Asylbewerber:Lasst Flüchtlinge arbeiten: Warum die Forderung der CSU populistisch ist

Landesaufnahmebehörde für Asylsuchende

Beschäftigungslosigkeit ist eines der größten Probleme, mit denen Flüchtlinge in ihren Unterkünften zu kämpfen haben.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • "Lasst sie arbeiten": Die CSU findet, dass eine sinnvolle Beschäftigung für Flüchtlingen sei das beste Mittel zur Konfliktlösung ist.
  • Derzeit seien sie in ihren Unterkünften meist zur Untätigkeit verdammt.
  • Auslöser für den Vorstoß der CSU sind Unruhen in einem Obersendlinger Asylbewerberheim.

Von Dominik Hutter

Arbeit ist ein Stück Integration, da hat die Rathaus-CSU durchaus recht. Und dass es besser ist, eingebunden zu sein in die Organisation des eigenen Umfelds und sich deshalb auch dafür verantwortlich zu fühlen, steht ebenfalls außer Frage. Fremdbestimmtheit und sinnloses Herumsitzen zählen zu den größten Problemen, mit denen Asylbewerber und Flüchtlinge in ihren Unterkünften zu kämpfen haben.

Nur: Dies mit den noch nicht einmal vollständig aufgeklärten Vorfällen in einer Obersendlinger Unterkunft zu verknüpfen und "lasst sie arbeiten" zu fordern, ist dann doch ein reichlich populistisches Unterfangen. Denn die Botschaft der CSU lautet: Probleme in den Unterkünften gibt es nur, weil deren Bewohner aus Langeweile herumzicken.

Das ist zu kurz gesprungen. Niemand muss Verständnis dafür haben, dass sich Asylbewerber - wie am Sonntag geschehen - gewalttätige Auseinandersetzungen wegen angeblich zu schlechten Essens liefern. Schläger müssen die Härte des Gesetzes zu spüren bekommen, ob es nun Deutsche sind oder Migranten. Die Vorfälle in der Schertlinstraße aber zu verallgemeinern und einfach mal schnell allen Asylbewerbern einen Hang zum Unfugmachen mangels sinnvoller Beschäftigung zu unterstellen, entbehrt nicht einer gewissen Perfidie. Die CSU verwendet einen prinzipiell sinnvollen Ansatz (Beschäftigung/Eigenverantwortung) im falschen Kontext.

Der erste Schritt, um Gewaltexzesse zu vermeiden, sollte eine Ursachensuche sein. In Gemeinschaftsunterkünften wimmelt es von Problemen - die manchmal drangvolle Enge etwa, die fehlende Privatsphäre, nervende oder gar übergriffige Mitbewohner, ja, und auch ein Mangel an sinnvollen Betätigungsmöglichkeiten.

Ohne die Schlägerei vom Sonntag entschuldigen oder verniedlichen zu wollen, gilt es, all diese Faktoren zu berücksichtigen, um die Situation seriös beurteilen zu können und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Bei der CSU hört sich das viel einfacher an: Wären die Asylbewerber von der Arbeit richtig ausgepowert gewesen, hätten sie bestimmt keine Lust mehr gehabt herumzumotzen. Vielleicht hätten sie aber auch einfach nur gerne selbst gekocht.

© SZ vom 01.09.2016/imei
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