namen als gemeinnützig anerkannt, das Unternehmen arbeite ohne Gewinnerzielungsabsicht, der gesellschaftliche Mehrwert stehe im Vordergrund. "Wir sind ein Integrationsdienstleister", betont Bruhn.

Die Flüchtlinge sind bei Social Bee angestellt und verdienen mindestens 9,23 Euro die Stunde, je nach Branche können Zuschläge dazu kommen. Zur Verfügung gestellt werden ihnen ein MVV-Ticket und Sprachkurse sowie eine Sozialpädagogin als Ansprechpartnerin. Den Unternehmen, in denen die Mitarbeiter eingesetzt werden, nimmt Social Bee sämtliche Formalitäten ab, von der Auswahl des passenden Kandidaten über die Arbeitserlaubnis bis zur Motivation.

In einem Personalentwicklungsprogramm etwa lernen die Mitarbeiter alles über Gepflogenheiten in deutschen Betrieben, vom Tonfall dem Chef gegenüber bis zum Du oder Sie. Zur Zeit arbeitet die Firma Social Bee, die aus den beiden Gründern und acht weiteren Teilzeitkräften und Praktikanten besteht, mit neun Firmen zusammen. Die Zahl der angestellten Flüchtlinge sei "zweistellig" und steige wöchentlich, daher möchte man keine genaue Zahl nennen.

Das Ziel ist jedenfalls klar: Die Firma möchte sich bundesweit ausbreiten und noch mehr Personal einstellen. Die Angestellten aber sollen nicht ewig bei ihnen bleiben. "Wir verstehen uns als Sprungbrett", betont Bruhn. Nach eineinhalb Jahren sollen die Mitarbeiter in der Lage sein, auf den regulären Arbeitsmarkt zu wechseln.

Ihre Idee, die Bruhn und Felsner 2015 hatten, bereitet den beiden Studenten - Felsner hat einen Abschluss in Volkswirtschaft und studiert nun Philosophie, Bruhn ist im Master Maschinenbau und Betriebswirtschaft - jedenfalls täglich große Freude. "Wir sehen so viele dankbare Gesichter, es ist eine extrem erfüllende Arbeit", sagt Bruhn strahlend.

Auch Lewis Mogbeyi liebt seine Arbeit. Manchmal besteht im Lager bei allem praktischen Haushaltswaren-Deutschkurs aber auch die Gefahr, dass Mogbeyi Worte lernt, die es gar nicht gibt. So nennt er als Beispiel für sein neues Vokabular "Variabolo". Was um alles in der Welt ist ein Variabolo? Er holt es aus dem Regal. Es ist eine kleine Brotzeitbox, und Variobolo ist nur der Markenname. Aber, gibt Mogbeyi zu, viele der Worte vergisst er ohnehin wieder, sobald er das Lager verlässt. Es sei denn, er merkt sie sich extra, um Timothy zu beeindrucken.

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