Asylbewerber in Psychiatrie:Bouzalmate wurde in seiner Heimat mit dem Tod bedroht

Tobias Klaus vom Bayerischen Flüchtlingsrat ist der Schuldzuweisungen leid. Der junge Marokkaner sei schlichtweg traumatisiert, und wenn er Regeln gebrochen habe, dann aus panischer Angst wieder in seine Heimat zurückkehren zu müssen. Auch hier ist Ettayebi Bouzalmate ein durchaus typischer Fall.

Aus Scham heraus hatte er 2010 den Behörden bei seiner Ankunft in Deutschland verschwiegen, dass er homosexuell ist und deswegen in seiner Heimat brutal verprügelt und von einem Onkel mit dem Tod bedroht worden sei. Stattdessen berief er sich darauf, als Moslem zum Christentum konvertiert zu sein. Die für Bouzalmate eigentlich zuständigen Behörden in Hessen schließen daraus eines: Der Mann lügt. Dieser Eindruck festigte sich um so mehr, als er Anfang März 2012 auch noch untertauchte, um sich so nach dem abgelehnten Asylantrag einer Abschiebung zu entziehen.

In München fand der nun illegale Ausländer wohl einen Unterschlupf, nicht aber die erhoffte Sicherheit. Wenige Tage nach seiner Fahrt nach Bayern geriet er in eine Polizeikontrolle, wurde festgenommen und kam für zwei Wochen nach Stadelheim. Die hessischen Behörden baten die bayerischen Kollegen um Amtshilfe. Das Münchner Amtsgericht verurteilte Bouzalmate zu fünf Monaten Haft auf Bewährung wegen unerlaubten Aufenthalts, setzte ihn dann aber auf freiem Fuß.

Abschiebehaft in Stadelheim

Bei einer Kontrolle im Münchner Hauptbahnhof wurde der junge Marokkaner jedoch erneut festgenommen. Er landete wieder in Stadelheim, dieses Mal in Abschiebehaft. Ein Amtsarzt stellte dort fest, eine psychische Erkrankung sei bei Bouzalmate nicht auszumachen - aber es bestehe "die Gefahr suizidaler Handlungen". So kam es dann auch. Dennoch sprechen die hessischen Behörden bis heute von einer vorgetäuschten Verzweiflungstat.

Bouzalmate ist nun zwar auf freiem Fuß. Aber die zurückliegenden Monate haben ihm sichtlich zugesetzt. Im Büro des Flüchtlingsrates kauert er mehr als er sitzt. Was ihn derzeit noch schützt, ist ein rechtliches Problem, das nun der Europäische Gerichtshof klären soll. Dieses hat zwar nichts mit Bouzalmates eigentlicher Problematik zu tun - aber auch das ist typisch für viele Asylbewerber.

Der EuGH soll klären, ob Abschiebehäftlinge in normalen Haftanstalten untergebracht werden dürfen. Bayerns Justizminister Winfried Bausback hat darauf schon eine Antwort gefunden. Er hat angeordnet, in Mühldorf am Inn das Gefängnis speziell für Abschiebehäftlinge umzubauen. Bouzalmates Anwalt Gerhard Meyer sieht für seinen Mandanten dennoch Chancen: Inzwischen habe sich bei Asylverfahren die Einsicht durchgesetzt, dass Homosexuelle in Marokko sehr wohl Gefahren ausgesetzt sind.

Tobias Klaus vom Flüchtlingsrat indes sagt, er kenne etliche einst abgelehnte Asylbewerber wie Bouzalmate, die nun aber eine feste Aufenthaltserlaubnis hätten. Einer von ihnen ist Felleke Bahiru Kum. Dieser saß bereits als Abschiebehäftling im Flugzeug, das ihn zurück nach Äthiopien bringen sollte. Kum wehrte sich damals mit Leibeskräften, die Abschiebung wurde ausgesetzt. Der junge Mann studiert in Bayern inzwischen Medizintechnik. "Wer nicht kämpft, ist hier verloren", sagt er. Ettayebi Bouzalmate ist noch mitten drin im Kampf um eine sichere Zukunft - Ausgang ungewiss.

© SZ vom 03.01.2014/mmo
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