Die Münchner Klassikfans sind ja gerade viel unterwegs. Vor allem Richtung Salzburg, was in den ersten Augusttagen für Bahnreisende eine ziemliche Tortur war wegen Bauarbeiten auf der Strecke. Aber was nimmt man nicht alles auf sich für die Kunst, sogar Schienenersatzverkehr. Keine Frage, um Asmik Girgorinan zu hören, würde man sogar auf einem Eselskarren Platz nehmen, oder als überzeugter Öffis-Nutzer einen Leihwagen buchen. Doch am Sonntag, 24. August, geht zum Glück wieder ein Direktzug in die Festspielstadt.
„A Diva is Born“ nennt die litauische Ausnahmesängerin ihren, nein, ein Liederabend ist es nicht, eher eine Show, wie die Festspiel-Presseabteilung mitteilt. Natürlich schwingt in diesem Titel so einiges mit: vor allem Grigorians Aufstieg zum Weltstar mit der legendären Salzburger „Salome“. Aber auch Lady Gaga (mit Bradley Cooper) im Film „A Star is Born“ (2018), wiederum ein Remake des Klassikers mit Barbra Streisand und Kris Kristofferson von 1976, der seinerseits bereits ein Remake war ... Aber wir schweifen ab. Nur so viel noch, für Gaga gab’s den Oscar als beste Hauptdarstellerin und den Preis für den besten Originalsong („Shallow“).
Ob Asmik Grigorian dieses Lied singen wird? Jedenfalls will sie an diesem Abend im Großen Festspielhaus (Beginn 21 Uhr), bei dem die 44-Jährige auf ihre Karriere zurückblickt, auch Songs von Lady Gaga interpretieren, mit der sie nicht nur die große Stimme, sondern auch ein Faible für fantasievolle Outfits teilt. Ebenfalls auf dem Programmzettel: Stücke von Sting, John Lennon/Paul McCartney, Olivier Messiaen, Georges Bizet, Giacomo Puccini und einigen anderen mehr, aber das bleibt eine Überraschung.
An Grigorians Seite ist Hyung-ki Joo, der sie am Klavier begleitet und den der österreichische Standard als „Pianist und Komiker“ bezeichnet. Ja, an der Wiener Staatsoper haben die beiden „A Diva is Born“ 2024 bereits zum Besten gegeben. Und um noch mal den Standard zu zitieren, es soll ein „verrückter Abend“ gewesen sein. Also auf nach Salzburg, es gibt noch einige Karten.
Wie gesagt, Münchens Klassikpublikum ist in Reiselaune. Ein Muss ist da auch Grafenegg in Niederösterreich, ein Ziel, das Zugreisenden allerdings ein gewisses Maß an Langmut abverlangt. An vier Wochenenden von Mitte August bis Anfang September gibt es dort das Grafenegg Festival auf verschiedenen Bühnen in einem beschaulichen Schlosspark.

Die künstlerische Leitung liegt bei Pianist Rudolf Buchbinder, der nicht nur Pultgrößen wie Zubin Mehta, Mirga Gražinytė-Tyla, Andris Nelsons, Daniel Harding oder Franz Welser-Möst nach Grafenegg lotst, sondern für die Ausgabe 2025 auch Stars wie Juan Diego Flórez, Klaus Florian Vogt, Gautier Capuçon, Hilary Hahn oder Anne-Sophie Mutter gewinnen konnte. Für das Konzert der Stargeigerin am 22. August gibt es allerdings schon eine Warteliste. Mutter tritt mit dem Royal Philharmonic Orchestra auf und spielt ihr John-Williams-Programm „Across the Stars“.
Weil’s so hübsch ist, sei es hier wiedergegeben. Auf die Frage „Wie soll ich mich kleiden?“ (für die Open Air-Konzerte im Park), kann die Website des Festivals weiterhelfen: „In Grafenegg ist jeder so willkommen, wie er sich wohlfühlt – von der eleganten Abendgarderobe bis zur Jeanshose. Im Sommer kommen die meisten Herren im Sommeranzug ohne Krawatte und die Damen im sommerlichen Kleid mit warmer Weste für die Abendstunden. Bei unsicherer Wetterlage empfiehlt es sich, wetterfest und praktikabel gekleidet zu sein. Bitte bedenken Sie bei der Wahl Ihres Schuhwerks die unbefestigten Wege am Areal. Im Winter reicht die Auswahl vom eleganten Trachtengewand bis zur Stoffhose oder Jeans mit Hemd oder Bluse.“
Wir wechseln nach Tirol: Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik gehören seit fast 50 Jahren zu den wichtigsten Festivals barocker Musik in Europa. Da lohnt die knapp zweistündige Zugfahrt von München aus unbedingt. Noch bis zum 31. August kann man an verschiedenen Spielstätten in Innsbruck nicht nur Opern-Raritäten erleben, es präsentieren sich auch renommierte Ensembles und Solisten der Szene. So haben beispielsweise der Cembalist Ottavio Dantone und Countertenor Andreas Scholl ein Duoprogramm mit Werken von Henry Purcell und Georg Friedrich Händel gestaltet, das sie zum Abschluss der Festwochen am 30. August im Spanischen Saal von Schloss Ambras in Innsbruck vorstellen werden.

